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Philae ist wach, jetzt aber hurtig!

Am 12. November 2014, nach einer fast elfjährigen Reise an Bord der Sonde Rosetta, setzt das Weltraumlabor Philae zur Landung auf dem Kometen

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Philae ist wach, jetzt aber hurtig!

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Am 12. November 2014, nach einer fast elfjährigen Reise an Bord der Sonde Rosetta, setzt das Weltraumlabor Philae zur Landung auf dem Kometen “Tschuri” an. Sieben Stunden freier Fall, mehr als 510 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Meinung

Philae ist gesund und funktionstüchtig.

Die Landung gelingt, sehr zur Freude des Rosetta-Teams bei der ESA in Darmstadt. Leiter des Philae-Programms ist der Österreicher Stephan Ulamec.

“Wir sind da, und Philae spricht mit uns. Das erste, was er uns sagte, ist, dass die Landeharpunen abgefeuert und zurückgeholt wurden und dass das Landegestell wieder eingefahren wurde. Wir sitzen auf der Oberfläche und Philae spricht mit uns.”

Doch der auf Erden rund 100 Kilogramm schwere Roboter wiegt auf dem Kometen weit weniger. Bei der Landung prallt er zweimal ab und kommt schließlich zwei Kilometer vom vorgesehenen Landepunkt an einem steilen und nur wenig von der Sonne beschienenen Ort zum Stehen. Dennoch gelingen ihm Bohrungen und das Senden von Fotos. 57 Stunde ist er aktiv, dann sind die Batterien leer, am 15. November schläft Philae ein, was die ESA per Twitter kommuniziert.

Sieben Monate später erhalten die Wissenschaftler eine gute Nachricht.

Ulamec: “Nach dem langen Winterschlaf haben wir heute wieder ein Signal von Philae empfangen, ein Lebenszeichen des Landers, das jedoch nur 85 Sekunden andauerte. Aber wir haben Daten über den Zustand, die Temperatur, die von den Solargeneratoren erzeugte Energie, es sieht so aus, als sei der Lander gesund und funktionstüchtig.”

Jetzt geht es darum, vor dem 13. August von Philae so viel wie möglich über den Kometen Tschuri zu erfahren, denn der Himmelskörper ist dann mit rund 186 Millionen Kilometer der Sonne am nächsten sein. Danach wird er wieder in die Weiten des Sonnensystems entschwinden.

INTERVIEW mit Paolo Ferri, Leiter der ESA Mission in Darmstadt

Claudi Rosmino, euronews: “Wir sind jetzt verbunden mit Paolo Ferri, dem Leiter der ESA Mission in Darmstadt. Vielen Dank, dass Sie für uns Zeit haben. Als wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, war Philae gerade auf dem Kometen gelandet. Das war im November. Kann man sagen, dass die Mission jetzt erst in ihre wichtigste Phase kommt?” Paolo Ferri, Bereichsleiter des Esa-Satellitenbetriebs:

“Die Mission war bereits in einer entscheidenden Phase. Rosetta hat einen phantastischen Job gemacht. Der Komet befindet sich gerade in einer besonders aktiven Phase. Das Aufwachen von Philae kann uns jetzt natürlich neue Erkenntnisse bringen.”

Claudi Rosmino: “Sieben Monate nach dem letzten Kontakt, haben Sie noch an einen Erfolg geglaubt?” Paolo Ferri: “Man muss sich klar machen, dass die ganze empfindliche Elektronik jetzt für sieben Monate Temperaturen von unter 100 Grad Minus ausgesetzt war. Es ist also alles andere als selbstverständlich, dass das jetzt geklappt hat. Mit der Zeit wurde ich auch immer pessimistischer. Aber es gab immer Mitarbeiter, die gesagt haben “Wir haben bis Juli noch alle Chancen, lass uns optimistisch bleiben”. Sie hatten recht.”

Claudi Rosmino: “In welchem Zustand ist Philae jetzt und was sind die nächsten Aufgaben?” Paolo Ferri, ESA: “Alles Systeme sind aktiv. Das Notfallsystem scheint auch gut zu funktionieren. Die Temperaturen, die wir messen, sind im grünen Bereich und wir haben noch genug Energie. Was wir nicht wissen ist, wie es den wissenschaftlichen Instrumenten geht. Also müssen wir weiter Kontakt zu Philae halten und weiter Informationen sammeln.

Die letzten Tests gab es im November. Dabei sind einige sehr interessante Dinge herausgekommen. Bei anderen waren die Daten unvollständig. Deshalb müssen wir sie wiederholen. Das liegt auch daran, dass die Aktivität des Kometen heute höher ist und eine Wiederholung könnte interessante Vergleichsergebnisse liefern.”



Claudi Rosmino: “Wie wirkt sich die Aktivität des Kometen und die steigende Nähe zur Sonne auf die Mission aus? Laden die Akkus jetzt schneller?” Paolo Ferri, ESA: “Aus Sicht von Philae ist die Nähe zur Sonne eine sehr gute Sache. Philae ist genau deshalb wieder aufgewacht. Die Oberfläche ist wärmer und es ist Sommer, dort wo Philae sich gerade befindet.

Die schlechte Nachricht bezieht sich eher auf Rosetta. Die Sonde befindet sich aktuell in einer viel schmutzigeren Umgebung als vorher. Deshalb müssen wir uns mit Rosetta etwas vom Kometen weg bewegen. Aber das haben wir ehrlich gesagt auch so erwartet.

Wir haben jetzt aktuell einen Abstand von 200 Kilometern. Damit Philae arbeiten kann, wäre es besser, etwas näher dran zu sein, aber wegen des Drecks, durch den Rosetta gerade fliegt, gehen wir lieber etwas weg. Das ist ein kritischer Moment und wird von uns jeden Tag genau beobachtet.”



Claudi Rosmino: “Ist es ihnen gelungen, den genauen Standort von Philae zu ermitteln?” Paolo Ferri, ESA: “Wir werden in dieser Hinsicht nur letzte Sicherheit haben, wenn wir wieder näher an dem Kometen sind und Bilder machen können. Das wird vielleicht gegen Ende des Jahres der Fall sein. Bis Ende August haben wir diese Möglichkeit leider überhaupt nicht.”

Infos der ESA auf Deutsch
Infos der ESA zu Rosetta und Philae
Infos zu Rosetta und Philae im ESA-Blog
Infos zu Philae vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum