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Experiment will Geheimnis des kreativen Schaffensprozesses lüften

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Experiment will Geheimnis des kreativen Schaffensprozesses lüften

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Zwei renommierte Pianisten improvisieren. Es ist ein spontaner musikalischer Dialog. Es scheint, als seien die Musiker außerhalb von Raum und Zeit, aber was geht dabei in ihren Köpfen vor? Können wir Kreativität und Synchronie im Hirn sichtbar machen? Auf diese Fragen versucht die Stiftung Agalma in Genf mit einem ungewöhnlichen Experiment Antworten zu finden.

Pianist Richard Rentsch über das Zusammenspiel mit seinem Kollegen Orazio Sciortino: “Ich kann etwas initiieren. Vielleicht folgt er mir, oder auch nicht und macht das Gegenteil. Wir wissen, dass wir uns für einen Moment voneinander wegbewegen, um dann wieder zusammenzukommen. Es ist wie eine Choreografie. Wir spüren, wenn wir zusammenspielen, wenn wir die Vibrationen gemeinsam erleben. Die Frage ist, ob man das eventuell auch sichtbar machen kann?”

Neurobiologe Pierre Magistretti erklärt das Projekt: “Die Idee ist es, die elektrische Aktivität mit einem sehr leistungsstarken Gerät aufzuzeichnen, das es ermöglicht, ein elektrisches Signal der Gehirnaktivität während des kreativen Schaffensprozesses sichtbar zu machen. Das Signal, nach dem wir suchen, ist sehr schwach. Es geht sozusagen in einem Ozean von Geräuschen unter.”

Die elektrische Aktivität des Gehirns wird mit einem EEG aufgezeichnet. Dieses Signal, der Herzschlag und die Bewegungen der Pianisten am Klavier werden analysiert. Ein Bildschirm zeigt diese Daten und die abstrakte Darstellung des Klanges. Das alles passiert in Echtzeit. Wenn sich die elektrische Aktivität im Hirn verstärkt, dann werden auch die Farben intensiver.

Neurobiologe Pierre Magistretti zum Ziel des Projekts: “Wir wollen das Unterbewusstsein verstehen, im Besonderen die kreativsten Bereiche wie beispielsweise die Improvisation.”

Der Psychoanalytiker François Ansermet unterstreicht die Bedeutung von Improvisation: “Jeden Moment kann sich alles ändern. Das ist Improvisation, wie bei diesem Experiment, bei dem sich die Musiker gegenseitig stimulieren. Es entwickelt sich etwas zwischen ihnen, es ist nicht der eine oder andere, es sind die beiden zugleich. Das lässt sich auch auf uns projizieren. Sind wir in der Lage unser Leben so zu improvisieren, wie diese Pianisten die Musik.”

Pianist Richard Rentsch erklärt: “Ich höre seinen Klangfarben zu, es ist so, als ob ich Farben sehe, wie ein Maler. Diese Farben können sich durch Rhythmen verstärken. Ich betrachte das als ein Spiel.”

Es ist ein ambitioniertes und einzigartiges Projekt. Renommierte Künstler und Wissenschaftler arbeiten weiter Hand in Hand, um das Geheimnis des kreativen Schaffensprozesses zu lüften, eine große Herausforderung.

Psychoanalytiker François Ansermet erklärt: “Dieses Experiment ist auch eine Möglichkeit für uns, die Frage der Kreativität aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, in den Feldern der Neurowissenschaften, der Psychoanalyse und dem kreativen Bereich. Wir haben viel gemeinsam. In diesen verschiedenen Domänen teilen wir Geheimnisse und Rätsel.”

Contact:
Foundation Agalma
Richard Rentsch
musician, composer and coordinator of the music projects
18, rue Adrien Lachenal- 1207 Genève
direct: +41.76.395.06.48
richard.rentsch@hispeed.ch
www.agalma.ch
www.richardrentsch.com