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Ariel Scharon - der "Bulldozer" mit dem Ölzweig

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Ariel Scharon - der "Bulldozer" mit dem Ölzweig

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Ariel Scharon kommt 1928 als Ariel Scheinermann auf einem Bauernhof in der Negev-Wüste zur Welt.
Der Sohn osteuropäischer Einwanderer wird bereits als Jugendlicher Mitglied der wichtigsten jüdischen Untergrundorganisation Haganah. Die meiste Zeit seiner Karriere verbringt er in der israelischen Armee.

Sein Traum, an der Spitze des Militärs zu stehen, endet allerdings in den 70er Jahren. Zu oft hat er den Befehl verweigert.

So beginnt Scharon eine politische Karriere, er gehört zu den Mitbegründern des Mitte-Rechts-Bündnisses Likud. Nachdem er vier Jahre Landwirtschaftsminister war, erhält er 1981 das ersehnte Amt des Verteidungsministers.

Folglich hat er das Kommando für die israelische Invasion im Libanon 1982. Scharon verspricht einen 48-Stunden-Krieg, der das Palästinenserproblem ein für alle Mal beenden und seinem Erzfeind Jassir Arafat eine vernichtende Niederlage bereiten soll.
Doch die Dinge laufen nicht nach Plan.

Am 16.September 1982 lässt er die christlichen Falange-Miliz in die Palästinenserlager Sabra und Chatila.
Offiziell soll nach Terroristen gesucht werden.
Statt dessen richten Scharons Verbündete ein Massaker unter palästinensischen Frauen und Kindern an, das die Welt erschaudern lässt. Israels Öffentlichkeit ist schockiert und Scharon wird zum Rücktritt gezwungen.

Erst unter Likud-Regierungschef Netanjahu kehrt er Mitte der 90er Jahre als Minister an den Kabinettstisch zurück.

Ein Jahr später wird die Mitte-Rechts-Regierung abgelöst.
Ehud Barak von der Arbeitspartei wird Ministerpräsident und Scharon Likud-Vorsitzender.

September 2000:
Wieder einmal Kräftemessen mit den Palästinensern.
Scharon steigt mit großen Gefolge auf den Tempelberg in Jerusalem, wo auch das islamische Heiligtum mit Felsendom und al-Aqṣā-Moschee liegt.
Für die Palästinenser eine Provokation!
Es fliegen die Steine der zweiten Intifada.

Etwa ein halbes Jahr danach wird Scharon zum Ministerpräsidenten gewählt. Im Juni 2002 lässt seine Regierung die weltweit kritisierte Grenzmauer zum Westjordanland bauen – und dafür auch Palästinenserland enteignen.

Internationaler Druck zwingt ihn zu Kompromissen, trotz Rückendeckung von der Bush-Administration.
.
2003 unterschreibt er die “Road Map”, den Friedensplan.

Den Dialog mit den Palästinensern nimmt Scharon erst 2004 wieder auf, nach dem Tod von Jassir Arafat.

Den wohl größten politischen Mut beweist der alte Haudegen, wegen seines harten Vorgehens gegen die Palästinenser „der Bulldozer“ genannt, mit einem Schritt zum Frieden, der Geschichte schreiben soll – Sommer 2005 – Rückzug aus dem Gazastreifen

Zum ersten Mal in der Geschichte des modernen Staates Israel müssen Siedler einmal besetztes Land wieder verlassen.
Nicht nur bei der Siedler-Bewegung büßt Scharon deswegen Sympathie ein. Innerparteilich hat er einen Machtkampf mit den Gegnern des Abzugs unter Finanzminister Benjamin Netanjahu zu bestehen.

Zustimmung findet er im gemäßigten und linken Spektrum – und bei der internationalen Gemeinschaft.

Im November 2005 tritt Scharon als Ministerpräsident zurück und verlässt den Likud. Seine Ziele will er künftig in einer neuen Partei verwirklichen, die er KADIMA nennt – “Vorwärts”.

Auch ehemals politische Gegner schließen sich an – wie Shimon Peres, der aus der linken Arbeitspartei kommt.

So will der ehemalige Kriegsheld Scharon Grundlagen für ein Friedensabkommen legen.
Die politischen Realitäten haben aus dem Hardliner einen Realpolitiker gemacht. Für seine Anhänger war er zuletzt: Ein pragmatischer Falke.

Sein Stuhl am Kabinettstisch bleibt unbesetzt, nachdem er am 4. Januar 2006 ins Koma fällt.

Für die Welt bleibt er ein Krieger, dem am Ende der Frieden das höchste Ziel wurde.