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Boris Nemzow: 1959-2015

Der im Moskau ermordete Kremlgegner und Regierungskritiker Boris Nemzow wurde am 9. Oktober 1959 in der Schwarzmeermetropole Sotschi geboren. Noch

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Boris Nemzow: 1959-2015

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Der im Moskau ermordete Kremlgegner und Regierungskritiker Boris Nemzow wurde am 9. Oktober 1959 in der Schwarzmeermetropole Sotschi geboren. Noch während der Sowjetära wurde er nach seinem Physikstudium Parlamentsabgeordneter in Moksau. Seinen Namen als
liberaler Reformer machte er sich vor allem in den 1990er-Jahren – zunächst als Gouverneur in Nischni Nowgorod im Jahr 1997, dem früheren Gorki, an der Wolga.

Präsident Boris Jelzin schließlich holte ihn in die Regierung nach Moskau. Dort war er 1997 und 1998 Vize-Ministerpräsident und galt als einer der Architekten der liberalen Wirtschaftsreformen. “Ich bin liberal, was Wirtschaftsfragen angeht, aber für eine starke Staatsmacht in der Politik”, sagte er in einem Zeitungsinterview. Kurzzeitig galt Nemzow als möglicher Nachfolger Jelzins.

Putin tritt die Nachfolge Jelzins an

Doch Jelzin ernannte im August 1999 Wladimir Putin zum Regierungschef und später zu seinem Nachfolger. Zunächst unterstützte Nemzow den neuen Herrn im Kreml. Doch mit der Zeit ging er immer weiter auf Dinstanz. Erst im vergangenen Jahr warf er Putin anlässlich der Olympischen Winterspiele in seiner Heimatstadt Sotschi “systematische Korruption” vor.

Schon 1996 sammelte Nemzow Unterschriften gegen den Tschetschenienkrieg und forderte den Abzug der russischen Truppen. Er reiste mehrmals in die Ukraine. Bereits 2005 sagte er, die Menschen dort würden “in fünf Jahren besser leben, als die in Russland – und zwar ohne Gas und Erdölvorkommen”. In sieben Jahren würden sie Mitglied der Europäischen Union und erhielten das “Schengen-Pässe”. Die Russen würden sie dann beneiden.

Proteste gegen den Krieg in der Ukraine

Seiner Linie blieb er treu: Als einer der Anführer der zersplitterten russischen Opposition organisierte er Proteste gegen den Krieg in der Ukraine. Der Putin-Gegner hat bei vielen Besuchen in der Ukraine die neue prowestliche Führung in Kiew unterstützt. Und er hoffte darauf, dass der Funken der Revolution auf Russland übergreift.

Eine Kandidatur für die liberale Partei “Union der Rechten Kräfte” bei der Präsidentschaftswahl 2008 legte er vor der Wahl nieder. 2009 trat er dann als Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in Sotschi an, verlor aber gegen den Kandidaten der Kremlpartei “Einiges Russland”.

Kampf gegen die Korruption

Zum Jahreswechsel 2010/2011 war er Mitgründer der aus mehreren oppositionellen Parteien und Bündnissen hervorgegangenen “Partei der Volksfreiheit – für ein Russland ohne Willkür und Korruption”. Den Vorsitz teilte er sich mit dem früheren Premierminister Michail Kassjanow. Experten warfen aber auch ihm vor, die Opposition nicht einigen zu können. Im Zuge seiner Karriere machte Nemzow immer wieder mit scharfer Kritik am System Putins von sich reden.

2013 schaffte er den Sprung in das Gebietsparlament von Jaroslawl. Für die Arbeit in den Niederungen der Politik war er sich nicht zu schade. Immer wieder legte Nemzow sich mit dem Kreml an. Die “Vertikale der Korruption” müsse in Russland auf allen Ebenen bekämpft werden, hieß seine Devise. Nemzow wurde mehrfach wurde bei Demonstrationen verhaftet. Im vergangenen Jahr musste er für mehrere Tage ins Gefängnis, weil er gegen Haftstrafen für Putin-Gegner auf die Straße gegangen war.

In einem Interview erwähnte Nemzow kürzlich, seine Mutter habe bereits in der Vergangenheit Angst um sein Leben gehabt. Gegenüber der russischen Wochenzeitung “Sobessednik” antwortete er auf die Frage, ob er keine Angst davor habe, dass Putin ihn oder seine Familie angreifen könne, er habe wohl “ein wenig Angst, aber nicht sehr viel”. Wenn er sehr viel Angst haben würde, dann würde er wohl kaum eine oppositionelle Partei führen und tun, was er tue.