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Lebenslang im Todestrakt

Kalifornien stimmt demnächst über den Einsatz einer neuen Giftspritze ab. Danach könnte der Weg für die Wiederaufnahme der seit 2006 ausgesetzten Hinrichtungen frei gemacht werden. 745 Menschen wa

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Lebenslang im Todestrakt

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Seit 2006 hat es im US-Bundesstaat Kalifornien keine Vollstreckung der Todesstrafe mehr gegeben. Eine Abstimmung im neuen Jahr soll die Wiederaufnahme von Exekutionen ermöglichen. Für hunderte zum Tode verurteilte Insassen des Todestrakts von San Quentin könnte das jahrelange Hoffen und Bangen dann ein Ende haben.
Lieutenant Sam Robinson, Mitarbeiter des California Department of Corrections and Rehabilitation berichtet: “Derzeit sind 725 Personen hier in San Quentin im Todestrakt untergebracht. Insgesamt gibt es in Kalifornien im Moment 745 Todeskandidaten. Darunter sind auch Frauen, die in einer anderen Einrichtung untergebracht sind.” Im Todestrakt von San Quentin ist es derzeit wahrscheinlicher, dass Verurteilte eines natürlichen Todes sterben oder Selbstmord begehen, als dass sie hingerichtet werden.

Der 35jährige, wegen Doppelmordes verurteilte Charles Crawford wartet seit 2002 auf seine Hinrichtung und erzählt: “Die meisten von uns sitzen hier jahrelang und warten auf ihr Berufungsverfahren. Der Gedanke an die Todesstrafe ist also nicht ständig im Vordergrund, sondern eher abstrakt. Seit ich hier bin, wurden nur zwei Exekutionen vorgenommen. Es ist deswegen für viele fast so als gäbe es die Strafe nicht wirklich.”
Tatsächlich wurden in Kalifornien seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1978 zwar 900 Menschen zum Tode verurteilt, hingerichtet hat man bis heute 13 von ihnen. Nach mehreren missglückten Hinrichtungen durch die Giftspritze, bei denen die Todeskandidaten einen minutenlangen qualvollen Todeskampf erlitten, hatten viele Bundesstaaten Hinrichtungen ausgesetzt. Außerdem war eine Debatte über die verwendeten Giftmischungen entbrannt. Weil europäische Pharmafirmen das Betäubungsmittel Pentobarbital nicht mehr liefern wollten, griffen viele Staaten zu umstrittenen Mischungen. Dagegen klagten einige Verurteilte. Jetzt soll statt des früheren Giftcocktails soll nur eine Substanz verwendet werden. Nach öffentlichen Anhörungen soll am 22. Januar über den Einsatz dieser Substanz abgestimmt werden. Danach könnte es aber trotzdem noch bis zu ein Jahr dauern, bis die Gesetzesänderung durch geht, mit der die Behörden grünes Licht für die neue Giftspritze bekommen.