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Heiße Luft heizt Inselstreit an

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Heiße Luft heizt Inselstreit an

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Die japanische Küstenwache hat einen verunglückten Ballonfahrer aus dem Meer gezogen. Soweit liest es sich noch wie ein Satz, der unter “Sport” oder bestenfalls “Kurioses” stehen könnte. Erst die genauen geografischen Angaben machen ein Politikum daraus. Der Chinese war über dem Ostchinesischen Meer etwa 22 Kilometer vor der umstrittenen Inselgruppe ins Wasser gefallen. Vor jener von Japan unter dem Namen Senkaku verwalteten Inselgruppe, die auch China beansprucht, und zwar unter dem Namen Diaoyu.

Um den Streit komplett zu machen, erhebt auch der kleine Inselstaat Taiwan Ansprüche. Peking hatte Ende November eine Luftraumüberwachungszone über dem Ostchinesischen Meer errichtet, in der sich ausländische Flugzeuge identifizieren sollen. Ob der Ballon auch als Luftfahrtzeug gewertet wurde, für das diese Auflage gelte, wurde nicht bekannt. Ebensowenig die Absturzursache. Die japanische Regierung hatte die unbewohnten Inseln 2012 von einem privatern Besitzer gekauft, für den es auf dem felsigen Eiland nicht viel zu holen gab. Interessant können sie nur für Staaten sein, die bei völkerrechtlich anerkanntem Anspruch im Seegebiet rundum nach den dort vermuteten Bodenschätzen graben und die reichen Fischgründe nutzen könnten. Und für Staaten ergibt sich aus der Lage der Inselkette eine geostrategische Bedeutung. Vor allem für China, das mit wachsender wirtschaftlicher Stärke auch zur Handelsmacht zu Wasser werden will. Die Inselkette liegt aber wie ein Riegel zwischen den chinesischen Küstengewässern und dem Pazifik. Was die Sache so gefährlich macht: Es gibt für diese bis vor kurzem völlig unwichtige Gegend kein Krisenmanagement. Mit der Luftraumüberwachungszone hat Peking zu einer Methode gegriffen, wie man sie im Kalten Krieg kannte, etwa als sowjetische Schiffe mit Raketen sich auf Kuba zu bewegten. Aber damals wurde zwischen den Kommandozentralen in Moskau und Washington das berühmte “Rote Telefon” eingerichtet ( das eigentlich ein Fernschreiber war).

Die Lage im Ostchinesischen Meer würde so etwas jetzt wohl auch erfordern. Nur gibt es leider keinerlei Vorkehrungen, um zwischen Tokio, Peking und Taipeh gefährliche Missverständnisse noch rechtzeitig ausräumen zu können.