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Eklat auf zweitem internationalen Theatertreffen in Budapest

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Eklat auf zweitem internationalen Theatertreffen in Budapest

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20 Produktionen aus 13 Ländern: Budapest feiert erneut sein “Internationales Madách Theatertreffen”. Nach dem großen Erfolg des vergangenen Jahres

20 Produktionen aus 13 Ländern: Budapest feiert erneut sein “Internationales Madách Theatertreffen”. Nach dem großen Erfolg des vergangenen Jahres, haben sich in diesem Jahr noch mehr Theater beworben. Das internationale Treffen ist ein wichtiges Event: Budapest kann eine perfekte kulturelle Brücke zwischen den West- und Osteuropäischen Theatern schlagen.

“Das ungarische Theater ist international nicht so bekannt, genauso wie andere kleine Länder leider nicht in den Vordergrund treten können. Die Wichtigkeit dieser Kulturen ist viel größer, als die Größe ihrer Bevölkerung oder ihre Fläche. Ausländische Theaterkompanien können sich gegenseitig inspirieren, wir bekommen sehr wichtige Inspirationen von anderen,” so der Kurator des Theatertreffens Andràs Kozma.

Das Mazedonische Nationatheater führte das Stück “Das ewige Haus” auf, die Geschichte eines Hauses, dass über die Jahrhunderte hinweg Zeuge wurde von verwobenen Schicksalen und verschiedenen Welten, ein Haus mit Räumen voller Geschichten. Eine dieser Geschichten handelt von Petkov Misirkov, einem Philologen, Historiker und Ethnographen. Theaterchef Dejan Projkovski: “Er war ein linguistisches Genie, der angeblich 26 bis 27 Sprachen gesprochen hat. Petkov Misirkov hat Sprachen extrem schnell gelernt. Er hat zudem an der Sanskrit-Abteilung der Universität von St. Petersburg studiert. Er hat den Grundstein dafür gelegt, dass die mazedonische Sprache eine Literatursprache wird. Sein Talent war so sprühend wie Mozarts und er hatte das gleiche Schicksal: jung und arm zu sterben.”

Das italienischen Piccolo Theater spielte zwei Mal vor ausverkauftem Haus. Bei “Die inneren Stimmen” (Le Voci di Dentro) führte Toni Servillo Regie. International bekannt wurde er durch seine Rolle im Oscarprämierten Film “La Grande Bellezza – Die große Schönheit”.
Dieses Stück ist eine seltene Zusammenarbeit mit seinem Bruder Peppe Servillo, der eine exentrische Figur spielt. Er hat keine Lust zu reden, er kommuniziert nur mit Waffen: “Der Legende nach wurde der Autor Eduardo De Filippo von einer echten Person inspiriert, wir wissen nicht ob das stimmt. Was er auf der Bühne, zeigt, ist realistischer als das Leben. Er ist der Schlüsselcharakter des Stückes: Für Onkel Nicola haben Worte keinen Wert mehr, er glaubt Worte verbinden Menschen nicht, sie haben ihre Glaubwürdigkeit verloren. Sein Charakter wird zum Symbol dafür, wie sich die anderen Schauspieler auf der Bühne verhalten.”

Der ukrainischen Theaterkompanie, Zentrum für Zeitgenössische Kunst DAKH, wurde wegen der Ukraine-Russland-Krise besondere Beachtung geschenkt. In ihren Stück “Der Hundekäfig” ist das Leid der Ukraine zu spüren. Die Aufführung stellt Fragen. Was ist der Grund für Grauen? Wer ist verantwortlich für das menschliche Leid? Während eines Treffens in Paris im April spürte der ukrainsche Regisseur Spannungen zwischen ukrainischen und rusischen Künstlern. In Budapest treten sowohl russische, als auch ukrainische Kompanien auf. Kompaniechef Vladyslav Troitskyi: “Der erste Teil der Aufführung ist die Dystopie der Ukraine. Die Perfomance entstand, als der frühere Präsident Wiktor Janukowytsch 2010 an die Macht kam. Das Gefühl der Hilflosigkeit wird durch den Hundekäfig ausgedrückt.”

Das Wiener Burgtheater brachte Tschechows “Die Möwe” auf die Bühne – ein Stück über die Rollen, die wir im Leben einnehmen. Nach der Aufführung verlas die Theatergruppe ein politischen Statement. Schauspieler Martin Reinke beklagte, dass sich Ungarn immer mehr vom Geist der Demokratie und von Europa entferne.

Euronewsreporter Gabor Ács: “Einige Zuschauer applaudierten, andere pfiffen. Das ungarische Nationaltehater verurteilte die Aktion und erwartet eine Erklärung vom Burgtheater.”