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Nullzins-Politik der EZB: Wer gewinnt, wer verliert


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Nullzins-Politik der EZB: Wer gewinnt, wer verliert

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Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt Milliarden in den Markt, brummt Banken immer höhere Strafzinsen auf, wenn sie Institute Geld bei ihr parken. Und senkt den Leitzins auf historische Null Prozent. Warum?

Die EZB hat ein klares Feindbild: Inflationsraten unter zwei Prozent. Sie – so die Überzeugung – verleiten Konsumenten und Investoren zum Abwarten. Keiner kauft, keiner investiert, weil es ja noch billiger werden könnte.

Das – so die Logik – wird mit niedrigen oder negativen Zinssätzen bekämpft. Motto: Lebe jetzt, spare später.

Bisher hat der gewünschte Übertragungsmechanismus von Geldpolitik in die Realwirtschaft aber irgendwie Ladehemmung, auf die Geldspritzen reagieren vor allem Börsen und Immobilienpreise.

“Die Zinsen werden lange niedrig bleiben”, sagt EZB-Chef Mario Draghi.

Das bedeutet: Wer Geld geliehen hat, etwa für den Kauf einer Immobilie, muss keine Angst haben, dass seine Raten plötzlich steigen. Andererseits: “Es steigt das Risiko, dass es in Deutschland am Immobilienmarkt zu Überhitzungen kommt,” warnt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, Frankfurt.

Für Sparer sieht die Rechnung anders aus: Sie müssen sich wohl oder übel an Niedrigzinsen gewöhnen.

Finanzexpertin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband, Berlin, geht davon aus, “dass Banken schauen, wo sie heute Geld verdienen können, weil ein Teil ihrer Einnahmen wegbricht.” Mögliche Folge: Die als überhöht kritisierten Dispozinsen.

Bei Geldmarktfonds und Rentenfonds mit kurzer Laufzeit werde es bei steigenden Strafzinsen immer schwieriger, Renditen zu erzielen, heißt es bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken, Frankfurt. Im Schnitt halten die Fonds drei bis fünf Prozent des Volumens liquide vor – falls Anleger Anteile zurückgeben wollen. Dieses Geld werde von einigen Banken negativ verzinst. “Die negativen Zinsen entwickeln sich zunehmend zu einer Substanzbesteuerung für die Anleger”, so Frank Engels, Leiter Rentenfondsmanagement bei Union Investment.

Und Versicherern fällt es immer schwerer, hohe Garantieversprechen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Das Problem der Lebensversicherer: Sie legen das Geld ihrer Kunden vor allem in Staatsanleihen an, die als sicher gelten. Die werfen aber wegen der EZB-Geldpolitik kaum noch etwas oder gar nichts mehr ab.

“Generell ist die Zinspolitik für Verbraucher, die überwiegend in sichere Anlageprodukte investieren, kritisch”, sagt Verbraucherschützerin Mohn. Und da könnte sich die Katze in den Schwanz beißen: Wer kaum noch Rendite bei seinen Altersrücklagen erwarten kann, spart nicht weniger, sondern….mehr.

Einige Finanzexperten kritisieren die neue geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) offen. Für die deutsche Bevölkerung sei die Entscheidung katastrophal, sagt Anton Börner, der Präsident des Exportverbandes BGA, Berlin. “Die Sparer werden enteignet. Politisch birgt das einen großen Sprengsatz, wenn man das mit der Flüchtlingskrise zusammentut. Das ist brandgefährlich.”

Und Andreas Bley, der Chefvolkswirt des Bankenverbands BVR, Berlin, warnt: “Noch mehr billiges Geld und noch niedrigere Zinsen führen nicht zu mehr Investitionen. Im Gegenteil: Die bizarre Welt der negativen Zinsen verunsichert Unternehmen und Verbraucher.”

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su mit dpa

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