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Präsidentschaftswahl in Frankreich: Liberaler Macron vor Rechtspopulistin Le Pen (Hochrechnung)

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Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat Hochrechnungen zufolge der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron die erste Runde gewonnen. Zweite wurde die Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Macron erreichte dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Frankreich zufolge rund 23,7 Prozent, Le Pen 21,7 Prozent. Andere Hochrechnungen sehen die beiden Kandidaten gleichauf. In jedem Fall würden damit Macron und Le Pen in die Stichwahl am 7. Mai einziehen. Meinungsumfragen zeigen, dass dann Macron das Rennen machen würde.

Von belgischen Medien geführte Umfragen hatten Macron bereits seit Mittag vorne gesehen, klar war das Rennen aber keinesfalls, wie die bis zuletzt knappen Prognosen zeigten.

Die Frankreichwahl galt schon im Vorfeld als eine der spannendsten der vergangenen Jahrzehnte. Schon lange war kein Wahlausgang so unsicher wie an diesem Sonntagabend. Es ist zudem die erste Wahl, bei der keine der großen Volksparteien mehr eine Chance im zweiten Wahlgang hat.

Die Volksparteien sind raus

Der konservative François Fillon, dem während des Wahlkampfes Scheinbeschäftigung und Annahme eines Luxusgeschenks angelastet wurde, erreichte immerhin noch rund 19,5 Prozent. Benoit Hamon, Kandidat der Sozialisten des amtierenden Präsidenten François Hollande, liegt abgeschlagen mit knapp über 6 Prozent dahinter.

Hamon, dem von vornherein kaum Chancen zugesprochen wurden, übernahm die Verantwortung für die Niederlage. Gleichzeitig machte er aber andere für das Scheitern der Sozialisten verantwortlich und sprach von einer “Auslöschung der Linken durch die extreme Rechte”. Hamon rief dazu auf, jetzt für Macron zu stimmen. Dass das Amt des Präsidenten für einen unabhängigen Kandidaten zum Greifen nah ist, gab es noch nie in der Fünften Französischen Republik.

Mit dem knappen Ausgang und wenigen Stimmen für alle Kandidaten wird die Stichwahl damit zu einer Verhinderungswahl. Am Ende wird die Mehrheit der Franzosen nicht von jenem Präsidenten regiert, den sie haben wollte. Es wird lediglich versucht, den unbeliebteren der beiden Kandidaten im zweiten Wahlgang zu verhindern.

Am Sonntagabend sind mehrere Hundert junge Menschen in Paris auf die Straße gegangen. Die antifaschistischen Demonstranten riefen “Auf die Dächer, Paris!” und stellten sich gegen Le Pen ebenso wie gegen Macron. Die Polizei stoppte den Demonstrationszug.

Wer ist Emmanuel Macron?

Wirtschaftsfreundlich, dennoch sozial, politisch war Emmanuel Macron im Wahlkampf nur sehr schwer einer politischen Richtung zuzuordnen. Manche unterstellten ihm sogar, gar kein richtiges politisches Programm zu haben und zu versuchen, mit diesem unklaren Kurs irgendwie alle zufriedenzustellen. Der 39 Jahre alte Kandidat und frühere Vertraute des glücklosen Staatschefs François Hollande führt sein Wahlkampfteam wie ein Start-up-Unternehmen. "Erneuerung der Gesichter", lautet das Motto des unabhängigen Anwärters, der sich "weder rechts noch links" sieht. Falls er am 7. Mai die entscheidende Runde der Wahl gewinnt, soll ein erheblicher Teil der Minister seiner Regierung nicht aus der Politik kommen.

Der hochbegabte und ehrgeizige Kandidat machte in der Wirtschaft und in der Politik Karriere, war bis 2012 gut bezahlter Investmentbanker. Da das Misstrauen gegen die Finanzbranche im Land ganz tief sitzt, muss er sich immer wieder rechtfertigen. Er tritt zudem als unabhängiger Kandidat an, kann also nicht auf die Unterstützung eines kräftigen Parteiapparates hoffen.

Macron positioniert sich als einziger Kandidat deutlich europafreundlich. Während die Rechtspopulistin Le Pen aus dem Euro aussteigen will und auf Abschottung setzt, ist Macron für Europa und eine Partnerschaft mit Deutschland.

mit DPA

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