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Schock nach Nizza: 84 Tote - darunter 10 Kinder, 50 Verletzte zwischen Leben und Tod

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Nachdem ein LKW in Nizza in die Menge gerast ist, gibt es mindestens 84 Tote. Der Staatsanwalt gab in Nizza die offiziellen Zahlen bekannt. Unter den Toten sind auch 10 Kinder und Jugendliche. Am Freitagabend sind noch immer 50 Verletzte zwischen Leben und Tod.

Im südfranzösischen Nizza hatte der Fahrer eines LKW auf der berühmten Strandstraße “Promenade des Anglais” dieses schreckliche Blutbad angerichtet.

Unmittelbar nach dem Feuerwerk anlässlich des französischen Nationalfeiertags hatten sich gegen 22.30 Uhr mehr als tausend Menschen auf der Flaniermeile “Promenade des Anglais” befunden und gefeiert, als der weiße, 15 Meter lange Miet-LKW auf die für den Verkehr gesperrte Straße einbog. Bevor der LKW eine größere Menschenmenge erreichte beschleunigte der Fahrer auf etwa 90 km/h. Er raste dann 1,8 km lang weiter auf der Promenade und überfuhr systematisch alle Passanten, die sich dort befanden.

Unter den Todesopfern sind 10 Kinder. Es sollen sich auch zwei deutsche Schüler und eine deutsche Lehrerin einer Klassenfahrt aus Berlin unter den Opfern befinden.

Bei dem Fahrer soll es sich um einen 31-Jährigen Tunesier handeln.

Um 19.30 wurde die Live-Berichterstattung beendet.

      Als das Fahrzeug nach Schüssen auf die Fahrerkabine zum Stehen kam, verließ der Amokfahrer den LKW und schoß mit einer Pistole um sich. Er wurde von Sicherheitsbeamten getötet. Bei dem Mann soll es sich nach Angaben der Zeitung Nice Matin um Mohamed Lahouaiej Bouhlel handeln, einen 31-jährigen in Tunesien geborenen französischen Staatsbürger. Er war der Polizei wegen allgemeiner krimineller Vergehen und häuslicher Gewalt bekannt. Den Geheimdiensten galt er bisher aber nicht als radikalisiert.

      Im Inneren des Wagens fand die Polizei Schusswaffenatrappen und eine scharfe Granate. Es wurden 2 Ausweise gefunden – einer gehört dem mutmaßlichen Fahrer. Ein Sprecher des französischen Innennministeriums erklärte, derzeit werde noch geprüft, ob es sich um einen Einzeltäter gehandelt habe oder ob es Komplizen gäbe. Auch ist unklar, ob es einen islamistischen Hintergrund gibt.

      “Die Polizei hat ihn neutralisiert”, sagte der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, der Nachrichtenagentur AFP. Die Zahl der Opfer sei deshalb so hoch, weil der Lastwagen über eine lange Distanz in die Menge gerast sei. Humbert sprach von einem “kriminellen Angriff”. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris hat die Ermittlungen übernommen. Ein Krisenstab wurde einberufen. Eine erste Stellungnahme des Generalstaatsanwalts wird gegen 17h erwartet.

      Frankreichs Präsident Hollande sprach vom terroristischen Charakter der Tat und reiste mit Premierminister Manuel Valls und Innenminister Cazeneuve an den Tatort. Für den 16.-18. Juli wurde eine 3-tägige Staatstrauer ausgerufen. Der seit November geltende Ausnahmezustand in Frankreich wurde erneut für 3 Monate verlängert.

      Ein Motorradfahrer und mehrere Passanten haben versucht, bei voller Fahrt die Fahrertür des LKW zu öffnen, als dieser erste Passanten überfuhr und sich einer größeren Menschenmenge näherte. Nach Augenzeugenberichten habe das Fahrzeug dann weiter beschleunigt, es soll sich nur eine Person im Fahrerhaus befunden haben. Beobachtet wurde das Geschehen auch von dem Journalisten und Blogger Richard Gutjahr:


      Gutjahr sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Lastwagen sei an ihm vorbeigefahren und habe Fahrt aufgenommen, sagte Gutjahr. “Die ganze Straße war abgesperrt.” Dann sei das Fahrzeug in die Menschenmenge gerast. Schließlich sei der Lastwagen in den Mittelstreifen der Straße gekracht, daraufhin sei es zu einem Schusswechsel gekommen. Danach habe Angst und Panik geherrscht.

      Das Auswärtige Amt in Berlin riet deutschen Nizza-Besuchern dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Entwicklung der Lage über die Medien zu informieren. An den italienischen Grenzübergängen zu Frankreich wurden die Grenzkontrollen verschärft.

      Die Tour de France wird heute unter erhöhtem Sicherheitsaufwand fortgesetzt. Das deutsch-französische Fest zum französischen Nationalfeiertag am Brandenburger Tor in Berlin wurde für Freitag abgesagt. Einige Reiseveranstalter haben Stornierungen für Reisen nach Nizza angeboten.

      Der Angriff ereignete sich am Abend des französischen Nationalfeiertags. Für die Festlichkeiten waren überall im Land die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Frankreich war wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistischen Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terrorserie im November. Präsident Hollande hatte erst am Donnerstag angekündigt, den seit November 2015 geltenden Ausnahmezustand nicht über den 26. Juli hinaus zu verlängern. Man könne diese Maßnahme nicht ewig aufrechterhalten, sagte er in einem Fernsehinterview. Der Ausnahmezustand war bereits mehrfach verlängert worden.

      Nach dem Anschlag in Nizza können Internetnutzer mit dem Schlagwort “PortesOuvertesNice” (offene Türen Nizza) nach Zuflucht suchen. Unter anderem auf Twitter wurde der Hashtag in der Nacht zum Freitag tausendfach verbreitet. Einwohner von Nizza boten anderen eine Unterkunft an, damit diese nach dem Anschlag nicht auf der Straße bleiben mussten. Nach den Terroranschlägen von Paris im November hatte bereits der Hashtag #porteouverte die Runde gemacht, um Auswärtigen einen Unterschlupf anzubieten.

      Bastille Day attack

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