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Al-Dschafari: Europa darf sich nicht in Syriens Angelegenheiten einmischen

Während der Friedensgespräche für Syrien hat Euronews mit dem Leiter der syrischen Regierungsdelegation, Baschar al-Dschafari, gesprochen

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Al-Dschafari: Europa darf sich nicht in Syriens Angelegenheiten einmischen

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Während der Friedensgespräche für Syrien hat Euronews mit dem Leiter der syrischen Regierungsdelegation, Baschar al-Dschafari, gesprochen. Terrorismus, Opposition, Machtspiele – hierzu die Positionen des syrischen Regierung in Genf.

Euronews-Reporterin Faiza Garah:
“In diesen Friedensverhandlungen verlangt die Opposition eine Übergangszeit und den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad. Wird diese Forderung zum Scheitern der Verhandlungen führen?”

Baschar al-Dschafari, Leiter der syrischen Delegation:
“Wenn Sie von einer vereinten Opposition sprechen, heißt das, dass sie alle Oppostionsparteien repräsentiert. Wenn sich alle Oppositionsparteien auf einen gemeinsamen Nenner einigen können, könnte man diese Forderung akzeptieren. Aber nicht alle Oppositionsgruppen sind für diese Forderung. Vorab Forderungen zu stellen, heißt den Dialog unmöglich zu machen und sorgt für das Scheitern dieser Gespräche. Zweitens versuchen sie, eine westliche Agenda aufzuzwingen, denn die Forderung nach der Absetzung von Präsident Baschar al-Assad kommt von außen.”

Euronews:
“Sie sagen, die Forderungen der Opposition kommen von außen. Können Sie erklären, wen Sie damit meinen?”

Baschar al-Dschafari:
“Dieses Land ist die Heimat aller Syrer. Weder ich noch sonst jemand hat das Recht, ein Stück dieser Heimat an ein anderes Land zu geben. Genau wie einige versuchen, den Türken in die Hände zu spielen, in dem sie eine Sperrzone im Norden Syriens einrichten. Diejenigen, die das fordern, spielen den Türken in die Hände. Und die Muslimbruderschaft tut das Gleiche, sie spielt Katar in die Hände.
Wir haben seit Beginn der Krise wiederholt, dass es eine Einflussnahme von Außen in syrische Angelegenheiten gibt.
Was später passierte, hat die Richtigkeit unserer Worte bestätigt und den Andersdenkenden die Augen geöffnet.
Heute gibt es einstimmige Berichte des Weltsicherheitsrates, von Großbritannien, den USA, Frankreich und allen anderen aus ihrem Umfeld.
Es gibt andere Berichte des Weltsicherheitsrates, wonach Waffen über die jordanische und türkische Grenze geschmuggelt werden.
Der Waffenhandel erfolgt auch von Libyen in den Libanon.
Was die Probleme in Syrien betrifft, haben wir heute Beweise, dass der Terrorismus zweifellos von anderen Mächten finanziert und dann problemlos ins Land gebracht wird.
Müssen wir die Tausenden Tschetschenen, die in den Reihen der IS-Dschihadisten und von al-Nusra kämpfen, als patriotische oder gemäßigte Opposition ansehen? Allerdings sind sie Ausländer. Es sind ausländische Söldner, bezahlt mit dem dreckigen Geld der Golfstaaten, und mit dem Ziel, Syrien zu vernichten. Es sind insgesamt 80.000 ausländische Söldner, die mit al-Nusra und dem sogenannten Islamischen Staat kämpfen.”

Euronews:
“Die die Infiltration von Terroristen nach Syrien fördern?”

Baschar al-Dschafari:
“Der Ausdruck “Ungläubiger (takfiri)” ist direkt mit dem wahabitischen Denken der Saudis verknüpft. Einzig und allein damit. Deshalb sagen wir, dass die Golfstaaten am Vergießen des syrischen Blutes beteiligt sind. Denn sie haben die Grundlagen für dieses Denken geschaffen, um andere als Missetäter zu behandeln. Deshalb erlauben sie, andere zu enthaupten. Das Gedankengut der IS-Dschihadisten ist auch das Gedankengut der Wahabiten, denn Hände abzuschlagen, Arme und Köpfe mit dem Schwert abzuschlagen, ist eine wahhabitische Tradition Arabiens. Diese Gruppen sind auf der Liste der terroristischen Organisationen, und es gibt Staaten, die sie finanzieren. Heutzutage ist es für niemanden ein Geheimnis mehr, dass die Türkei den sogenannten Islamischen Staat finanziert und die Infiltration seiner Mitglieder nach Syrien erleichtert. Es ist auch für niemanden ein Geheimnis mehr, dass Katar und Saudi-Arabien die Al-Nusra-Front finanzieren. Sie finanzieren ihre Ausbildung und Bewaffnung. Das behaupten nicht wir, sondern das wird vom Bericht des UN-Sicherheitsrates bestätigt.”

Euronews:
“Wie sehen Sie die Zukunft der syrischen Krise?”

Baschar al-Dschafari:
“Wir sind stolz auf unsere nationale Unabhängigkeit und lehnen eine Einmischung von außen ab. Unser einziger Feind ist Israel. Nicht, weil es Israel ist, sondern weil Israel arabische Gebiete besetzt, wie die Golanhöhen, die Teil unserer Heimat sind.”

Euronews:
“Wie hat sich der jüngste Waffenstillstand auf die Verteilung humanitärer Hilfe ausgewirkt?”

Baschar al-Dschafari:
“Die syrische Regierung gibt 75 Prozent der humanitären Hilfe an das syrische Volk weiter. All diese Konferenzen in London, Rom und Paris sind in Wirklichkeit Fassaden, um andere Dinge zu finanzieren, und nicht dazu da, um dem syrischen Volk im Land zu helfen oder die syrischen Flüchtlinge außerhalb des Landes zu unterstützen.”

Euronews:
“Wie sollte Europa Ihrer Meinung nach mit der syrischen Krise umgehen?”

Baschar al-Dschafari:
“Zuerst einmal müsste Europa aufhören, sich in die inneren Angelegenheiten Syriens einzumischen.
Zweitens müssten die gegen das syrische Volk verhängten Sanktionen aufgehoben werden.
Drittens müssten die Botschaften in Damaskus wieder geöffnet werden, damit es Augenzeugen gibt und damit man Informationen nicht mehr nur aus Oppositionsquellen bezieht.
Europa hat viele strategische Fehler begangen. Einige Europäer wollen da nicht mitmachen: Die tschechische Botschafterin ist nach wie vor in Damaskus, genauso wie die bulgarischen und schwedischen Botschafter.
Wir stecken nicht alle Europäer in eine Schublade. Die Schlauen haben ihre Vertretungen weiter geöffnet.”