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Pressefreiheit in Frankreich: TV-Journalisten gehen auf die Barrikaden


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Pressefreiheit in Frankreich: TV-Journalisten gehen auf die Barrikaden

In Paris streiken die Journalisten der Redaktion des privaten Nachrichtensenders iTélé, Filiale von CANAL+, jetzt schon seit mehr als zwei Wochen. Es geht ihnen um ihre journalistische Unabhängigkeit. Hintergrund des Aufruhrs ist der Einfluss von Vincent Bolloré auf das Programm. Er ist der Chef des Medienkonzerns Vivendi, zu dem auch CANAL+ gehört.


An diesem Dienstag haben sich auch euronews-Journalisten mit den Forderungen der Kollegen von iTélé solidarisch erklärt.


Antoine Genton, einer der Wochenend-Moderatoren von iTélé und Vorsitzender der “Société des journalistes”, erklärt gegenüber euronews, dass 80 Prozent der etwa 200 Journalisten den Streik unterstützen. Sie streiken für ihre journalistische Unabhängigkeit und gegen Jean-Marc Morandini. Dieser sollte – nach dem Wunsch der von Bolloré eingesetzten Redaktionsleitung – auf iTélé eine tägliche Sendung von 18 bis 19 Uhr präsentieren. Gegen den Radiomoderator und Produzenten Morandini ermittelt die Justiz, weil seine Produktionsgesellschaft oder er selbst Nacktvideos und sexuelle Praktiken von jungen Leuten verlangt haben sollen, um bei einer Web-Serie mitzumachen. Solange der Streik dauert, ist Morandinis Sendung vorläufig abgesetzt.

Nachdem schon im Sommer 2015 drei Direktorinnen gekündigt worden war, habe es nie ein Vertrauensverhältnis zwischen den neu eingesetzten Chefs und der Redaktion gegeben, beklagt Antoine Genton. iTélé sollte eigentlich am 24. Oktober 2016 in CNews umgetauft, ein neues Logo sollte präsentiert werden – aber wegen der Protestwelle wurde der Relaunch abgeblasen.

In Frankreich ist die Konkurrenz unter den TV-Nachrichtensendern enorm: iTélé ist einer von vielen. Die besten Einschaltquoten hat BFM-TV, in Schwierigkeiten steckt der zu TF1 gehörende LCI, im vergangenen September neu hinzugekommen ist das staatliche FranceTVInfo – eine Fusion aus Radio und TV mit Unterstützung des Staatsfernsehens “France Télévision”.

Auch bei iTélé ist viel von “Synergie” die Rede, erklärt Antoine Genton. Da arbeiten Sportredakteure von CANAL+ am Wochenende bei iTélé. Umstrittener ist die Verflechtung mit anderen Vivendi-Filialen, wenn ein neues Spiel von “Gameloft” in einem Nachrichtenbeitrag angepriesen werden soll. Die Videospielproduktionsfirma gehört ebenfalls zu der Gruppe.

Die Zukunft des Senders hängt vom Ausgang des Konflikts ab, meint der iTélé-Moderator Antoine Genton – davon dass die journalistische Unabhängigkeit garantiert werde. Andere Stimmen in der französischen Presse meinen, der Nachrichtensender iTélé solle auf lange Sicht abgeschafft werden.

Dem Muttersender von iTélé, CANAL+. geht es nicht gut, denn dem Bezahlsender laufen die Abonennten weg, seit 2014 das für die Kunden preiswertere katarische Sportfernsehen BeIN Sports fast alle Fussballspiele überträgt. Das Abonnement von CANAL+ kostet 40 Euro pro Monat, BeIN Sports gibt es ab 11 Euro. Vivendi-Chef Vincent Bolloré will jetzt die Preise senken, er geht für 2016 von einem Verlust bei CANAL+ in Frankreich von 400 Millionen Euro aus.

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