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Jesiden in Sindschar: "Viele werden den Winter nicht überleben"

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Jesiden in Sindschar: "Viele werden den Winter nicht überleben"

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Der Winter naht, es regnet oft und ist bitter kalt im Sindschar-Gebirge im Norden des Irak an der Grenze zu Syrien. Nach Angaben des jesidischen Nachrichtenportals Ezidi Press harren noch mindestens 9.500 Zivilisten in dieser seit dem Sommer umkämpften Region aus. Viele Frauen und Kinder leben in Zelten. Die irakische Armee hat zwar Hilfsgüter abgeworfen, doch diese sind in unwegsamen Gelände aufgeschlagen – unerreichbar für die Flüchtlinge. Ein jesidischer Kämpfer beklagt: “Es wird immer kälter, wir frieren. Frauen, Kinder und Kleinstkinder leiden am meisten darunter, wir haben nicht genug warme Kleidung oder Decken, um sie vor der Kälte zu schützen. Die Zelte bieten keinen Schutz und täglich wird es kälter, wir brauchen dringend Hilfe. In der gegenwärtigen Situation werden viele den Winter nicht überleben können.”

Seit Monaten versuchen jesidische Kämpfer ihr Heiligtum, die Pilgerstätte
Sherfedîn gegen die Milizen des “Islamischen Staats” zu verteidigen. Sie sprechen von einem Völkermord an ihrer Religionsgemeinschaft. Die Islamisten haben viele Jesiden, die sie als “Ungläubig” ansehen, getötet, hunderte Frauen verschleppt und an Dschihadisten zwangsverheiratet.

An den Kämpfen beteiligen sich mittlerweile mindestens zwei Bürgerwehren – mit Unterstützung der in Deutschland lebenden Jesiden.

Denn auch deutsche Jesiden kämpfen dort. Am bekanntesten ist der 62-jährige Quashim Shesho, der mit seiner Familie seit Jahrzehnten in Nordrhein-Westfalen lebt – eigentlich. Seit dem Sommer führt Shesho die Bürgerwehr Hêza Parastina Şingal (HPŞ) an, die sich die Verteidigung der Region Sindschar auf die Fahnen geschrieben hat. Die zweite Bürgerwehr, das sind die Widerstandseinheiten Shingal YBS, Yekîneyên Berxwedana Şingal. Diese Gruppe wurde von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten der YPG gegründet. Die YPG gilt als der “bewaffnete Arm” der syrischen Partei der Demokratischen Union YPG. Die YPG arbeitet mittlerweile mit den USA zusammen – zum Beispiel um die Luftschläge auf die Stellungen der IS-Milizen in der Stadt Kobani abzustimmen.

Doch sowohl die YPG als auch die im Irak kämpfenden Bürgerwehren fordern konkrete Hilfe – vor allem in Form von Waffenlieferungen.

Nach Angaben von Ezidi Press haben die Bürgerwehren und die YPG-Einheiten an diesem Donnerstag acht IS-Kämpfer getötet. Doch seit Ende Oktober sollen auch mindestens hundert Kämpfer der Bürgerwehren getötet worden sein. Auf eine Offensive der Peschmerga, um die Stadt Sindschar zurückzuerobern wird seit Wochen