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Die USA haben ein wachsendes Suchtproblem


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Die USA haben ein wachsendes Suchtproblem

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Wie andere Großstädte in den USA hat Baltimore ein massives Drogenproblem. So vervierfachte sich innerhalb des letzten Jahrzehnts die Zahl der Menschen in den USA, die an einer Überdosis von Betäubungsmitteln starben – Drogen oder Medikamente.
Viele wirtschaftliche Faktoren spielen eine Rolle, wie die hohe Arbeitslosigkeit. Aber auch pharmazeutische Unternehmen sowie das amerikanische Gesundheitssystem tragen eine Teilschuld, meint Leana Wen, sie ist Gesundheitsbeauftragte in Baltimore.
“Leider werden in den USA zu viele opiumhaltige Arzneimittel verschrieben. So viele, sodass jährlich auf jeden erwachsenen US-Amerikaner hochgerechnet eine Flasche kommt. US-Amerikaner machen 5% der weltweiten Bevölkerung aus. Gleichzeitig erfolgen hier 80% der Verschreibungen weltweit. Brauchen wir tatsächlich so viele Opiate? Natürlich nicht.”

Fast 23 Millionen US-Amerikaner sind von schädigenden Substanzen abhängig, nur jeder Zehnte wird behandelt. Die Abhängigkeit von Medikamenten und Drogen breitet sich mittlerweile von den Großstädten auch auf die Vororte aus. In Maryland versucht man das Problem in betroffenen Bezirken wie Montgomery mit einem Antidrogenprogramm zu bekämpfen. Der Polizeibeamte Mark Sheelor erklärt,
“wir kümmern uns um geringfügige Delikte, wie Ruhestörungen oder kleinere Diebstähle, die aufgrund von Drogenmissbrauch begangen wurden. Dann versuchen wir, diese Menschen nicht strafrechtlich zu verfolgen, sondern ihnen zu helfen.”

Wie Michael Krafft. Dem Antidrogenprogramm vedankt er seiner Meinung nach sein Leben. Der Geschäftsmann hat die typische Drogenkarriere hinter sich: Alkoholmissbrauch als Teenager, dann Marihuana, später Betäubungsmittel und schließlich Heroin. Er beschreibt seinen Entzug als hart und qualvoll:
“Manche Drogen sind extrem stark. Auf Entzug zu gehen macht vielen Angst, weil er mit großen Schmerzen verbunden ist, sodass viele es gar nicht erst versuchen.
Es gibt Menschen bei den Anonymen Alkoholikern oder Anonymen Drogenkonsumenten, die 15, 20 oder 30 Jahre clean blieben. Dann kommt dieser eine Tag … Und wegen des ersten Schlucks oder der ersten Droge ist das Leben für jemanden wie mich gelaufen. Ich war am Ende.”

Drogen können Familien zerstören. Der frühere IT-Fachmann Don Wood verlor seinen Sohn vor anderthalb Jahren. Es war das Ende eines 20-jährigen Kampfes, am Ende gewannen die Drogen.
Woods Trauer ist ungebrochen.
“Ich habe meinen Sohn gefunden, er war tot,” erinnert er sich. “Ich ging in sein Zimmer, es war in einer Entzugseinrichtung. Er war bereits seit 14 Stunden tot.”

Stefan Grobe, euronews: “Wie alt war er?”

Wood: “Er war 32 Jahre alt. Er musste seine Sucht in den Griff bekommen, konnte aber zur Arbeit gehen. Schuld an der derzeitigen Situation haben auch die Arzneimittelbranche, Regierung und Ärzte. Es muss sich etwas ändern. Das betrifft auch die Behandlung von psychischen Krankheiten und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft.”

Nun leistet Wood Aufklärungsarbeit an Schulen, um über Drogen, vorbeugende Maßnahmen und erste Symptome von Abhängigkeit zu sprechen.

Für Baltimores Gesundheitsbeauftragte Wen liegen die Fakten klar auf der Hand:
“Die Kenntnisse der Wissenschaft sind klar und unmissverständlich: Abhängigkeit ist eine Krankheit, es gibt Behandlungsmöglichkeiten. Wir wissen, welche Behandlung hilft. Ein Entzug ist möglich. Wir brauchen nur die finanzielle Unterstützung und den politischen Willen, um das zu schaffen.”

Stefan Grobe, euronews:
“Experten zufolge sind Abhängigkeit und Missbrauch von Opiaten ein Notfall für das Gesundheitswesen. Ein Thema, das im Wahlkampf bisher kaum angesprochen wurde. Eins ist klar: Wer ins Weiße Haus einzieht, wird mit einem großen Problem zu kämpfen haben, das das soziale Netz der amerikanischen Gesellschaft zerstören könnte.”

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