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Mazedonien: 22 Tote nach Polizeiaktion - Gewalt eskaliert

In Mazedonien eskaliert nach einer großangelegten Polizeiaktion der Konflikt mit der albanischen Minderheit. Bei dem zweitägigen Einsatz der

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Mazedonien: 22 Tote nach Polizeiaktion - Gewalt eskaliert

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In Mazedonien eskaliert nach einer großangelegten Polizeiaktion der Konflikt mit der albanischen Minderheit. Bei dem zweitägigen Einsatz der Sicherheitskräfte wurden acht Polizisten und 14 Mitglieder einer bewaffneten Gruppe getötet. In der Stadt Kumanovo mit einem hohen albanischen Bevölkerungsanteil sind viele Gebäude zerstört, die Einwohner nach ihrer Rückkehr empört. Fehmi Hajdari ist einer von ihnen. “Hier waren keine Terroristen. Und ich weiß auch nicht, wer sie sein könnten”, sagt er auf Albanisch. “Meine Familie hat die Schüsse aus dieser Richtung gehört. Als das anfing, haben sie geschlafen. Sie sind dann durch das Fenster ins Freie geklettert und haben im Keller Schutz gesucht, bis sie zu später Stunde wieder rauskommen konnten.”

30 Männer sind bei der Polizeiaktion nach Regierungsangaben festgenommen worden. Sie sollen einen “Terroranschlag” auf staatliche Einrichtungen geplant haben. Unter den “Terroristen” seien Kämpfer gewesen, die Kriegserfahrungen im Nahen und Mittleren Osten gesammelt hätten, erläuterte Regierungschef Nikola Gruevski bei einer Pressekonferenz. Die mazedonische Polizei habe professionell, patriotisch und heldenhaft gearbeitet, um Terroristen zu neutralisieren, die Mazedonien destabilisieren wollten.

Die OSZE in der Hauptstadt Skopje verurteilte die Gewalt. Auch die EU-Kommission und die Nato zeigten sich besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen in dem Balkanland. Alle Verantwortlichen müssten zusammenarbeiten, um wieder Ruhe herzustellen, verlangte Nato- Generalsekretär Jens Stoltenberg. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn ermutigte Behörden und die politischen Anführer zur Kooperation, um die Ruhe wiederherzustellen und eine vollständige und transparente Untersuchung der Ereignisse einzuleiten.

Die Polizeiaktion hatte am Samstagmorgen begonnen. Die gestellte Gruppe stammt laut Innenministerium aus dem Kosovo und war paramilitärisch organisiert. Einige der Getöteten hätten Uniformen der aufgelösten albanischen Kosovo-Befreiungsarmee UCK getragen. Bei der Razzia wurde die Polizei von Heckenschützen beschossen und mit Granaten und automatischen Waffen angegriffen.

Bereits im Jahr 2001 war es in Mazedonien zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen gekommen. Sie konnten durch Vermittlung der EU beendet werden. Seitdem werfen Albaner der Regierung vor, sie halte die damaligen Absprachen nicht ein. Die Albaner stellen schätzungsweise bis zu 30 Prozent der zwei Millionen Einwohner Mazedoniens.