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Hilferufe von Jesiden: Konflikt mit Kurden im Irak

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Hilferufe von Jesiden: Konflikt mit Kurden im Irak

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Über die sozialen Medien erreichen uns seit Tagen wieder viele Hilferufe von in Deutschland lebenden Jesiden: Berichtet über die Lage der Jesiden im Irak! In Hannover und in Brüssel wurden bereits Solidaritätsdemonstrationen organisiert, die deutschen Behörden sind mittlerweile eingeschaltet. Denn der Deutsch-Iraker Haydar Shesho, Oberkommandeur einer jesidischen Kampfeinheit im Irak, war am Ostermontag festgenommen worden. Laut Angaben des jesidischen Informationsportals Ezidipress hatte die kurdische Regierung die Festnahme von Haydar Shesho angeordnet. Angeblich wurde ihm die Bildung einer illegitimen Miliz vorgeworfen.
An diesem Mittwoch war nicht klar, ob der Deutsch-Iraker inzwischen wieder freigelassen worden ist.

Haydar Shesho lebt eigentlich in Nordrhein-Westfalen, aber er kämpft jetzt schon seit Monaten im Irak gegen die Terrormiliz “Islamischer Staat”. Er ist ein Neffe von Qasem Shesho, der als “Löwe von Sindschar” verehrt wird und die Widerstandseinheiten der Jesiden unter dem Namen HPS – Verteidigungseinheit Schingal – ins Leben gerufen hat. Der 62-jährige Gärtner aus Bad Oeynhausen hat nicht nur seine Söhne, sondern auch andere Familienmitglieder und Gefolgsleute mobilisiert, um mit ihm die heiligen Stätten der Jesiden im Irak zu verteidigen.

Zu den Umständen der Festnahme schreibt uns ein jesidischer Aktivist: “Die Sicherheitskräfte der Autonomen Region Kurdistans waren im Begriff den Schwiegervater Sheshos aus ungeklärten Gründen aus dem Familienanwesenabzuführen. Heydar Shesho erklärte, dass er dieses Vorgehen nicht akzeptiere, daraufhin nahmen die Sicherheitskräfte auch den HPS-Oberkommandeur sowie zwei seiner Leibwächter mit.”

Immer wieder beklagen sich die Jesiden, die Kurden würden ihre Religionsgruppe in Wirklichkeit gar nicht verteidigen. Diese Vorwürfe gibt es schon seit dem vergangenen Sommer.

Laut Ezidipress sind auch mehrere jesidische Aktivisten wegen kritischer Kommentare auf facebook im kurdischen Teil des Irak festgenommen worden. Die kurdischen Sicherheitskräfte erlaubten es beispielsweise nicht, die jesidische Flagge – und sei es nur auf T-Shirts bei Demonstrationen – zu zeigen. Auch das berichten uns in Deutschland lebende Jesiden. Offenbar haben sich die Spannungen zwischen Kurden und Jesiden weiter verschärft. Dabei haben beide Gruppen doch einen gemeinsamen Feind: die ISIL-Dschihadisten.