Eilmeldung

Eilmeldung

Hawa Aden Mohamed gibt Somalias Jugend Hoffnung

Sie lesen gerade:

Hawa Aden Mohamed gibt Somalias Jugend Hoffnung

Schriftgrösse Aa Aa

Darf es noch Hoffnung geben in einem Land wie Somalia?

Hawa Aden Mohamed hat nie aufgegeben, daran zu glauben.

Wir haben sie in Galkayo getroffen, wo es derzeit große Spannungen zwischen Soldaten und Piraten gibt.

Trotzdem führt sie uns zu den Vergessenen dieses Konflikts, deren Zukunft sie täglich mit aufbaut. Für dieses Engagement wurde sie mit dem Nansen-Flüchtlingspreis der Uno ausgezeichnet.

Woman and War widmet dieser außergewöhnlichen Frau in diesem Monat eine Spezialsendung.

Sahra, Flüchtling im Camp von Halabokhad:
“Ich komme von der äthiopischen Grenze. Wir zogen dort Tiere auf, vor allem Ziegen. Wegen der Trockenheit habe ich alle meine Tiere verloren. Und es gab auch Kämpfe zwischen verfeindeten Stämmen. Deshalb haben wir entschieden, die Region für mehr Sicherheit zu verlassen, und sind hierher gekommen.”

Sahra ist vor 3 Monaten ins Camp von Halabokhad gekommen. Es liegt nahe der Stadt Galkayo in der somalischen Region Puntland. Viele Flüchtlinge kommen hierher, um der Gewalt im Land zu entkommen – und der Trockenheit, die die ländlichen Gemeinden Hunger leiden lässt.

Sahra ist auf die Solidarität der anderen Flüchtlinge angewiesen, um ihre Familie zu ernähren. Sie hofft auf den Besuch einer Frau, die alle hier kennen, um ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

Hawa Aden Mohamed hat tausenden Migranten-Familien wieder Hoffnung gegeben. Wie Asha, die allein ihre 9 Kinder und 5 ihrer Neffen und Nichten großzieht. Ein Darlehen in Höhe von 300 Dollar hat es ihr erlaubt, ein kleines Geschäft auf dem Markt des Camps zu eröffnen – unter der Schirmherrschaft von Hava Aden Mohamed und ihrem Verein GECPD.

Asha Ali Samtar, Flüchtling:
“Mein Geschäft läuft gut im Vergleich zu früher, als ich niemanden hatte, der mir half. Früher habe ich Leute angebettelt, mir 2000 Schilling zu geben, damit ich mir ein Glas Wasser kaufen konnte. Nun kann ich Gemüse und alles, was ich brauche, selbst kaufen.”

Der Verein hat ihr auch ermöglicht, Lesen und Schreiben zu lernen, und mehrere ihrer Kinder und Neffen auf die Schule zu schicken.
Frauen den Zugang zu Ausbildung zu ermöglichen ist seit jeher das tägliche Bemühen von Mama Hawa. Sie ist dafür mit dem Nansen-Flüchtlingspreis der UNO ausgezeichnet worden.

Hawa Aden Mohamed, Direktorin des GECPD:
“Der gesamte Markt ist für sie kostenfrei. Aber am Nachmittag, das ist eine Pflicht, müssen sie zur Schule gehen, um Lesen und Schreiben zu lernen. Das war eine Bedingung, die wir gestellt haben. Denn wie können sie weiterkommen, wenn sie keine Ausbildung haben. Wenn sie nicht verstehen, um was es geht. Auch wenn sie nicht Lesen und Schreiben können, haben sie ein Gehirn. Sie können reden und erkennen, was richtig oder falsch ist. Aber sie können nicht auf Augenhöhe argumentieren. Um ihre Rechte einzufordern.”

Hawas Verein arbeitet in rund 20 Flüchtlingscamps der Region. Wir können nur das von Halabokhad sehen. Es ist am besten ausgestattet und am besten gesichert.

Puntland, die normalerweise ruhige halb-autonome Region, wo sowohl bewaffnete Milizen als auch Piraten Zuflucht suchen, ist in dieser Woche in Alarmbereitschaft.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Piraten und Soldaten sind während unseres Besuchs mehrere Menschen ums Leben gekommen. Zudem gab es in jüngster Zeit Entführungen.

Ein Kurzbesuch beim Sitz des Vereins GECPD von Galkayo für Frieden und Entwicklung ist dennoch möglich.

Gegründet wurde er 1999. Damals beschloss Hawa Aden Mohamed, Flüchtling in Kenia, nach Somalia zurückzukommen und den Frauen ihres Landes Hilfe zu leisten. Kein Zufall. In den 80er Jahren war sie Frauenbeauftragte im Bildungsministerium, später gründete sie mehrere Nicht-Regierungsorganisationen zur wirtschaftlichen Unterstützung und zur Ausbildung von Frauen. Der Bürgerkrieg zwang sie schließlich, nach Kanada auszuwandern. 1995 kam sie zurück, um sich im Süden des Landes niederzulassen. Doch die Stammeskriege zwangen sie erneut zur Flucht. Als sie schließlich nach Galkayo kommt, prallen ihre Vorstellungen weiblicher Emanzipation auf Traditionen.

Hawa Aden Mohamed, Direktorin des GECPD:
“Bevor ich angefangen habe, war ich die Hexe, das war nicht gut. Ich brachte kein gutes Omen, um eine Schule aufzuziehen. Ich hatte Ideen, die für unsere Religion und unsere Kultur nicht gut waren. Deshalb war es sehr schwer. Auch die Mädchen wurden beleidigt, wenn sie die Schule verließen.”

Doch Dank ihrer Entschlossenheit hat sie, die man auch “die Hose” nannte, zusammen mit ihrem Team geschafft, in zehn Jahren 12 Grund- und weiterführende Schulen für Mädchen und eine für Jungen zu errichten. Außerdem mehrere Unterkünfte, ein Erholungszentrum und die einzige Bibliothek der Stadt. Dank dieser Mühen konnten knapp 40 Prozent der Mädchen in der Region zur Schule gehen – ein Rekord in einem Land, in dem weniger als ein Viertel der Frauen Zugang zu Ausbildung hat.

Das Zentrum ermöglicht Frauen und Mädchen im Camp auch eine Berufsausbildung.

Dieses Atelier hat das Leben einiger von ihnen verändert. Hier werden wiederverwendbare Höschen zum Auffangen der Regelblutung hergestellt. Sie werden Sanitär-Kits oder Würde-Kits genannt.

Hawa Aden Mohamed, Direktorin des GECPD:
“Es ist wirklich ein Würde-Kit. Damit niemand sieht, dass Frauen Blut verlieren….Bevor wir mit der Produktion begannen, war die Abwesenheitsquote hoch. Mädchen wollen nicht zur Schule kommen, wenn sie ihre Blutungen haben. Sie benutzten Pflanzen, Blätter, Zeitungen. Nun benutzten sie dieses Material. Es tropft nichts, und sie waschen es. Es hat also wirklich ihr Leben verändert.”

Die Produktion der Kits, die vom UN-Flüchtlingshilfswerk aufgekauft wurde und die in den Camps verteilt werden, ernährt ganze Familien.

Muna Hassan Mohamed, Schneiderin:
“Mit dem Geld, das ich hier verdiene, zahle ich den Strom und die Ausbildung meiner kleinen Brüder und Schwestern. Und ich habe noch genug für mich selbst.”

Entfernt von der Stadt und den Camps bietet das Atelier auch ein bisschen Schutz für die jungen Mädchen, die jeden Tag mit Gewalt konfrontiert werden.

Muna Hassan Mohamed, Schneiderin:
“Bevor ich mit dieser Arbeit begonnen habe, habe ich Überreste von Rauschkraut vom Boden aufgelesen und weiterverkauft, und ich habe Regenwasser verkauft. Das bisschen, was ich dabei verdient habe, nahmen mir Männer gewaltsam weg. Es war riskant. Wenn sie mein Geld hatten, folgten sie mir auf dem Heimweg, um mich zu vergewaltigen.”

Jede Woche werden 3 oder 4 Vergewaltigungen in Galkayo erfasst.
In einem Staat, wo es keine funktionierende Rechtssprechung gibt, ist die Gewalt gegenüber Frauen eine große Herausforderung für Hawa Aden Mohamed.

Sie führt auch einen regelrechten Kreuzzug gegen eine andere Form der Gewalt, diesmal zugefügt durch die Traditionen. Gemeint ist die Beschneidung von Frauen, die sie selbst auch erlitten hat.

Hawa Aden Mohamed, Direktorin des GECPD:
“Ich war sechs oder sieben Jahre alt. Da kann man sich erinnern. Und ich erinnere mich sehr eindringlich daran. Es gab damals keine Betäubung. Meine Schwester ist an den Folgen der Beschneidung gestorben. Auch heute sterben Mädchen noch daran. Nirgends steht geschrieben, dass Gott uns zwar geschaffen hat, aber dass es etwas Schlechtes an uns gibt, das abgeschnitten werden muss. Wir haben nichts getan. Es unterdrückt die Sexualität der Frauen. Das ist der Grund.”

Unablässig führt Hawa Aden ihre Kampagne bei den Behörden, um der Beschneidung ein Ende zu setzen. 98 Prozent der Somalierinnen sind beschnitten.

Hawa Aden Mohamed, Direktorin des GECPD:
“Die Kinder, die sie hier überall sehen, sie sind alle beschnitten. Das ist wirklich sehr traurig. Und warum wird das gemacht? Seit ewigen Zeiten? Wegen der Männer! Denn wenn der Vater es ablehnen würde, wenn der Bruder es ablehnen würde, würde ein Junge auch sagen, dass er das für seine zukünftige Frau nicht will. Und die Beschneidung wäre gestoppt.”

Aber um Mentalitäten zu verändern, müssen auch die Männer überzeugt werden – betont die, die sich in Galkayo Respekt verschafft hat.

Und zwar die Jungen, denen sie eine Hoffnung für die Zukunft geben möchte.

Mehrere der jungen Leute in den Ateliers sagen, dass die Piraterie, die Kriminalität oder die bewaffneten Milizen durchaus ihren Reiz für sie gehabt hätten.

Faysal Abdi Dubhour, Schweißer:
“Die Mehrheit der somalischen Jugendlichen hat keine Zukunft, und sie schließen sich den Piraten an. Nur eine Ausbildung kann ihr Leben verändern.”

Hawa Aden Mohamed, Direktorin des GECPD:
“Jungen, die dafür ausgewählt wurden, lebten meist auf der Straße, aßen Rauschkraut und waren sehr arm. Aber diese Jungen sind es, die Frieden schaffen sollten, die zusammenkommen und Hand in Hand voranschreiten sollten. Wenn wir diese Generation nicht überzeugen können, haben wir eine weitere Generation verloren.”

Die Jugend auszubilden – das Hauptanliegen für die, die die Gemeinde inzwischen als Königin von Galkayo bezeichnet.

Hawa Aden hat für diesen Tag ein Fußball- und Basketballturnier organisiert, bei dem Jugendliche verschiedener Flüchtlingscamps gegeneinander antreten. Die sportlichen Treffen sind – da sind sich alle einig – auch eine Hilfe zur Aussöhnung zwischen manchmal verfeindeten Stämmen und eine Hilfe zur Integration der Flüchtlinge in die Gemeinde, die sie aufgenommen hat.

Hawa Aden Mohamed, Direktorin des GECPD:
“Früher waren sie es, die raubten und vergewaltigten. Aber wenn wir nun fragen, was sie tun werden, sagen sie: “Wir werden unser Schwester verteidigen, wir werden unsere Nachbarn verteidigen, wir werden unsere Mütter verteidigen. Die Gemeinschaft nähert sich einander an. Am Ende des Tunnels gibt es also Hoffnung.”

Wir sind nun am Ende unserer Spezialsendung über Woman and War in Somalia. Im nächsten Monat begeben wir uns nach Kambodscha.