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Protestcamp: Indianer gegen Pipeline-Projekt

Seit Monaten lehnen sich mehrere Indianerstämme erfolgreich gegen den Bau einer Ölleitung i ihrem Gebiet auf. Seit diesem Donnerstag leisten ihnen auch US-Kriegsveteranen Hilfe. Nun gibt es eine Fri

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Protestcamp: Indianer gegen Pipeline-Projekt

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Klirrende Kälte, Schnee und Tränengas: Es gibt offenbar nichts, was das Protestcamp von North Dakota in den USA stoppen kann. Die indianische Bevölkerung demonstriert dort seit Monaten gegen den Bau einer Pipeline. Auch Sicherheitskräften gelang es bisher nicht, sie zu vertreiben. Der Protest breitet sich unterdessen auf andere US-Städte aus.

Frist für die Räumung

Wegen sinkender Temperaturen weit unter Null Grad hat der Gouverneur nun eine Frist verhängt: Bis Montag sollen die 5.000 Menschen abziehen, sonst wird das Lager gewaltsam geräumt. Doch selbst eine Demonstrantin aus dem US-Sonnenstaat Kalifornien denkt angesichts der Drohung und einer Wettervorhersage von bis zu -14 Grad nicht ans Aufgeben: Es sei zwar harte Arbeit und jeder mache sich ständig Sorgen. Doch niemand werde gehen, und das sei ein schönes Gefühl, meint die Loretta Redding, die ihren in Decken gepackten Hund vor der Kälte schützt.

Einige Aktivisten versuchen, über soziale Netzwerke Druck auf den Gouverneur auszuüben.

Umstrittenes Projekt

Durch die knapp 2.000 Kilometer lange Pipeline sollen täglich etwa 500.000 Barrel Rohöl gepumpt werden, von North Dakota bis Illinois. Dort ist die Ölleitung an das Netz angeschlossen. Sie ist fast fertig, nur das letzte Teilstück fehlt: Dieses soll unter dem Fluss Missouri verlaufen, in der Nähe des Indianer-Reservats Sacred Stone Camp der Standing Rock Sioux.

Angesichts der anhaltenden Proteste sollen nun weitere Gutachten eingeholt werden. Doch eine Verlegung schließt die Betreiberfirma aus, wie es US-Präsident Barack Obama fordert.

Betreiberfirma hält an Bau fest

Energy Transfer verteidigt die Pipeline, die eigener Aussage nach kein Risiko für die Umwelt darstellt. Tanklastzüge seien eine größere Gefahr für die Umwelt, meint der Chef der Betreiberfirma Kelcy Warren:
“Unser Unternehmen liefert die Infrastruktur, wir handeln rechtmäßig und nach Plan. Wir werden eine sichere Pipeline errichten und wir werden den Fluss genau an der festgelegten Stelle untertunneln.”

Doch dessen sind sich die Standing Rock Sioux nicht sicher: Ein Unfall könne nicht ausgeschlossen werden. Das Öl würde den Fluss Missouri verschmutzen, aus dem der Indianerstamm sein Trinkwasser bezieht. Sioux-Frau Winona Kasto ergänzt, es handele sich um heiligen Boden, auf dem bereits ihre Ahnen lebten. Dort, wo die Pipeline geplant sei, befänden sich Grabstätten, die nicht durchquert werden dürften.

Der Frust sitzt tief: Stammesführer werfen der US-Regierung mangelnden Respekt vor. Seit 150 Jahren ließe Washington der indianischen Bevölkerung weniger und weniger Platz zum Leben; angefangen in den 1870er Jahren, als in North Dakota Gold gefunden wurde.

Seit April protestieren die Standing Rock Sioux schon, 200 weitere Stämme beteiligen sich. Es ist der größte Protest der indianischen Bevölkerung seit einem Jahrhundert. Auch US-Kriegsveteranen leisten den Indianern seit diesem Donnerstag Unterstützung.