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Erdrutschsieg der AKP: Kann Ahmet Davutoğlu aus dem Schatten Erdoğans treten?

Nach dem überraschend deutlichen Sieg der islamisch-konservativen AKP bei den Parlamentswahlen in der Türkei meldete sich der türkische

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Erdrutschsieg der AKP: Kann Ahmet Davutoğlu aus dem Schatten Erdoğans treten?

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Nach dem überraschend deutlichen Sieg der islamisch-konservativen AKP bei den Parlamentswahlen in der Türkei meldete sich der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu mit einem einfachen “Elhamdülillah” auf Twitter, auf deutsch ungefähr “Gelobt sei Gott”, zu Wort.

Meinung

Das ist der Sieg unseres Volkes. Das ist ein Sieg für unsere Demokratie und unsere Leute.

So bedankte er sich bei seinen Wählern. Hat Ahmet Davutoğlu es damit geschafft, aus Präsident Recep Tayyip Erdoğans Schatten zu treten? Der türkische Premier hatte im Wahlkampf an vordester Front für Wählerstimmen geworben, anders als bei der vergangenen Parlamentswahl im Juni 2015, bei der Präsident Erdoğan eine entscheidene Rolle gespielt hatte. Zwar ist der türkische Präsident offiziell nicht mehr Parteimitlglied, doch er hält sein Einfluss auf die AKP ist ungebrochen. Bei der Wahl hatte die AKP ihre absolute Mehrheit im Parlament verloren. Viele machten Davutoğlu dafür verantwortlich.

Wie kann sich Ahmet Davutoğlu gegen Erdoğan behaupten?


Doch wieviel kann der türkische Ministerpräsident wirklich verändern? Wie wird er sich gegenüber Präsident Recep Tayyip Erdoğan behaupten? Seit August 2014 hat Ahmet Davutoğlu das Amt des Regierungschefs der Türkei inne.

Davutoğlu stammt aus dem zentralanatolischen Konya und besuchte eine deutsche Auslandsschule, das Istanbul Lisesi, ein renommiertes Gymnasium in Istanbul. An der Bosporus-Universität studierte er Politikwissenschaften und Wirtschaft, wo er auch promovierte. Nach seiner Promotion arbeitete er an der Istanbuler Marmara-Universität, die ihn 1999 zum Professor berief. Ins politische Rampenlicht trat er nach dem Wahlsieg der AKP im Jahr 2002. Damals hatte Ministerpräsident Erdoğan ihn zum außenpolitischen Berater berufen.

Der Architekt der türkischen Außenpolitik


Oft wurde er als Architekt der türkischen Außenpolitik der letzten Dekade bezeichnet. Parallel zu diesem Amt arbeitete er weiterhin als Professor an der Beykent-Universität in Istanbul und hatte den Vorsitz des Instituts für Internationale Beziehungen inne. Von 2009 bis 2014 war er türkischer Außenminister der Regierung Erdoğan.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war er für eine größere außenpolitische Unabhängigkeit der Türkei eingetreten und sich verstärkt für eine Orientierung hin zu den östlichen Nachbarländern ausgesprochen.


Am Ende eines langen Wahlsonntags triumphiert er nun an der Spitze der AKP und stellt mit mehr als 22 Millionen Stimmen einen historischen Sieg für die Partei auf: “Ich bin Euch und meinem Volk Dank schuldig”, sagte Davutoğlu am Sonntagabend in seiner Heimatstadt Konya, “das ist der Sieg unseres Volkes. [Das Wahlergebnis] heute ist ein Sieg für unsere Demokratie und unsere Leute, das ist der Sieg unserer Bürger.” Die Menge skandierte unter anderem “Allahu Akbar” (zu deutsch: “Gott ist groß”) und “Die Türkei ist stolz auf Dich”. Ob Ahmet Davutoğlu nach diesem spektakulären Sieg der AKP aus dem Schatten Erdoğans treten kann, werden die kommenden Jahre zeigen.