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Krawalle in Frankreich: Aussitzen hilft nicht


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Krawalle in Frankreich: Aussitzen hilft nicht

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Zwei Nächte mit Ausschreitungen, der Schaden ist groß. Bisher beschränkten sich die Krawalle auf die Vororte von Paris, die bekannten “banlieues”.
Seit den 90er Jahren sucht sich der Frust regelmäßig ein Ventil: Unzufriedene Jugendliche ohne Perspektive, die meisten ohne Job, leben in regelrechten Ghettos mit hohem Ausländeranteil. Das Problem ist alt bekannt.

Der Tiefpunkt war 2005, als Frankreich Wochen mit gewaltsamen Ausschreitungen durchlebte. Der Auslöser war auch damals ein umstrittener Polizeieinsatz in Clichy-sous-bois: Zwei Jugendliche flohen vor Polizisten in ein Transformatorenhäuschen, wo sie von Stromschlägen tödlich getroffen wurden. Die Polizisten wurden zehn Jahre später freigesprochen.

Viel passiert ist seit den Ausschreitungen von 2005 nicht. Es gab einzelne politische Maßnahmen, die jedoch an dem Grundgefühl der zweiten Einwanderergeneration nichts änderten.

Der Soziologe Sébastien Roche: “Sie wollen eine echte Gleichheit. D.h., ihre Probleme beschränken sich nicht auf die Zusammenstöße mit der Polizei. Vielmehr fehlt es an politischen Maßnahmen, die für eine echte Gleichheit sorgen – auch vor der Polizei.”

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
In Frankreich sind sie geboren und berichten trotzdem von kleinen und großen Diskrimierungen im Alltag – zum Beispiel, wenn sie aufgrund ihrer Hautfarbe von der Polizei kontrolliert werden.

In Bobigny meint ein junger Mann, “wir haben einen regelrechten Krieg mit der Polizei. Sobald sie dir die Handschellen anlegen und dich in den Polizeiwagen setzen, beschimpfen sie dich als “dreckigen Araber” oder “dreckigen Schwarzen”. Sie denken, sie können sich alles erlauben.” Ein anderer ergänzt:
“Wir werden beleidigt und ständig kontrolliert. Hätte ich eine andere Hautfarbe, wäre mein Leben in diesem Viertel einfacher.”

Wie geht es weiter?
Sie sehen sich als Opfer einer missglückten Einwanderungspolitik. Politiker wie der frühere Präsident Nicolas Sarkozy sehen sie als “racaille” an – Gesindel.
Frankreich wählt im April einen neuen Präsidenten. Wie wird die künftige Innenpolitik aussehen? Eine Politik der harten Hand oder für größere Chancengleichheit? Aussitzen hilft nicht. Das haben die letzten Jahrzehnte gezeigt.

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