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Aktueller, denn je: Homer und Federico García Lorca in Budapest

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Aktueller, denn je: Homer und Federico García Lorca in Budapest

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Theaterfans kommen in diesen Tagen in Budapest auf ihre Kosten. Das von und im ungarischen Nationaltheater organisierte Internationale Madách

Theaterfans kommen in diesen Tagen in Budapest auf ihre Kosten. Das von und im ungarischen Nationaltheater organisierte Internationale Madách Theatertreffen zeigt 22 Produktionen aus dreizehn Ländern. Theater in all seinen Formen: zeitgenössische Autoren, aber auch Klassiker der Antike. Die seien aktueller denn je, erklärt eine der Organisatorinnen des Festivals.

Meinung

Was bleibt am Ende letztlich übrig? Verständnis und Aussöhnung zwischen den Generationen. Und vor allem: die Aussöhnung mit sich selbst.

Zsófia Rideg: “Wir erleben derzeit einen neuen Theatertrend. Immer mehr Kompagnien verwenden uralte Elemente wie den Chor. Das ist eine interessante Lösung, um Menschenmassen auf der Bühne darzustellen, gerade mit Blick auf die Flüchtlingskrise. Das Individuum zählt immer weniger. Den Menschen wird klar, dass die Gemeinschaft und die Gesellschaft an Bedeutung gewinnen. Klassische Dramen spiegeln dieses Phänomen in ihren archaischen Texten wider.”

Beispielsweise die Ilias von Homer, eines der ältesten Werke der europäischen Literaturgeschichte über letzten Tage des Trojanischen Krieges. Der griechische Regisseur Stathis Livathinos und seine Truppe haben den Stoff ins 21. Jahrhundert geholt. Kunst, sagt der Regisseur, sollte den Menschen Mut machen in diesen schweren Zeiten.

Stathis Livathinos: “Die Ilias entstand vor der Flüchtlingskrise und ihren aktuellen Konsequenzen. Aber sie zeigt, dass Homer das alles vorausahnte. Denn er setzte sich mit Krieg und Zerstörung auseinander und dem hässlichen Gesicht der Menschen, die sich gegenseitig abschlachten. Was bleibt am Ende letztlich übrig? Verständnis und Aussöhnung zwischen den Generationen. Und vor allem: die Aussöhnung mit sich selbst.”

Homer's ILIAD / Stathis Livathinos Theatre Group from Polyplanity Productions on Vimeo.

Eine kleine Sensation ist das Stück “El público” von Federico García Lorca, von dem der spanische Autor selber sagte, es sei nicht zum Aufführen gedacht, sondern eine Dichtung zum Auspfeifen. Ein komplizierter und explosiver Stoff, an den sich nur wenige Regisseure wagen: Àlex Rigola und das Teatro de La Abadía haben es dennoch getan.

Àlex Rigola: “Die Liebe, von der Lorca in diesem Stück spricht, ist eine unmögliche, seltsame Liebe, fernab vom gängigen Schema. Tatsächlich bringt Lorcas Stück das Thema Homosexualität auf den Tisch, seine Homosexualität. Das mag uns heutzutage nicht riskant erscheinen. Aber wir sollten nicht vergessen, dass in manchen Ländern auf Homosexualität die Todesstrafe steht. Und dass es noch längst nicht überall die gleichen Rechte gibt. In vielen Ländern dürfen Homosexuelle nicht heiraten.”

Das dem ungarischen Dramatiker und Dichter Imre Madách gewidmete Theatertreffen ist kein Festival mit Wettbewerb, sondern vielmehr ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Zu den diesjährigen Gästen gehören unter anderem Truppen aus Serbien, Georgien, Polen, Frankreich, Rumänien und sogar Südkorea. Auch das von Thomas Ostermeier am Théâtre Vidy-Lausanne inszenierte Tschechow-Drama “Die Möwe ist in Budapest zu sehen. Das Theatertreffen geht noch bis zum 24. April .