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François Fillon - zunehmend unbeliebt, aber weiter im Wahlkampf


Frankreich

François Fillon - zunehmend unbeliebt, aber weiter im Wahlkampf

Warmes Wetter, ein warmer Empfang – also eine schöne Abwechslung für den krisenbelasteten François Fillon.

Der Präsidentschaftsbewerber der französischen Konservativen macht drei Tage lang Wahlkampf auf Réunion, Frankreichs Trauminsel im Indischen Ozean.

Dabei hat eine Umfrage gerade erst gezeigt, dass gut zwei Drittel der Franzosen – siebzig Prozent – ihn nicht mehr als Bewerber für das höchste Amt im Staat sehen wollen.

Unter seinen Parteigängern sind es weit weniger (sechsunddreißig Prozent), aber auch hier steigt die Zahl.

Der Kernvorwurf gegen Fillon: Der konservative Politiker soll als Abgeordneter jahrelang seine Frau üppig als Mitarbeiterin bezahlt haben,
ohne dass sie aber dafür gearbeitet hätte.

Über die Jahre kamen dadurch und durch weitere Zahlungen laut Presseberichten – vor allem der Wochenzeitung “Le canard enchaîné” – gut achthunderttausend Euro zusammen.

Fillon bestreitet nicht die Zahlungen, betont aber, sein Frau habe dafür angemessene Arbeit geleistet – laut seiner Webseite “einfache, aber sehr wichtige Aufgaben”.

So habe sie zum Beispiel zusammen mit seiner Sekretärin die Post durchgesehen und seinen Terminkalender geführt. Viel Arbeit habe sie im Wahlkreis erledigt; daher habe sie auch keine Zugangskarte für das Parlament gehabt, wie ihr vorgehalten wird.

Die Zahlungen hat Fillon inzwischen ebenso auf seiner Kandidatenwebseite veröffentlicht wie seine Vermögensverhältnisse und eine umfangreiche Stellungnahme. Seine Kandidatur will er erst aufgeben, wenn er angeklagt würde.

Anfang der Woche rechtfertigte er sich vor der Presse: In der gleichen Umfrage (durchgeführt Mittwoch und Donnerstag unter 1001 Teilnehmern) zeigen sich nun aber fast achtzig Prozent der Franzosen gar nicht oder wenig überzeugt von seinen Aussagen.

Gleichzeitig sind ältere Aussagen seiner Frau von 2007 aufgetaucht, wonach sie für Fillon nie gearbeitet habe – überhaupt sei das Leben in Paris nichts für sie, sie fühle sich viel wohler auf dem Lande.

In jenem Jahr gab Fillon sein Abgeordnetenmandat auf, weil er Regierungschef wurde – Anlass für mehrere Gespräche von Journalisten mit der neuen Dame des Hauses im Matignon-Palast, seinem Amtssitz.

Die zitierten Aussagen seiner Frau von damals nennt er heute “aus dem Zusammenhang gerissen”. Nie habe seine Frau das Licht der Öffentlichkeit gesucht, lieber sei sie im Verborgenen tätig gewesen – heute nun werde das gegen sie beide gewandt.

Auf seiner Webseite nennt er die Beschäftigung seiner Frau (sowie für kurze Zeit auch seiner Kinder) einen Irrtum und entschuldigt sich dafür. Er bleibt aber dabei, dass alles rechtmäßig gewesen sei – nur sei es eben damals üblich gewesen und akzeptiert worden, heute nicht mehr.

Eine Diskussion über den Fall Fillon im Fernsehsender Arte (auf Französisch) nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe Ende Januar

Vergangenen Herbst gewann Fillon die Urabstimmung unter den Anhängern der Republikanischen Partei, der einstigen UMP, und wurde Bewerber um das Präsidentenamt. Danach sah er schon fast sicher wie das künftige Staatsoberhaupt aus.

Laut den letzten Umfragen würde er nun aber schon in der ersten Runde der Präsidentenwahl Ende April ausscheiden.

Gewinnen würde demnach Marine Le Pen von der Front National vor Emmanuel Macron, dem unabhängigen Liberalen. Der allerdings würde gegen Le Pen überaus klar den zweiten Wahlgang Anfang Mai gewinnen und wäre somit – nach derzeitigem Umfragestand – Frankreichs neuer Präsident.

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