Eilmeldung

Eilmeldung

Protest in Ankara: "Mörder Erdogan muss Rechenschaft ablegen"

Nach dem Anschlag auf eine Friedenskundgebung mit offiziell fast 100 Toten in Ankara ist die Stimmung in der Türkei weiter angespannt. In Istanbul

Sie lesen gerade:

Protest in Ankara: "Mörder Erdogan muss Rechenschaft ablegen"

Schriftgrösse Aa Aa

Nach dem Anschlag auf eine Friedenskundgebung mit offiziell fast 100 Toten in Ankara ist die Stimmung in der Türkei weiter angespannt. In Istanbul protestierten Anwälte vor dem Gerichtsgebäude gegen die Regierung: “Mörder Erdogan muss Rechenschaft ablegen” riefen sie. Mehrere Gewerkschaften riefen für Montag und Dienstag zum Streik auf. Zahlreiche Regierungsgegner zogen am Montag durch die Straßen der Hauptstadt.

Nach Angaben der Regierung sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Hauptverdächtiger sei die Extremistengruppe “Islamischer Staat”.

In Gedenken an die Opfer des Anschlags legten in Ankara zahlreiche Ärzte ihre Arbeit nieder. Der größte Ärzteverband der Türkei, die Turkish Medical Association, war einer der Mitorganisatoren der Veranstaltung, bei der am Samstag zwei Sprengsätze explodierten. In einer Pressemitteilung warf der Ärzteverband der Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor, in den Anschlag verwickelt zu sein. Verantwortlich seien diejenigen, die das Ergebnis der Wahl im Juni nicht akzeptieren wollen und nicht die gewünschten 400 Sitze im Parlament erreichten, heißt es in dem Schreiben des Verbands. Das Ziel der Regierung sei es, Angst und Schrecken zu verbreiten.

Die AKP hatte bei den Wahlen vor vier Monaten ihre absolute Mehrheit im Parlament verloren. Nach Ansicht von Kritikern will sie von den Unruhen im Land profitieren. Denn da eine Koalitionsbildung scheiterte, gibt es in drei Wochen Neuwahlen.

Auch die pro-kurdische HDP gibt der AKP Mitschuld an dem Anschlag, bei dem viele pro-kurdische Aktivisten oder ums Leben kamen. Laut HDP kamen bei dem Unglück 128 Menschen ums Leben. Die pro-kurdische Partei hatte es bei den Wahlen im Juni zum ersten Mal über die in der Türkei geltende Zehn-Prozent-Hürde geschafft.

Die Regierung dementierte jegliche Beteiligung an dem Anschlag, der der schlimmste in der Geschichte des Landes ist. Eine Verschiebung der Neuwahlen schloss sie aus.

Am Anschlagsort nahe des Bahnhofs in Ankara legten Trauernde Blumen nieder.