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Marine Le Pen: "Wir haben keinen Platz mehr für Zuwanderer"

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Marine Le Pen: "Wir haben keinen Platz mehr für Zuwanderer"

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Seit 2011 ist Marine Le Pen Chefin der rechtsgerichteten französischen Partei Front National. Gerade wurde die Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen mit 100 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Bei den Europawahlen holte die Partei die meisten französischen Sitze und Le Pen werden für die Präsidentschaftswahl 2017 ernsthafte Chancen eingeräumt. Wir haben mit ihr in Lyon gesprochen.

Sophie Desjardin, euronews
Marine Le Pen, in den Umfragen sind Sie inzwischen die größte Oppositionspartei. Denken Sie morgens beim Blick in den Spiegel daran?

Marine Le Pen
Ich bereite die große demokratische Veränderung vor, die bei der kommenden Präsidentschaftswahl mit Sicherheit eintreten wird. Das ist unser Anliegen beim Front National, jeder Einzelne von uns kämpft dafür, dass wir an die Macht kommen, um unsere Ideen umzusetzen. Es geht uns nicht um die Macht an sich, sondern wir wollen die Lage unseres Landes verändern.

euronews
Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie als junge Anwältin irreguläre Einwanderer verteidigt. Sie haben, so scheint es, wirklich darum gekämpft, dass diese Leute nicht abgeschoben wurden. Was ist aus dieser Marine Le Pen von damals geworden?

Marine Le Pen
Sie ist immer noch da. Was man verstehen muss, ist, dass man einerseits ein Ereignis wie die Zuwanderung als verheerend für ein Land ansehen kann, ohne aber andererseits die Absicht zu haben, diejenigen dafür zahlen zu lassen, die ja nichts für die Entscheidungen unserer politischen Anführer können. Sie sind ja nicht schuld an der Situation. Wir haben immer gesagt, wir haben nichts gegen Einwanderer, wir haben etwas gegen die, die sie hier herlocken.

euronews
Sie sprechen davon, die Massen-Zuwanderung zu beenden, aber was ist denn mit den Menschen, die illegal hier sind oder mit denen, die versuchen, nach Europa zu gelangen, um sich zu retten?

Marine Le Pen
Sie müssen nach Hause gehen. Ich bin da, um das französische Volk zu retten. Ich verstehe, dass die Menschen leiden, aber ich will, dass wir vor allem anderen zunächst einmal die Fluchtursachen beseitigen. Mein Standpunkt ist ein wenig wie der des Papstes. Das heißt, vor allem die Kriegstreiber zur Verantwortung zu ziehen.

euronews
Ok, nehmen wir an, Sie gewinnen morgen die Präsidentschaftswahl und beenden sofort die Zuwanderung. Sie waren doch auf Lampedusa und haben die Not der Flüchtlinge dort erlebt. Es ist das eine zu sagen, wir mieten ein Boot und fahren sie alle heim, aber würden Sie das Boot steuern?

Marine Le Pen
Waren Sie auf Lampedusa?

euronews
Ja.

Marine Le Pen
Dann haben Sie ja die ganzen jungen Leute gesehen, die herkommen, um zu arbeiten, weil man ihnen vorgelogen hat, es gäbe Arbeit für sie in Europa. Weil man ihnen erzählt hat, hier wäre das Eldorado. Und so sind sie auf eine Art Opfer derselben Lügen, die man auch dem französischen Volk auftischt, das die Folgen dieser Zuwanderung tragen muss und dem man sagt: “hört zu, könnt Ihr Platz machen, da sind noch ein paar Leute ankommen?” Natürlich kann man denen aber nicht Platz machen! Denn es ist kein Platz mehr da.

euronews
Sprechen wir über Europa. Vereinfacht gesagt befürworten Sie einen Austritt Frankreichs aus der EU und dem Euro. Aber wenn Frankreich alleine den Euro verlässt, wäre das sehr kompliziert.

Marine Le Pen
Sagen Sie das nicht zu laut, denn den Ländern, die nicht in der EU sind, geht es damit sehr gut.

euronews
Ja, aber sie waren ja nie in der EU, das ist ein großer Unterschied.

Marine Le Pen
Ah, das heißt also, sobald man drin ist, ist man dazu verdammt, zu bleiben, wollen Sie das sagen?

euronews
Nein, aber es ist schwieriger, auszutreten.

Marine Le Pen
Es ist schwieriger, auszutreten…

euronews
…außerdem wissen wir nicht, was passiert, weil es noch niemand versucht hat.

Marine Le Pen
Das ist genau das Problem, denn das Experiment besteht darin, uns als Versuchskaninchen zu benutzen. Das heißt, man hat uns eine europäische Konstruktion aufgezwungen, die in keiner Weise dem ähnelt, was man uns verkauft hatte. Und jetzt sagen sie uns: “Ups, nein, wir haben nicht über Austrittsmöglichkeiten nachgedacht.” Es ist ziemlich amateurhaft, dass man keine Verfahren eingeplant hat, das dem Willen eines der Völker entspricht, dass man nicht einkalkuliert hat, dass womöglich jemand aus dieser Union austreten will. Sie sehen also, dass diese Europäische Union wirklich wie ein Gefängnis angelegt wurde.

euronews
Was halten Sie von jemandem, der das Unternehmen, in dem er arbeitet, kritisiert?

Marine Le Pen
Das hängt von den Umständen ab, aber wenn es öffentlich geschieht, kann er nicht sehr loyal sein. Warum?

euronews
Was machen Sie also im Europaparlament? Sie beziehen von dort einen Großteil Ihrer Einkünfte…

Marine Le Pen
Das ist sehr nett, Madame, aber ich bin keine Angestellte, ok? Ich bin keine Angestellte der EU, ich bin von den Bürgern gewählt…

euronews
Ja, aber…

Marine Le Pen
Kein Ja, aber! Ich wurde von den Bürgern gewählt, die finden, dass der Front National so viele Abgeordnete wie möglich haben muss, um sie vor der EU zu schützen.

euronews
Stehen Sie ideologisch Wladimir Putin nahe?

Marine Le Pen
Mir gefallen Teile von Wladimir Putins wirtschaftlicher Vision, ganz klar. Aber das ist nicht erst seit gestern so. Der Front National hat seine Position in dieser Sache nie verändert. Wir beobachten es nur mit einer gewissen Freude, dass in Moskau eine Regierung ist, die die Apparatschiks geschliffen hat und einen wirtschaftlichen Patriotismus entwickelt hat.

euronews
Sie sagten, sie hegten eine gewisse Bewunderung für Putin.

Marine Le Pen
Ja, ich bewundere seinen kühlen Kopf, denn die EU führt unter dem Druck der USA einen Kalten Krieg gegen ihn. Die USA verteidigen hier ihre eigenen Interessen, das ist schwer zu ertragen. Ich bewundere es auch, dass er es geschafft hat, einer großen Nation, die 70 Jahre lang gedemütigt und unterdrückt wurde, Stolz und Lebensfreude zurückzugeben. Ich denke, es gibt einige Dinge, die man positiv betrachten muss, oder zumindest unparteiisch.

euronews
Sprechen wir über einige der Gründe für den Streit. Weißrussland, Syrien, Venezuela und Afghanistan haben die politische Situation der Krim als Teil Russlands mehr oder minder anerkannt. Wie stehen Sie dazu, befürworten Sie die Annexion?

Marine Le Pen
Als das Referendum abgehalten wurde, gab es keine legitime Regierung in der Ukraine. Das war eine illegitime Regierung; eine Putsch-Regierung.

euronews
Aber es war Viktor Janukowitsch, der gegangen ist. Niemand hat ihn gezwungen, zu gehen. Es ist geflohen.

Marine Le Pen
Ja, sicherlich, mit einem Messer am Hals. Ich denke, wäre er geblieben, wäre er beseitigt worden. Daher denke ich, dass dieses Referendum unter Bedingungen abgehalten wurde, die man nicht wirklich in Frage stellen kann. Und der Wille der Krim, Teil Russlands zu werden, kann auch kaum in Frage gestellt werden. Die Annexion der Krim an die Ukraine wurde seinerzeit gegen den Willen der Menschen auf der Krim vollzogen.

euronews
Aber die Ukraine hat die Krim nicht geklaut. Chruschtschow hat der Ukraine die Krim vermacht.

Marine Le Pen
Ja, genau, das war ein Geschenk, ja, ein Geschenk. Aber ich denke, die Krim wäre unter keinen Umständen zu Russland zurückgekehrt, wenn die EU in der Ukraine nicht darauf gedrängt hätte, eine Regierung anzuerkennen, die völlig illegitimerweise da war. Die EU hat einen sehr schwerwiegenden Fehler begangen. Zumal in dieser Regierung inakzeptable Leute sitzen, ganz vorne eine ganze Reihe offenkundiger Nazis.

euronews
Die soll es in Ihrer Umgebung auch geben…

Marine Le Pen
Ich hoffe, Sie scherzen! Wenn ich von Nazis spreche, dann von Leuten wie denen in der Ukraine. Das sind wirkliche Nazis, das heißt, Nazis mit Nazi-Fahnen. Aber die Geschichte wird uns erneut recht gegeben. Aber ich sehe schon, alles halb so schlimm, denn das sind ja gute Nazis. Wenn es Ukrainer sind, sind es gute Nazis. In den vergangenen Jahren wurden Regierungen verurteilt, die brutal gegen ihr eigenes Volk vorgehen, die auf das Volk schießen. Aber die Regierung in Kiew bombardiert ihr eigenes Volk. Und niemand regt sich darüber auf.

euronews
Sind Sie für oder gegen eine Koalition gegen ISIL?

Marine Le Pen
Ich würde gerne wissen, ob diese Koalition schon Wirkung zeigt. Ich würde gerne wissen, wer in dieser Koalition ist. Aber mit Katar und Saudi-Arabien in einer Koalition? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Katar und Saudi-Arabien sind die Länder, die den islamistischen Extremismus finanzieren. Mit diesen Ländern in einer Koalition zu sein, ist schlicht Wahnsinn.

euronews
Also ISIL einfach machen lassen?

Marine Le Pen
Nein, ich sage nicht, dass man sie einfach machen lassen soll, aber müsste man dann nicht vor allem verhindern, dass man am Ende in Syrien gegen ISIL kämpft? Denn man hat uns doch immer gesagt, das wolle man nicht, weil man so Gefahr laufe, Baschar al-Assad zu helfen.

euronews
Also auch in Syrien?

Marine Le Pen
Natürlich auch in Syrien, aber nur mit dem Einverständnis der syrischen Regierung.

euronews
Sie verteidigen also die nationale Souveränität Syriens aber nicht die der Ukraine?

Marine Le Pen
Aber Madame, in der Ukraine ist niemand gekommen, um mit Gewalt…

euronews
Aber wenn man so genau weiß, dass Katar den ISIL-Terroristen finanziell und militärisch hilft, weiß man da nicht auch, wer den Rebellen in der Ukraine hilft?

Marine Le Pen
Entschuldigen Sie bitte: Aber wenn die Amerikaner mir das sagen, dann gestatten Sie mir bitte, dass ich das anzweifle. Ich bezweifle übrigens alles, was die Amerikaner sagen. Ist das klar? Alles, was die Amerikaner sagen, muss mit Vorsicht behandelt werden.

euronews
Zum Schluss, welche Adjektive fallen Ihnen zu folgenden vier Persönlichkeiten ein: François Hollande.

Marine Le Pen
Ein unechter Waschlappen.

euronews
Angela Merkel.

Marine Le Pen
Eine eiserne Dame.

euronews
Jean Claude Juncker.

Marine Le Pen
Ein verfluchter Heuchler.

euronews
Barack Obama.

Marine Le Pen
Eine Enttäuschung.