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Nicht die feine britische Art: Labour-Chef Corbyn kritisiert Debattierstil im Parlament

Laut dem neugewählten Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, finden viele Labour-Wähler das britische Parlament zu bürgerfern und das

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Nicht die feine britische Art: Labour-Chef Corbyn kritisiert Debattierstil im Parlament

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Laut dem neugewählten Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, finden viele Labour-Wähler das britische Parlament zu bürgerfern und das Verhalten der Abgeordneten unpassend.

Abgeordnete beider Seiten nutzen die im Fernsehen übertragene Fragestunde häufig zum schnippischen Schlagabtausch.

Die Klagen seien während des Wahlkampfes um den Vorsitz zu hören gewesen, sagte der 66-Jährige bei seinem Debut als Parteichef während der Fragestunde.

“Viele haben mir gesagt, dass sie die Fragestunde des Premierministers zu theatralisch und das Parlament zu abgehoben finden”, so Corbyn. “Vor allen Dingen aber wollten sie im Parlament auch gehört und wahrgenommen werden. Also habe ich tausende Menschen per Email gebeten, mir zu sagen, welche Fragen sie dem Premierminister gerne stellen würden. Und ich bekam 40.000 Antworten.”

“Corbyn, der Labour sehr viel weiter nach links steuern will,” stellte sechs davon: unter anderem zu den Themen bezahlbarer Wohnraum, psychische Gesundheit und Sozialleistungen.

Premierminister David Cameron beantwortete die Fragen seinerseits, nach Meinung von Kommentatoren, ungewöhnlich sachlich und detailliert. “Wenn wir es schaffen, die Fragestunde des Premierministers zu ändern und die Fragen ernsthafter zu stellen und zu beantworten, dann wäre darüber niemand glücklicher als ich”, so Cameron.

Cameron beglückwünschte Corbyn, wie geboten, zum Wahlsieg. Doch politisch könnte die Kluft kaum größer sein.

Einen Seitenhieb unterließ Cameron deshalb nicht. Er verwies während der Fragestunde auf ein anderes Thema, das die britische Presse dominierte: Corbyn soll am Dienstag bei einem Gedenkgottesdienst zum 75. Jahrestag der Luftschlacht von Großbritannien bei der Nationalhymne “God Save the Queen” nicht mitgesungen haben. Der neue Labour-Chef bezeichnet sich selbst als Republikaner, nicht als Monarchisten.