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Rückblick auf die Berlinale: Preise für ernste Themen und viel Glitter

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Rückblick auf die Berlinale: Preise für ernste Themen und viel Glitter

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Glamouröse Stars auf dem Roten Teppich der Berlinale: Aber hinter viel Zauber und Glitter ging es auf dem diesjährigen Filmfestival vor allem um die

Glamouröse Stars auf dem Roten Teppich der Berlinale: Aber hinter viel Zauber und Glitter ging es auf dem diesjährigen Filmfestival vor allem um die Misere der Flüchtlinge. Zahlreiche Beiträge nahmen sich des Themas an. Der Goldene Bär für den Besten Film ging an den Dokumentarfilm “Fucoammare”.

Meryl Streep, Oscar-Preisträgerin und Vorsitzende der internationalen Jury, verkündete den Gewinner. Der Regisseur Gianfranco Rosi erklärte in seiner Dankesrede: “Ich widme diesen Preis den Menschen auf Lampedusa.”

Im Dokumentarfilm “Fucoammare” (auf deutsch: “Feuer auf See”) geht es um die dramatische Situation der Flüchtlinge auf der italienischen Insel Lampedusa. Er zeigt ihr Leben auf der Insel.

“Ich möchte keine Moralpredigten halten. Mein Film soll etwas aussagen. Es passiert nicht häufig, dass ein Dokumentarfilm auf einem Festival mit einem solchen Preis ausgezeichnet wird.”

Großer Preis der Jury für Danis Tanović

Der Große Preis der Jury ging in diesem Jahr an den bosnischen Filmdirektor Danis Tanović für seinen Film Tod in Sarajevo. Sein jüngster Streifen hat bereits den FIPRESCI-Preis, den Internationalen Kritikerpreis gewonnen. 2001 gewann Tanović mit “No Man’s Land” einen Oscar und wurde über Nacht berühmt. Sein neuer Film “Tod in Sarajevo” handelt von der heutigen Krise, die Traum von Europa bedroht. Als Grundlage diente das Theaterstück “Hotel Europa” des französischen Intellektuellen Bernard-Henri Levy. Der Film feierte in Berlin Weltpremiere.

Danis Tanović erklärt:
“Es ist ein anderthalbstündiger Monolog. Es ist schwer, daraus einen Film zu machen, trotz großartiger Schauspieler wie Jacques Weber. Er hat die Rolle schon auf der Bühne gespielt, aber das war im Theater. Lange wusste ich nicht, wie ich die Geschichte am besten angehen und sie verpacken sollte. Es war eine harte Nuss.”

Silberner Bär für die Beste Regie: Mia Hansen-Løve

Mia Hansen-Løve bekam den Silbernen Bären für die beste Regie in ihrem Film “L’avenir (“Die Zukunft”): “Danke, Meryl Streep, ich könnte mir nicht Schöneres vorstellen, als einen Preise von Dir entgegenzunehmen.”

Im Film spielt die französische Schauspielerin Isabelle Huppert eine verheiratete Philosophie-Lehrerin mit zwei Kindern. Ihr Leben droht auseinanderzubrechen, als ihr Ehemann verkündet, dass er sie für eine andere Frau verlässt.

Die 35-jährige Regisserin hat zum ersten Mal mit der herausragenden französischen Schauspielerin Huppert zusammengearbeitet:
“Zu Beginn war es einschüchternd, aber die Beziehung hat sich schnell normalisiert. Klar, man hat immer im Hinterkopf, was sie schon geleistet hat und wofür sie steht. Aber ich habe ihr vertraut und ich denke das beruht auf Gegenseitigkeit.”

Beste Hauptdarstellerin: Trine Dyrholm in “Die Kommune”

Für ihre Rolle im Film “Die Kommune” des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg wurde die Schauspielerin Trine Dyholm mit dem Silbernen Bären geehrt: “Ich bin so stolz und fühle mich geehrt… oh, er ist schwer.”

Trine Dyrholm gelang der internationale Durchbruch Ende der 1990er, als sie in Vinterbergs Film “Das Fest” spielte. Für ihre Rolle in dem 2011 erschienen Thriller “Heaven” wurde sie mit einem Oscar geehrt. Die Kommune spielt in der frühen 1970er Jahren. Darin spielt Dyrholm eine Frau, die zusammen mit ihrem Ehemann eine Kommune in ihrem Haus starten will. Alles wird geteilt, auch die Lebenspartner. Leichter gesagt als getan.

Trine Dyrholm über ihre Rolle im Film:
“Ich werde entwurzelt…doch die Grundidee des Teilens kommt immer noch durch. Das ist die Botschaft, die Thomas Vinterberg herüberbringen will: Mehr teilen. Vielleicht nicht unbedingt den Ehemann oder die -frau, das kann schwierig werden. Aber wir müssen untereinander mehr Rücksicht nehmen.”

Neuer aufsteigender Star: Der tunesische Schauspieler Majd Mastoura

Ein neuer aufsteigender Star: Der tunesische Darsteller Majd Mastoura konnte den Silbernen Bären für seine Rolle in “Inhebbek Hedi” entgegennehmen. Es war der erste tunesische Film seit zwei Jahrzehnten im Wettbewerbsprogramm der Berlinale. Majd Mastoura spielt die Hauptrolle im Film. Es geht um eine Liebesgeschichte während des “Arabischen Frühlings”, eine Dreiecksbeziehung in einer arabischen Gesellschaft, die von arrangierten Ehen geprägt ist.

Majd Mastoura über seine Rolle als “Hedi”:
“Das Wichtigste war es, mit meinem gesamten Körper in die Rolle einzutauchen. Ich bewege mich viel und sehe alles. Ich habe viel Energie verbraucht, denn Hedi ist Minimalist auf jeder Ebene und sehr energetisch. Das war anfangs schwer für mich.”

Publikumspreis: “Junction 48”

Zu guter Letzt: Der Publikumspreis. In diesem Jahr ging er an das Musikdrama Junction 48 des amerikanisch-israelischen Regisseurs Udi Aloni. Er erzählt die Geschichte zweier palästinensischer Hip-Hop-Künstler, die in einem Vorort von Tel-Aviv leben und die Musik als Sprache gegen die tagtägliche Gewalt nutzen.

Hier sehen Sie ein exklusives 360-Grad-Video von Gérard Depardieu auf dem roten Teppich bei der Berlinale.