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Interpol: Gefälschte Pässe fallen zu selten auf

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Interpol: Gefälschte Pässe fallen zu selten auf

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Die Rettungsmannschaften suchen die sprichtwörtliche Nadel im Heuhaufen, rätseln über Absturzursachen und ausgebliebene Notrufe der verschwundenen Malaysia-Airlines-Maschine.

Zu Land aber wirft die Katastrophe ein Schlaglicht auf ein ganz anderes Sicherheitsrisiko. Die zwei unter falscher Identität reisenden Passagiere des vermissten Flugzeugs haben deutlich gemacht, wie schwer es den Behörden weltweit fällt, unter jährlich gut drei Milliarden Flugreisenden zuverlässig solche mit gefälschten Pässe herauszufiltern.

Die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation (Interpol) hat das Problem nun auf der Prioritätenliste nach oben gerückt und die Zollbehörden weltweit aufgefordert, es ihr gleich zu tun. Denn falsche Identitäten würden in der Regel im Zusammenhang mit anderen Verbrechen benutzt, wie dem Menschenschmuggel, Drogenhandel und nicht zuletzt dem Terrorismus.

Denn bei Personenkontrollen könne international noch einiges besser gemacht werden; auch nutzten Sicherheitsbehörden längst nicht alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel: Das sagt Sektionschef Michael O’Connell von Interpol in Lyon:

O’Connell: “Wir betreiben großen Aufwand bei der Personenkontrolle, um gefährliche Gegenstände und verdächtige Wasserflaschen aufzuspüren. Aber wir konzentrieren uns nicht ausreichend darauf, zu überprüfen, ob die Person, die das Flugzeug betritt, auch die ist, für die sie sich ausgibt.”

Das habe der verschollene Malaysia-Airlines-Flug gezeigt. Zwei Männer, die inzwischen selbst als unschuldige Unglücksopfer gelten, hatten sich in Kuala Lumpur mit gefälschten Pässen Zugang zur Maschine verschafft. Solche Fälle seien symptomatisch und vermeidbar, so O’Connell.

O’Connell: “Der Personenluftverkehr ist global und international. Wir wünschen uns, dass nationale Behörden vermehrt auf die international verfügbaren Daten zugreifen und mit ihren eigenen Daten abgleichen. Die Interpol-Datenbank für verlorene und gestohlene Reisedokumente stellt eine zusätzliche Sicherheitsstufe dar, um die Identität von Reisenden zu bestätigen.”

Polizeiliche Befugnisse hat Interpol selbst kaum – ihre Aufgabe ist, die internationale Zusammenarbeit zu unterstützen. Bei der Ausführung seien deshalb die nationalen Behörden gefragt:

O’Connell: “Die Zahl illegal benutzen Pässe ist erschreckend hoch. Uns sind 40 Millionen Reisepässe gemeldet, mit denen niemand irgendwo unterwegs sein sollte. Bei einer so hohen Zahl sind die Grenz- und Polizeibehörden angehalten, die Datenbanken auch zu nutzen – damit solche Pässe aus dem Verkehr gezogen werden können.”

Und auch die Technik, die vieles erleichtere, sei nur nützlich, wenn man sie auch einsetze, sagt O’Connell.

O’Connell: “Wegen des technologischen Fortschritts sind auf Reisepässen heute vielfach auch biometrische Merkmale gespeichert. Zusammen mit der Nationalität ergeben biometrische Merkmale die solideste Basis einer Identität. Ein Reisepass verbindet beides, damit Behörden die Identität bestätigen können. Die Möglichkeiten der biometrischen Kontrolle global zu nutzen ist das Ziel, aber noch keine Realität. Grenzbeamte werden weiterhin auch die herkömmlichen Identifikationsmerkmale nutzen und mit der sich ausweisenden Person vergleichen müssen.”