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Charlie Hebdo: Lachen in Zeiten von Terror

Vor zwei Jahren richteten zwei IS-Dschihadisten ein Massaker in den Redaktionsräumen des französischen Satiremagazins an.

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Charlie Hebdo: Lachen in Zeiten von Terror

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Es ist eine einfache und stille Trauerfeier. Zwei Jahre nach dem Angriff auf das Satiremagazin Charlie Hebdo versammelten sich drei Redaktionsmitglieder, die Bürgermeisterin von Paris Anne Hidalgo und der französische Innenminister Bruno Leroux vor den früheren Redaktionsräumen.

Der 7. Januar 2015 ist für viele Menschen der Tag, als der Terror Europa erreichte. An diesem Tag stürmten zwei islamische Extremisten das Büro des französischen Satiremagazins und richteten ein Blutbad an.

In den Folgetagen ermordete ein weiterer Islamist eine Polizistin und vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt. Frankreich und Europa standen unter Schock. Denn ein Angriff auf ein Satiremagazin gilt als Angriff auf das Recht der freien Meinungsäußerung und den westlichen Lebensstil.
Angst, Wut, Empörung: Am 11. Januar demonstrierten vier Millionen Franzosen in Paris, mit dabei waren 47 Regierungschefs und Politiker aus der ganzen Welt.

Das Ereignis war so einschneidend, dass man es für den Beginn der IS-Terrorserie auf europäischem Boden hält – zu Unrecht. Denn Monate zuvor – im Mai 2014 – erfolgte ein Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel, bei dem vier Menschen starben. Die erste Tat in Europa, für die der so genannte Islamische Staat die Verantwortung übernahm.

Seitdem haben die Menschen in Europa kaum Zeit, sich vom jeweils letzten Anschlag zu erholen. Elf Monate nach Charlie Hebdo machte Frankreich einen neuen Albtraum durch, die Anschlagsserie vom 13. November: mit 130 Tote an fünf verschiedenen Tatorten.

Vier Monate später traf es erneut Belgien: drei zeitgleiche Anschläge, 32 Tote.
Nizza am Nationalfeiertag, dem 14. Juli 2016. Ein LKW überfuhr 86 Menschen auf der viel besuchten Promenade des Anglais.
Ein ähnliches Szenario auf dem Weihnachtsmarkt von Berlin am 19. Dezember.
Das sind Hunderte Tote in weniger als zwei Jahren.

Für viele Menschen ist es das Ende der Unbeschwertheit, womöglich der größte Erfolg für die Terrormiliz. Das scheinen auch die Macher von Charlie Hebdo gespürt zu haben – trotz neuer Abonnenten, einer Finanzspritze vom Staat und des Starts der deutschen Ausgabe. Chefredakteur Riss sagte kurz nach dem Anschlag, die Menschen seien Charlie Hebdo gegenüber “noch intoleranter geworden”. Lachen in Zeiten von Terror ist vielleicht schwieriger, aber eine gute Medizin.