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Das Philae-Abenteuer der Kometenjäger

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Das Philae-Abenteuer der Kometenjäger

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Der 12. November war ein historischer Tag für Rosetta und Philae. Ein Tag, den die Kometenjäger nie vergessen werden. An dem Tag landeten sie auf einem Kometen.

Matt Taylor, Rosetta Project Scientist, ESA
“Gestern war ich entspannt, aber nun bin ich gestresst und nervös. Es ist aufregend.” (Er zeigt sein Tattoo mit Rosetta und Philae) “Das ist meine Vorhersage für heute, so zuversichtlich bin ich.”

Paolo Ferri, Rosetta Mission Director, ESA
“Ich war sehr nervös, denn die Nacht lief nicht so gut, wie ich dachte. Die Vorbereitungen für die Landung dauerten viel länger, und wir mussten Vorgänge wiederholen.”

Aber dann folgte eine gute Nachricht auf die andere. Rosetta erhielt ein Signal von Philae, und dann, wenige Stunden voller Anspannung später:

Matt Taylor, Rosetta Project Scientist, ESA
“Wir sind auf einem Kometen gelandet!”

Am Tag danach packen viele Fernsehsender ihre Ausrüstung zusammen. Doch es bleibt spannend.

Im Kontrollraum der Europäischen Weltraumagentur versucht das Team, Philae zu finden – nachdem das Labor zweimal von der Kometenoberfläche abgestoßen worden war und dann in einer dunklen Spalte landete. Aber es sendet wissenschaftliche Daten, und genau darum geht es.

Armelle Hubault, Rosetta Operations Engineer, ESA “Mir geht’s sehr gut. Wir sind auf einem Kometen gelandet!”

Andrea Accomazzo, Rosetta Flight Director, ESA

“Natürlich war es aufregend. Als der Lander sich abkoppelte und sich dem Kometen Tschuri näherte. Aber das war nicht vergleichbar mit dem Moment, als Philae auf dem Kometen aufsetzte.
Ich habe angefangen zu weinen. Ich glaube, die ganze Anspannung nach Monaten und Jahren der Arbeit hat sich auf einmal gelöst. Es war wirklich eine enormer Erfolg.”

Armelle Hubault, Rosetta Operations Engineer, ESA

“Gestern gab es drei Momente, die sehr aufregend waren. Es gab die Trennung selbst, die schon etwas kritisch war. Denn wir konnten vorher nicht wissen, ob das funktionieren würde. Dann kam der Moment, als wir das Signal von Philae empfangen haben. Und dann natürlich der Moment des Aufsetzens. Das war sehr intensiv. Wir wussen zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob Philae die Landung überstehen würde, aber das war der Fall. Wir haben Daten, wir haben Wissenschaft, das ist unglaublich.”

In der Weltraumagentur in Köln freut sich das Team ebenfalls über die Mission.

Denn das gemeinsame Baby Philae befindet sich nun auf einem Kometen, der 4 Milliarden Jahre alt ist.

Mario Salatti, Philae Deputy Programme Manager, ASI “Sie sind so lange miteinander verbunden. Da ist das, als wenn ein Kind seiner Mutter “Auf Wiedersehen” sagt, weil es erwachsen ist und seinen eigenen Weg geht. Das war unglaublich. Und dann kam eines zum andereren, alles war sehr aufregend.”

Doch in die Aufregung mischt sich Eile. Denn die Lebensdauer der Batterie ist kurz und das Team muss sich beeilen, bevor Philae der Strom ausgeht und das Labor in den Standby-Modus wechselt.

Koen Geurts, Philae Technical Manager, DLR
“Einmal pro Kometenrotation haben wir einen Kontakt zwischen Philae und Rosetta. Zwischen zwei Signalen liegen also 12 Stunden. In dieser Zeit müssen wir überlegen, wie wir weiter verfahren wollen, damit wir die Befehle vorbereiten und dann an Rosetta und Philae vermitteln, wenn der Kontakt besteht. Es geht jetzt Schritt für Schritt. Was haben wir erreicht? Wie viel Strom haben wir noch? Welche Schritte unternehmen wir als nächstes?”

Philae hat diese beeindruckenden Fotots geschickt. Sie könnten unser Verständnis von Kometen für immer verändern.

Denn Wissenschaftler gehen zum Beispiel davon aus, dass es Kometen waren, die das Wasser aus dem Weltraum auf die Erde gebracht haben.

Holger Sierks, Comet Scientist, Max Planck Institute for Solar System Research
“Dies ist ein Quantensprung, um die Frühzeit unseres Sonnensystems zu verstehen. Es gibt viel zu lernen. Wir wollen etwas über Materialfestigkeit erfahren und verstehen, wie ein Komet aufgebaut ist und wie er zu Beginn unseres Sonnensystems geformt wurde.”

Die Informationen, die Rosetta und Philae zusammengetragen haben, werden nun analysiert, und die Forscher erwarten bahnbrechende Ergebnisse.

Matt Taylor, Rosetta Project Scientist, ESA
“Wissenschaft ist nicht umittelbar. Sie müssen sicher sein, dass ihr Dezimalpunkt an der richtigen Stelle steht. In den nächsten Wochen sollten wir erste Ergebnisse erhalten und dann werden wir versuchen, Antworten zu finden. Deswegen sind wir hier.”

Der Komet, den die Forscher aufgrund seiner Form irgendwann einmal als Gummiente bezeichneten, ist nun Philaes Heimat geworden.

Doch bald wird sich dort alles verändern. Die Temperatur wird sich erhöhen, und der Komet wird massenhaft Gas und Staub freisetzen.

Andrea Accomazzo, Rosetta Flight Director, ESA
“Der Komet bewegt sich auf die Sonne zu. Er wird aktiv, und ab einem gewissen Moment können wir ihn nicht mehr korrekt umkreisen. Wir wissen nicht, wann das sein wird. Vielleicht im Januar, Februar oder März. Aber wir wissen es nicht.”

Rosetta wird den Kometen noch bis 2016 im Auge behalten. Aber Philaes Schicksal ist ungewiss. Das Labor mag nun in Winterschlaf gefallen sein, aber mehr Sonnenenergie könnte es wieder zum Leben erwecken.

Mario Salatti, Philae Deputy Programme Manager, ASI
“Philae befindet sich auf dem Kometen und da wird sie auch bleiben. Und der Komet bewegt sich auf die Sonne zu. Es kann also sein, dass wir die zweite Batterie irgendwann aufladen und weitere Operationen durchführen können.”

Die Kometenjäger befinden sich also auf einer unglaublichen Reise und haben die Welt eingeladen, daran teilzunehmen. Während ihr Komet hart, eisig ist und seltsam ist, ist ihre Geschichte warm, menschlich und inspirierend.

Matt Taylor, Rosetta Project Scientist, ESA
“Rosetta hat etwas, das für mich keine andere Mission hat. Ich kann es nicht beschreiben. Ich arbeite dafür und ich lebe diese Mission. Ein bisschen zu viel, findet meine Familie.”

“Dieser Komet hat was. Diese außerirdische Landschaft, die sich mit der Zeit verändert. Und wir sind so weit weg, über 500 Millionen Kilometer. Und Licht braucht nur eine halbe Stunde von hier nach dort.”

“Das Wissen, dass ein von Menschen gemachtes Objekt auf dieser fremden Landschaft sitzt, ist unglaublich. Ich glaube, das ist es. Es ist dieser Wow-Faktor.”