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Ferrari-Boss: "Ich glaube nicht an Elektroautos"

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Ferrari-Boss: "Ich glaube nicht an Elektroautos"

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Luca Cordero di Montezemolo, Präsident der italienischen Autoschmiede Ferrari, hat dem Autosalon in Paris seine Aufwartung gemacht. Euronews nutzte die Gelegenheit, um den Italiener zur Lage der Autoindustrie zu befragen, zu Steuern für Millionäre und zu seinen möglichen politischen Ambitionen.

Giovanni Magi, euronews: Ferrari scheint als eine der wenigen Marken die Krise auf dem europäischen Automarkt gut zu überstehen. Liegt das an Ihrer Nischenstellung oder gibt es andere Gründe für den Erfolg?

Luca Cordero di Montezemolo: Das liegt an drei Faktoren: Einmal haben wir viel Geld in Innovationen gesteckt, die für eine Reihe brandneuer Wagen sorgen. Zweitens treiben wir unsere Internationalisierung voran. Wir sind inzwischen in 60 Ländern auf der Welt vertreten, und es liegt drittens auch am Kundendienst und an der Kundenzufriedenheit. Wer einen Ferrari besitzt, gehört zu einer Art Club, mit einem personalisierten Fahrzeug. Man kann sich ja seinen Ferrari maßschneidern lassen.

euronews: Ihre Kunden kümmern sich wahrscheinlich wenig um den Ölpreis. Aber werden Ferraris noch lange mit Benzin fahren?

Montezemolo: Die Antwort ist: ja, denn ich persönlich glaube nicht sonderlich an Elektroautos. Wir arbeiten aber in zwei Richtungen. Zum einen – und da sehen wir schon Ergebnisse – arbeiten wir mit Technologien, die Treibstoff sparen helfen. Wir sprechen hier von Einsparungen um die 30 Prozent im Vergleich zu früheren Modellen; und sie verringern den Schadstoffausstoß. Das andere sind Hybridautos. Ende dieses Jahres werden wir den ersten Hybrid-Ferrari vorstellen, der auf Technologien aus der Formel 1 basiert, etwa den sogenannten KERS, also Systemen zur Rückgewinnung kinetischer Energie, zur Rückgewinnung sauberer Energie über die Bremse also; und ein Wagen mit unserer Kraft erzeugt viel Energie. Wir arbeiten also in dieser Richtung, ohne aber die wichtigsten Punkte aus den Augen zu verlieren: Den Spaß am Ferrarifahren. Und Spaß bedeutet dabei gar nicht mal, mit Höchstgeschwindigkeit zu fahren, sondern es bedeutet Beschleunigung, das Gefühl der Kraft, die Leidenschaft am Fahren.

euronews: Sie waren sieben Jahre lang Chef von Fiat. Wenn Sie jetzt noch an der Spitze eines Konzerns für normale Autos wären, wie würden Sie die Krise angehen?

Montezemolo: Das ist eine Millionen-Dollar-Frage, wobei eine Million vielleicht gar nicht mehr so viel ist. Ich würde das tun, was ich bei Ferrari immer versucht habe zu tun, und es klingt vielleicht naheliegend, ist es aber nicht: Ich würde schöne Autos bauen. Ich glaube, eine Tätigkeit kann nicht vom Produkt getrennt werden. Man kann ein gutes Image haben, eine gute Finanzlage, aber Grundlage ist das Produkt. Das ist, denke ich, das Wichtigste. Zum anderen – und das passiert schon bei vielen Autobauern, zum Beispiel Fiat – muss man etwa bei Bauteilen, bei Motoren Synergien schaffen, man muss Partnerschaften eingehen, um Kosten zu sparen. Ich habe als Präsident von Fiat Vereinbarungen mit Chrysler getroffen. Und Chrysler bedeutete für Fiat nicht nur die Rettung, sondern auch Wachstum.

euronews: Sie wissen wahrscheinlich, dass es in Frankreich derzeit eine Debatte gibt, weil einige reiche Unternehmer aus Steuergründen auswandern wollen. Halten Sie die Steuerlast für einen guten Grund, ein Land zu verlassen?

Montezemolo: Ich muss mit Einschränkungen ja sagen. Denn das hängt von der Höhe der Steuern ab. Aber als Unternehmer wie als Bürger, vor allem aber als Unternehmer, muss ich sagen, dass ein Land mit hohen Steuern seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern verlieren kann. Ich habe kürzlich in Italien gesagt, dass es nur fair ist, wenn die, die mehr haben auch mehr zahlen. Das ist vollkommen fair, denn es ist selbstverständlich. Und es ist ebenso nett wie richtig. Aber unter zwei Voraussetzungen. Erstens muss der Staat, wenn er von den Bürgern Opfer verlangt, zunächst selbst Opfer bringen. Und zweitens muss der Staat mir ganz klar sagen, wo meine Steuern hingehen. Denn wenn mein Geld, und ich wiederhole: als Reicher ist es fair, mehr zu zahlen, wenn mein Geld also in mehr Regierungsausgaben oder in die Korruption oder eine hohe Ausgabenpolitik fließt, dann bin ich nicht einverstanden.

euronews: Ferrari hat im Laufe seiner Geschichte auch schwere Krisen durchgemacht, konnte sich aber immer wieder aufrappeln und erholen. Wie kann ein Team selbst schwierigste Momente überstehen?

Montezemolo: Sie und die Zuschauer wissen ja, dass es nicht immer einfach ist, zu gewinnen. Und immer wieder zu gewinnen, ist noch viel schwieriger. Was man also braucht, ist Teamwork, Entschlossenheit, der Blick nach vorn, Innovationen, Investitionen in den Nachwuchs. Man muss Menschen aufzubauen, die in der dritten und zweiten Reihe stehen, die aber das Potential für die erste Reihe haben. Manchmal muss manchmal auch von außen ein, zwei Leute hereinholen, um für frischen Wind zu sorgen, für eine neue Kultur und Mentalität.

euronews: Wagen wir also einen Blick auf die Weltmeisterschaft in der Formel 1.

Montezemolo: Sehen Sie, wir stehen aktuell an der Spitze, und ich sage das mit Überzeugung, dass es an uns liegt, ob wir diese Weltmeisterschaft gewinnen oder verlieren. Natürlich hoffe ich zu gewinnen. Ich denke, die Voraussetzungen sind gut aber wir treten nun mal nicht alleine an, wir haben sehr starke Gegner. Ich hoffe, in den letzten Rennen einen zweiten Fahrer, Massa, zu haben, der versuchen kann, unserer Gegnern ein paar Punkte abzujagen, denn in den verbleibenden sechs Rennen ist es nicht nur wichtig, dass wir eine gute Leistung hinlegen, es ist auch wichtig, dass unsere Gegner nicht allzu gut sind.

euronews: Sie sind auch Präsident eines politischen und wirtschaftlichen Think Tanks namens Italia Futura. Die Denkfabrik soll auch anlässlich der Parlamentswahlen im kommenden Jahr aktiv sein. Was ist Ihre persönliche Rolle bei diesen Wahlen?

Montezemolo: Italia Futura will zur Erneuerung der politischen Klasse beitragen und neue Leute in die Politik bringen, die kompetent und glaubwürdig sind und eine bürgerliche Pflicht spüren zu geben und nicht nur zu nehmen. Das ist schon ein sehr wichtiger Umstand in einer politischen Welt wie der unseren, die festgefahren ist und nachlässig darin, Verantwortung zu übernehmen. Zweitens wollen wir die italienische Zivilgesellschaft anregen, um frische Ideen einzubringen und einen Wandel herbeizuführen, um aus diesem Käfig auszubrechen. Wir wollen, dass mehr für das Gemeinwohl getan wird. Ich erinnere an die tiefgreifenden Erneuerungen in der Fünften Französischen Republik. Ich hoffe, dass Italien mit seiner dritten Republik dasselbe tun kann wie Frankreich. Aber für mich will ich nichts, ich werde nicht kandidieren, ich will nur etwas für unser Land tun, das mir so viel gegeben hat. Gleichzeitig will ich einen guten Job machen und auch zu diesem Projekt beitragen, an das ich wirklich glaube. Vor allem, weil ich Kinder habe, weil ich Italien liebe und ich bin mir der außerordentlichen Qualität und des Potentials Italiens bewusst, das es einfach nicht verdient, in so einer Lage zu stecken.