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Eurovision Song Contest: Sorgt ukrainischer Beitrag für Eklat mit Russland?

Die Ukrainerin Jamala will beim Eurovision Song Contest über das Schicksal ihrer Familie singen. Eine Provokation für Russland?

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Eurovision Song Contest: Sorgt ukrainischer Beitrag für Eklat mit Russland?

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Sie singt über die Vertreibung der Krimtataren durch Stalin vor mehr als 70 Jahren und könnte damit für einen erneuten Eklat im aktuellen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sorgen: Jamalas Song “1944” ist zum offiziellen ukrainischen Beitrag für den Eurovision Song Contest im Mai in Stockholm gewählt worden. Sie will aufklären, wie die Sängerin nach der Vorentscheidung am Sonntagabend in Hostomel nahe Kiew erklärte: “Ich glaube, ich kann Europa etwas über die Ukraine erzählen, was bisher nicht bekannt ist.”

Meinung

Ich glaube, ich kann Europa etwas über die Ukraine erzählen, was bisher nicht bekannt ist.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Eurovisions-Beitrag für Kontroversen sorgt. So zog Georgien seine Teilnahme am Wettbewerb 2009 in Moskau zurück, nach dem es aufgefordert worden war, den Songtext zu ändern. Auslöser war der Titel “We don’t wanna put in”. Der Veranstalter, die Europäische Rundfunkunion EBU, sah darin eindeutig ein Wortspiel gegen den damaligen russischen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Wladimir Putin. Politische Anspielungen und Botschaften sind bei dem Wettbewerb verboten.

Auch Conchita Wurst, österreichische Wettbewerbssiegerin 2014, gefiel in einigen Ländern nicht. Russische Politiker beklagten wegen des Auftritts des Travestiekünstlers Thomas Neuwirth den Verfall traditioneller Werte. Ein nationalistischer Abgeordneter sagte gar das Ende Europas voraus. In Weißrussland wurde zum Boykott des Song Contests aufgerufen. Im vergangenen Jahr sang die Ungarin Boggie über die palästinensischen Kinder, die im Gazakrieg 2014 starben. Israel protestierte erfolgreich gegen die entsprechende Zeile im Song “Wars for Nothing”.

Auf Twitter hat Jamala schon zahlreiche Fans.

Die Ukrainerin Jamala singt über das Schicksal ihrer Urgroßmutter, die die Vertreibung zu Zeiten der Sowjetunion miterlebt hat. Heute lebt die Familie der Sängerin auf dem Ort auf der Krim, an den diese in den späten 80er-Jahren wieder zurückkehren konnte – auch nach dem Russland die Halbinsel vor knapp zwei Jahren annektierte. Ruslana, Jurorin bei der diesjährigen ukrainischen Vorentscheidung zum Song Contest, hat Jamala unterstützt: “Dieser Song hat eine Botschaft, eine Botschaft, die nach Europa getragen wird. Es ist wichtig, wer diese Botschaft überbringt. Das ist wichtig für die Ukraine, Millionen fühlen sich betroffen. Ich habe Jamala die höchste Punktzahl gegeben.”

Laut Jamala wird ihre auf der Krim verbliebene Familie diskriminiert. Viele Krimtataren klagen über Repressalien durch die russischen Besatzer. Die aktuelle Situation der Minderheit auf der Halbinsel wird in dem Song 1944 jedoch nicht angesprochen. Dazu, ob der Beitrag zu politisch für den Wettbewerb sein könnte, gibt es bisher keine Wertung der EBU.