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Wissenschaftlicher Widerstand gegen Trump


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Wissenschaftlicher Widerstand gegen Trump

In welche Richtung geht die US-Wissenschaft unter der neuen politischen Führung? So manche Forscher machen sich Sorgen – etwa wenn es um den Klimawandel geht. Wie wird die US-amerikanische Politik in dieser Hinsicht künftig aussehen? Immerhin schrieb der neue Präsident Donald Trump einst auf Twitter, er halte die Theorie des Klimawandels für eine chinesische Idee, die darauf abziele, der US-Wirtschaft zu schaden. Im Wahlkampf betonte er, er gehe nicht davon aus, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich sei.



Wissenschaftler im Staatsdienst haben nun dutzende Twitter-Konten eröffnet, mit deren Hilfe sie Kontra geben wollen. Da findet man zum Beispiel eine “Widerstandsgruppe” der Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, die Zensur anprangert, auch Mitarbeiter des Yellowstone-Nationalparks haben sich angemeldet, die US-Umweltschutzbehörde ist ebenfalls vertreten. Das Ganze sind selbstverständlich nicht die offiziellen Konten der jeweiligen Organisationen, sondern alternative Zugänge.



Zur Liste der alternativen Twitter-Konten…

Als die Überarbeitung der Webseiten der Umweltschutzbehörde angekündigt wurde, witterten Trump-Gegner den Versuch der neuen US-Regierung, die Inhalte zu löschen sowie Dokumente und Statistiken aus dem Netz zu nehmen. Nutzer richteten eine Webseite ein, auf der sie Datenmaterial über den Klimawandel sicherten, von dem sie glauben, dass es auf Behördenseiten entfernt werden wird. Doug Ericksen, Mitglied und Sprecher des Teams, das in der Umweltschutzbehörde den Übergang von der alten zur neuen Regierung regelt, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press, es gebe keine Auftrag, wissenschaftliches Material einer politischen Prüfung zu unterziehen. Er sagte, alles werde von “Fall zu Fall” begutachtet. Dazu gehöre auch die Webseite der Behörde und die Frage, ob die Klimadaten entfernt würden.

Neben den alternativen Internetauftritten, auf denen Nutzer Informationen veröffentlichen, von denen sie glauben, dass sie auf offiziellen Seiten bald nicht mehr zu haben sein werden, haben Wissenschaftler an verschiedenen Hochschulen in den USA damit begonnen, Forschungsarbeiten, Dokumentationen und Statistiken auf Servern zu sichern. Darunter befindet sich auch Material über die Veränderungen des Meeresspiegels, über den Ausstoß von Treibhausgasen und über die Temperaturentwicklung.

Wissenschaftler planen Demonstration in Washington

Die Anordnungen zur Fortführung von Pipeline-Projekten, die Trump wenige Tage nach seinem Amtsantritt unterschrieb, sind ein Hinweis auf die Energiepolitik, die die neue US-Regierung betreiben möchte. Das Öl hat als sprudelndes Rückgrat der US-Wirtschaft noch längst nicht ausgedient – und damit sind die Vereinigten Staaten auf der Welt nicht allein. Trumps Vorgänger Barack Obama gab sich als Vorkämpfer in Sachen erneuerbare Energie: “Selbst wenn die Erde nicht gefährdet wäre, selbst wenn 2014 nicht das wärmste Jahr überhaupt gewesen wäre, bevor 2015 noch wärmer war: Warum sollten wir die Gelegenheit verstreichen lassen, dass amerikanische Firmen die Energie der Zukunft produzieren und verkaufen?”, sagte Obama einmal Doch auch schon damals gab es großen Widerstand seitens der Energiewirtschaft und seitens zahlreicher Bundesstaaten.



Als ein Mitarbeiter des Nationalparks in South Dakota auf der offiziellen Twitter-Seite des Reservats eine Nachricht absetzte, in der er den hohen Ausstoß an Treibhausgasen erwähnte, wurde diese Nachricht innerhalb weniger Stunden gelöscht. Das gab den alternativen Twitter-Konten Futter und sorgte für Nachahmer. Manche nutzen das Logo ihres Arbeitgebers, betonen aber gleichzeitig, es handele sich keinesfalls um die offizielle Behördenseite. Da die alternativen Konten privat betrieben werden, haben die US-Behörden auf sie keinen Zugriff.

Die besorgten Wissenschaftler wollen sich nicht auf Internet-Proteste beschränken: Mittlerweile ist eine Demonstration in der Hauptstadt Washington DC geplant. Teilnehmen könne jeder, der empirische Wissenschaften wertschätze, heißt es auf der Internetseite der Organisatoren. Einen Termin für den Protestzug gibt es noch nicht.