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Amnesty: Kurden im Nordirak begehen womöglich Kriegsverbrechen

Die nordirakischen Kurden sollen in den von ihnen eroberten Gebieten Tausende Häuser arabischer Einwohner zerstört haben. Das sagt die

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Amnesty: Kurden im Nordirak begehen womöglich Kriegsverbrechen

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Die nordirakischen Kurden sollen in den von ihnen eroberten Gebieten Tausende Häuser arabischer Einwohner zerstört haben. Das sagt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI). Dabei stehe die kurdische Autonomieregierung offensichtlich an der Spitze einer Kampagne, um arabische Iraker mit Gewalt zu vertreiben. So steht es in einem AI-Bericht, der am Mittwoch veröffentlich wurde.

Amnesty geht davon aus, dass sich die Kurden an Arabern rächen wollen, die sie als Unterstützer des IS ansehen. Kurdische Kämpfer würden außerdem arabische Flüchtlinge davon abhalten, in die zurückeroberten Gebiete zurückzukehren. Die Vertreibung von Zivilisten und die Zerstörung von Häusern ohne militärische Rechtfertigung könnten Kriegsverbrechen gleichkommen, so Amnesty.

Die Kurden wiesen die Vorwürfe zurück. Der Generalsekretär des kurdischen Peschmerga-Ministeriums, Dschabar Jawar, sagte in Erbil, für die Anschuldigungen gebe es keine Grundlage. Amnesty habe nicht die Sichtweise der kurdischen Peschmerga-Kämpfer eingeholt. Die Organisation liege falsch und habe keine Dokumente, die Verbrechen der Peschmerga belegten.

Der Bericht ist heikel für Deutschland und andere Staaten im Westen: Die Kurden Nordiraks sind im Kampf gegen den IS einer der wichtigsten Verbündeten des Westens. Auch Deutschland liefert seit 2014 Waffen an die Autonomieregierung in Erbil. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer aus.

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, erklärte in Berlin, das Ministerium habe Berichte über die Amnesty-Vorwürfe “mit Sorge” gelesen. “Es ist völlig selbstverständlich, dass wir den Vorwürfen nachgehen und uns bemühen herauszufinden, ob und was an diesen Vorwürfen dran ist.” Die Obfrau der Grünen im Verteidigungsausschuss, Agnieszka Brugger, erklärte: “Gerade weil die Zusammenarbeit mit den Peschmerga-Truppen so intensiv ist, darf man bei solchen gravierenden Vorwürfen nicht wegschauen.”

Die USA kündigten an, den Vorwürfen nachzugehen. “Wir nehmen diese Angelegenheiten sehr, sehr ernst”, sagte der Sprecher der US-Armee im Irak, Steve Warren. Die Sicherheit der gesamten Zivilgesellschaft müsse sichergestellt sein. “Wenn solchen Aktionen nicht nachgegangen wird, schadet das automatisch dem Kampf gegen Daesh.” Daesh ist eine andere Bezeichnung für den IS.

Mit Hilfe internationaler Luftangriffe war es den Kurden in den vergangenen Monaten gelungen, zahlreiche Regionen vom IS zu erobern. Darunter sind große Gebiete, um die sich die irakischen Kurden mit der Zentralregierung in Bagdad seit Jahren streiten.

Der Amnesty-Bericht stützt sich auf Recherchen vor Ort, Interviews mit mehr als 100 Augenzeugen und Satellitenbilder. Die Organisation hatte ähnlich Vorwürfe bereits 2015 erhoben. Die kurdische Autonomieregierung in Erbil wies sie zurück. Der damalige Peschmerga-Minister Mustafa Sajid Kadir erklärte, alle Araber könnten in ihre Heimatorte zurückkehren, wenn sich die Lage verbessert habe.

Amnesty-Bericht