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100 Tage nach dem Verschwinden von MH370: Weitersuchen oder vergessen?

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100 Tage nach dem Verschwinden von MH370: Weitersuchen oder vergessen?

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Es ist still geworden um Malaysia Airlines Flug MH370. Rund 100 Tage wird die Maschine mit 239 Menschen an Bord nun vermisst. Inzwischen scheint sie auch vom Radar der Medien verschwunden zu sein.

Denn die Hoffnung, das Flugzeug doch noch zu finden, ist auf einen vorläufigen Tiefpunkt gesunken. Ende Mai teilte das Koordinationszentrum des internationalen Sucheinsatzes mit, die Maschine befinde sich höchstwahrscheinlich nicht im vermuteten Absturzgebiet.

Wohl auch deshalb haben die Versicherungen der Malaysia Airlines damit begonnen, erste Schadenersatzzahlungen an die Hinterbliebenen auszuschütten. Bislang haben sechs malaysische und eine chinesische Familie Anzahlungen von jeweils rund 37.000 Euro erhalten, weitere Fälle werden geprüft. Das Montrealer Abkommen sieht in solchen Fällen Zahlungen bis etwa 100.000 Euro vor, bei höheren Summen kommt die Schuldfrage ins Spiel.

Doch viele Hinterbliebene wollen die Zahlungen noch nicht annehmen, auch aus Angst, die Fluggesellschaft sei dann geneigter, den Fall einfach zu den Akten zu legen. Manche haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, ihre Liebsten doch noch lebend zu Gesicht zu bekommen oder vermuten eine Verschwörung. Andere drückt dagegen die materielle Not.

“Manche hoffen auf ein Wunder”, sagt K.S. Narendran im südindischen Chennai, dessen Frau Chandrika Sharma an Bord war. “Andere hoffen, dass endlich ein Wrackteil gefunden wird.”

Bei Omar Selamat (60) überwiegen Sorgen und Wut. Sein Sohn Khairul Amri Selamat war an Bord. Er hat einen einjährigen Sohn. “Es gibt Rechnungen zu begleichen, der Hauskredit muss abgezahlt werden”, sagt Omar Selamat.

Inzwischen hat die australische Regierung ein privates Unternehmen mit der Suche beauftragt. Doch die Ermittler arbeiten mit unsicheren Daten, denn die bisher als nageliegend geltenden Annahmen erwiesen sich offenbar als falsch.

Mehrfach war der Suchradius im riesigen Seegebiet westlich der australischen Stadt Perth verändert worden, im Abgleich mit den bekannten Rahmendaten sowie Funksignalen, die verschiedene Satelliten noch nach Abbruch des Radarkontaktes empfangen hatten. Immerhin gelten die verhandenen Daten inzwischen als transparent: Ende Mai wurde bekannt, dass die Ermittler Original-Protokolle des Datenaustauschs zwischen Flugzeug und Satellit veröffentlicht hatten.

Doch die Suche blieb erfolglos. Ende März auf Satellitenbildern georteteten möglichen Bruchstücke erwiesen sich als Treibgut oder Phantome. Im April und Mai suchten dann Forschungs- und Marineschiffe mit Spezialgerät den Grund des Suchgebietes unter der Wasseoberfläche ab – ebenfalls ohne Ergebnis.

Auch die Blackbox fällt als Hoffnung aus. Das musste zuletzt der australische Premierminister Tony Abbott zugeben, der Anfang April noch zuversichtlich verkündet hatte, der Datenschreiber sei mit großer Sicherheit über Funk geortet worden. Denn die Signale, die ein chinesisches und ein australisches Schiff an jeweils verschiedenen Orten empfangen hatten, erwiesen sich beide als Irrwege. Inzwischen sind die Batterien der Blackbox mit größter Sicherheit leer.

Ihre verbleibenden Hoffnungen setzten die Ermittler nun auf schwache Geräusche, die Unterwasserrekorder vor der australischen Küste etwa zum vermuteten Unglückzeitpunkt aufgezeichnet haben sollen. Falls es sich dabei um einen Flugzeugaufprall handelt, könnte die Analyse der Aufnahmen neue Anhaltspunkte über den Absturzort liefern.

Auf die Suche soll sich dann das Spezialschiff der Firma Fugro machen.

  • Fugro Equator/ © Fugro

  • Fugro Equator/ © Fugro

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  • Fugro Equator/ © Fugro

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