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India Art Fair: Großer Appetit auf zeitgenössische Kunst

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India Art Fair: Großer Appetit auf zeitgenössische Kunst

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Einen Überblick über die indische Kunstszene vermittelt die India Art Fair in Neu-Delhi, eine Kunstmesse mit internationalem Profil. Rund 85 in- und ausländische Galerien waren auf der diesjährigen 7. Ausgabe vertreten. Trotz rückläufiger Besucherzahlen konnte die Messe eine Umsatzsteigerung verbuchen. Mehrere Stände wurden förmlich leer gekauft.

Ich bin zum ersten Mal in Indien und zum ersten Mal auf dieser Messe und total begeistert davon, wie freundlich und aufmerksam mir die Menschen begegnen.

Die indische Mittelschicht hat Appetit auf zeitgenössische Kunst, als Geldanlage – und aus Freude an der Kreativität. Großen Zuspruch fand etwa die Liebesbriefmaschine, eine Installation der indischen Künstlerin Nandita Kumar.
Die Multimediakünstlerin und Filmemacherin aus Mumbai beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der menschlichen Natur.

Nandita Kumar: “Ich habe Menschen auf der ganzen Welt gebeten, mir Liebesbriefe zuzuschicken, wobei Liebe für mich intelligente Kommunikation bedeutet. Es geht um das emotionale Bewusstsein und Sprache, die Wahl der Worte. Auf der Papierrolle werden die unterschiedlichen Handschriften nachgeahmt. Jedes Mal, wenn die Maschine auf eine noch kompliziertere Handschrift stößt, muss sie anhalten und nachdenken. Und in diesem Intervall fließt blutige Tinte aufs Papier. Ich habe die einzelnen Punkte durch Klänge ersetzt, die von Musikern aus allen fünf Kontinenten stammen, und zu einem Klangwerk verdichtet.”

Ein Modell von Mumbais berühmtem Bahnhof Victoria Terminus mit ziemlicher Schräglage stammt vom renommierten Künstler T.V. Santhosh. Eine Anspielung an die Terroranschläge von 2008.

Zu den Ausstellern aus Übersee gehörte die US-Künstlerin Clara Brinkerhoff, die mit ihren Pfauenskulpturen nach Neu-Delhi reiste.

Clara Brinkerhoff: “Das ist einer meiner Lieblingsvögel, weil er so majestätisch, schön und elegant ist. Als mein Mann und ich beschlossen, herzukommen, habe ich natürlich meine Pfauen eingepackt, denn das ist der indische Nationalvogel.
Ich bin zum ersten Mal in Indien und zum ersten Mal auf dieser Messe und ich bin total begeistert davon, wie freundlich und aufmerksam mir die Menschen begegnen.
Ich habe mehrere Pfauen verkauft, das war mein erstes und mit Sicherheit nicht mein letztes Mal.”

Im Vergleich zu den großen internationalen Kunstmessen steckt die India Art Fair noch in den Kinderschuhen und hatte in diesem Jahr mit ein paar organisatorischen Pannen zu kämpfen, wie undisziplinierte Besucherströme und ein großes Wifi-Blackout.

Dafür gab es pädagogische Führungen, um das ungeschulte Publikum an die Finessen der zeitgenössischen Kunst heranzuführen. Zum Beispiel die lang gestreckten Skulpturen der israelischen Bildhauerin Ruth Bloch, die in ihren Werken den menschlichen Körper untersucht.

Zeitgenössische indische Kunst erlebte zwischen 2005 und 2008 einen regelrechten Boom. Das Interesse ist immer noch groß, trotz der fluktuierenden Stimmung auf dem internationalen Markt. Der heimischen Nachfrage tut das keinen Abbruch. Die zumeist junge Künstlergeneration zeigt sich selbstbewusst und sucht die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Etwa die Installation “Procession” von Paresh Maity. Die Menschheit? Ein riesiger Ameisenhaufen aus Schrott!

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