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Plácido Domingos "Operalia": die Opern-Stars von morgen

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Plácido Domingos "Operalia": die Opern-Stars von morgen

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Für die Jury war die Auswahl dieses Jahr besonders schwer beim Operalia-Gesangswettbewerb: Talente wie kaum zuvor waren in Guadalajara in Mexiko zu hören. Der Wettbewerb, der alljährlich an wechselnden Orten stattfindet, wurde 1993 von Star-Tenor Plácido Domingo zur Nachwuchsförderung ins Leben gerufen.

Sänger im Alter zwischen 18 und 32 Jahren können sich bewerben. Der Jury fiel es schwer, unter den aus tausend Kandidaten ausgewählten vierzig Spitzen-Sängern die Finalisten herauszufinden. Dirigent Marco Parisotto erzählt: “Plácido Domingo selbst hat uns, der Jury gesagt, dass er so etwas in all den Jahren, seit es Operalia gibt, noch nicht gesehen hat – so viele so talentierte Sänger. Wir haben zwölf Finalisten ausgewählt. Offiziell sollten es nur zehn sein. Aber es waren so viele großartige Stimmen dabei, dass wir nicht noch zwei weitere aussieben wollten.”

Am Ende überzeugten der südkoreanische Tenor Keon-Woo Kim und die französisch-dänische Sopranistin Elsa Dreisig Jury und Publikum an meisten.

Allein die beiden Sieger erhalten je 30.000 US-Dollar Preisgeld, für die Zweit- und Drittplatzierten gibt es ebenfalls 20.000 bzw. 10.000 US-Dollar.

Keon-Woo Kim erzählt, er habe Opernsänger werden wollen, seit er neun war – nachdem er Domingo bei einem Auftritt in Südkorea gesehen habe. Bei der Preisvergabe behält er mit Mühe die Fassung: “Das ist toll, wirklich großartig. Ich bin noch ein Anfänger – da überwältigen einen die Gefühle. Ich bin total aufgeregt, ich habe richtig Angst!” Von Elsa Dreisig, die aus einer Sängerfamilie stammt, fällt nach dem Wettbewerb der Stress ab: “Das war viel Arbeit – und unglaublich viel Spaß!”

Altmeister Plácido Domingo, der Begründer des Wettbewerbs, fasst zusammen: “Sie alle waren wirklich sehr gut, in der ersten Auswahl, im Halbfinale und heute. Manchmal ist das anders, manchmal gibt es eine Überraschung. Manchmal taucht einer plötzlich aus den Nichts auf und gewinnt. Doch diesmal waren sie alle durchgängig sehr gut.”

In diesem Jahr fand Operalia zum ersten Mal in Guadalajara in Mexiko statt. Für den spanischen Star-Tenor und Wettbewerbsbegründer eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. In den fünziger Jahren fing er im Teatro Degollado an und trat auch später hier auf: “Genau vor fünzig Jahren habe ich in diesem Haus zu dessen Hundertjahrfeier gesungen. Es ist erstaunlich, wieder hier zu sein nach fünzig Jahren – und immer noch aktiv zu sein – das ist wundervoll!” freut sich der heute 75-Jährige.

Die Nachwuchskünstler arbeiten beim Wettbewerb intensiv mit Domingo zusammen und treten vor Musik-Direktoren großer Opernhäuser auf – das Sprungbrett für eine internationale Karriere. Keon-Woo Kims Traumrolle ist der Romeo in Gounods “Romeo und Julia”. Und Elsa Dreisig hofft auf weitere Bühnenauftritte: “Ich mache gerne bei Wettbewerben mit, ich mag dieses Gefühl, über sich hinauszuwachsen – aber es gibt nichts Besseres, als auf der Bühne zu singen.”

Operalia-Sieger 2016

Erster Preis: Keon-Woo Kim, Südkorea/ Elsa Dreisig, Frankreich, Dänemark
Zweiter Preis: Bogdan Volkov, Russland / Marina Costa-Jackson, Italien, USA
Dritter Preis: Rame Lahaj, Kosovo / Olga Kulchynska, Ukraine
Birgit Nilsson-Preis: Brenton Ryan, USA
Pepita-Embil-Domingo-Preis (Zarzuela): Marina Costa-Jackson, Italien, USA
Don-Plácido-Domingo-Sr-Preis (Zarzuela): Juan Carlos Heredia, Mexiko / Nicholas Brownlee, USA
Publikumspreis: Keon-Woo Kim, Südkorea / Elena Stikhina, Russland
Culturarte-Preis: Elena Stikhina, Russland

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