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Uruguay: Marihuana aus der Apotheke


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Uruguay: Marihuana aus der Apotheke

Uruguay ist das erste südamerikanische Land, in dem Marihuana in einem staatlich organisierten Projekt legalisiert wird. Sowohl Produktion als auch Abgabe werden durch den Staat gelenkt. Damit will die Regierung die Macht der Drogenbanden zurückdrängen. Das bereits 2013 beschlossene Gesetz geht nun in die abschließende und umstrittenste Phase des Legalisierungsprozesses: Den Verkauf in landesweit 30 Apotheken, der bereits im Juli beginnen soll.

Pflanzen für den Eigenbedarf


Doch wie geht der Legalisierungsprozess überhaupt vonstatten? Zunächst kann die Bevölkerung nur unter Auflagen Cannabis kaufen und selbst produzieren. So muss sie sich beispielsweise registrieren lassen. Bereits 3000 Uruguayer haben sich für den Erwerb in Apotheken angemeldet, mehr als doppelt so viele, ganze 6550, wollen die Pflanzen selbst anbauen. Die Grenze für den häuslichen Anbau liegt bei sechs Pflanzen. Die Bürger haben ebenfalls die Möglichkeit, sich in Clubs zu organisieren, deren Mitglieder gemeinschaftlich Pflanzen kultivieren und deren Blüten konsumieren, bis zu 480 Gramm pro Jahr. Schon jetzt gibt es mehr als 50 Clubs mit jeweils 45 Mitgliedern. Doch nur eine der drei Möglichkeiten steht den Bürgern für einen legalen Konsum zu.

Marihuana aus der Apotheke


Zur Zeit läuft die letzte Etappe der Einführung des sogenannten “Gras-Gesetzes”. Maximal 10 Gramm dürfen die Bürger pro Woche in der Apotheke kaufen, zu einem Spottpreis von 1,30 Dollar. Der günstige Preis soll den der Dealer unterbieten. Aus Angst vor Überfällen sollen nun Apotheke mit Überwachungssystemen ausgestattet werden. Doch die entscheidende und noch ungeklärte Frage ist: Wie soll ein Weiterverkauf des in der Apotheke erworbenen “Medikaments” verhindert werden? Denn jährlich konsumieren die Uruguayer rund 26,5 Tonnen Marihuana, doch die Planung sieht bisher lediglich den Anbau von vier Tonnen “Gras” vor. Sollte sich das Projekt als Erfolg herausstellen, soll die Anbaumenge schrittweise erhöht werden. Bis jetzt hat der Staat zwei Firmen mit dem Anbau von rund zwei Tonnen Marihuana beauftragt, die International Cannabis Corporation und Simbiosys, sie dürfen bis zu 15.000 Pflanzen auf einer staatlich kontrollierten Anbaufläche unweit von Montevideo kultivieren. Der illegale Marihuana-Markt dürfte also auch in Zukunft weiter florieren. Ein Rauchen an öffentlichen Plätzen und am Arbeitsplatz ist weiterhin verboten. Wer am Steuer unter Marihuana-Einfluss steht, muss ebenfalls mit Konsequenzen rechnen.

Abgrenzung von den Niederlanden


Einen Marihuana-Tourismus wie in den Niederlanden wollen die Uruguayer nicht. Touristen könnten aus diesem Grund auch kein Cannabis in Apotheken erwerben. Doch genau diese Tatsache könnte den illegalen Geschäftemachern zugute kommen, die im teuren Weiterverkauf ihre Chance wittern. Im Gegensatz zu den Niederlanden bestimmt in Uruguay künftig der Staat über die Einfuhr der Samen, die Produktion und den Verkauf. Denn in den Niederlanden dürfe “Pot” zwar legal in Coffeeshops verkauft werden, doch das Rauschmittel käme aus einem illegalen Markt. Wie jedoch die Regierung des südamerikanischen Landes verhindern will, dass das Dope unter der Hand an ausländische Touristen verkauft wird, ist ein ungeklärter Kritikpunkt an diesem Experiment.

Ein Aufruf über Twitter, sich für den Erwerb von Cannabis in Apotheken zu registrieren (auf spanisch):


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