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Drama in Griechenland: "Lagerhalle verlorener Seelen"

In Griechenland spitzt sich die Lage nicht nur für neu ankommende Flüchtlinge im Hafen von Piräus dramatisch zu. Obwohl die Balkanroute weitgehend

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Drama in Griechenland: "Lagerhalle verlorener Seelen"

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In Griechenland spitzt sich die Lage nicht nur für neu ankommende Flüchtlinge im Hafen von Piräus dramatisch zu. Obwohl die Balkanroute weitgehend abgeriegelt ist, versuchen weiterhin Tausende, zur Grenze nach Mazedonien zu gelangen. Bereits den dritten Tag in Folge zogen große Flüchtlingstrecks Richtung Norden. Auf dem Festland sind nach Schätzungen der Polizei mehr als 25.000 Schutzsuchende unterwegs.

Meinung

Wir sind Fremde im eigenen Land geworden

Auch im Zentrum von Athen – wie auf dem Viktoriaplatz – prägen gestrandete Menschen aller Altersgruppen das Stadtbild. Für sie rief das Finanzministerium zu “dringend” benötigten Sachspenden auf.

Tausende suchen Zuflucht in öffentlichen Parks

Ein Flüchtling sagte gegenüber dem euronews-Reporter:

“Wir werden warten, bis sich die Grenzen öffnen. Europa sollte etwas für uns tun.”

“Und wenn nicht?”

“Wir werden nicht weggehen. Wir bleiben hier und wir sterben hier.”

Die Regierung spricht inzwischen von “kontrollierter Verlangsamung” des Flüchtlingsstroms. Dazu gehöre unter anderem die Einschränkung des Fährverkehrs von griechischen Inseln wie Lesbos, Chios und Samos nach Piräus.

Unter Athenern macht sich Ärger breit. Charalambos Grapsas beklagte:

“ich komme seit Jahren hierher und trinke meinen Kaffee. Jetzt geht das nicht mehr. Ich bin sauer. Jemand weint, andere haben Hunger. Diese Menschen sind so unglücklich. Was kann man machen?”

Die Athenerin Soultanaki Mirsini bangt um die Zukunft:

“Es werden immer mehr. Wo werden sie alle hingehen. Wir sind Fremde im eigenen Land geworden. Das ist die Wahrheit. Die Griechen geben ihr Land auf und wandern aus. Die Geschäfte werden geschlossen und von Ausländern wiedereröffnet. Wir gehen und sie kommen, um in Athen, in Griechenland zu leben.”

Medienberichten zufolge wimmelte es auf dem Viktoriaplatz auch von Schleppern. Im Angebot seien Passagen über Albanien nach Mitteleuropa oder über die Adria nach Italien. Die Tarife sollen zwischen 2.500 und 3.000 Euro pro Person liegen.

euronews-Korrespondent Apostolos Staikos kommentierte in Piräus:

“Trotz geschlossener Grenze zur früheren jugoslawischen Republik Mazedonien kommen tausende Flüchtlinge im Hafen von Piräus an. Griechenland fürchtet, eine Lagerhalle für verlorene Seelen zu werden. Die Hoffnung auf Auswege beruht auf dem schicksalhaften EU-Gipfel am 7. März.”

Viele Menschen sind offenbar zu Fuß auf dem Weg zur griechisch-mazedonischen Grenze

Wo in Griechenland wieviele Flüchtlinge festsitzen