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Omar: Ein neues Leben nach der Folter in Syrien

Omar überlebte die Folter in Militärgefängnis Sednaja bei Damaskus. Heute hat er in Schweden ein neues Zuhause gefunden.

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Omar: Ein neues Leben nach der Folter in Syrien

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Omar Alshogre kam während der großen Flüchtlingswelle 2015 nach Schweden. Heute arbeitet der 22-jährige Syrer als Eisverkäufer in einem Vergnügungspark und übt Schwedisch, wann immer er kann. Denn das, sagt Omar, sei der Schlüssel, um sich in die Gesellschaft zu integrieren, ein paar Worte Schwedisch und ein breites Lächeln, dann laufe das wie von selbst.

Omar war 15, als der Arabische Frühling in Syrien anbrach. Mit Freunden und Familie demonstrierte er für Freiheit und ein Ende der Korruption. Der Preis, den er dafür zahlen sollte, war immens. Omar verbrachte drei Jahre im Gefängnis, zwei davon im gefürchteten Abschnitt 215 und ein weiteres im Militärgefängnis Sednaja bei Damaskus – auch als Assads Schlachthaus bekannt. Einem Bericht von Amnesty International zufolge wurden dort allein zwischen September 2011 und Dezember 2015 rund 13.000 Menschen getötet.

Omar Alshogre: “Nach den ersten fünf Minuten in Sednaja war mir klar, dass Abschnitt 215 im Vergleich dazu das Paradies gewesen war. Das verstand ich sofort. Ich wollte zurück. 200 Jahre Folter im Abschnitt 215 wären erträglicher gewesen, als eine Minute in Sednaja. Sie haben mich und meine Cousins gefoltert, haben meinen Cousin erschossen, mir direkt auf den Mund geschlagen, ein paar Zähne ausgerissen und Fingernägel, uns mit Stromschlägen gefoltert, verfaultem Essen und schlechtem Wasser.”



2015 kamen mehr als 160 Tausend Flüchtlinge nach Schweden, Omar war einer von ihnen. Seiner Mutter hat er zu verdanken, dass er die Folterhölle verließ. Sie brachte die 15 Tausend Dollar auf, die nötig waren, um ihn aus der Haft und in die Türkei zu schleusen. Damals wog er nur noch 35 Kilogramm, litt unter Tuberkulose und Gedächtnisschwund. Omars Mutter bangte um sein Leben und sah nur eine einzige Lösung, ihn auf die gefährliche Reise nach Europa zu schicken – in Begleitung seines 11-jährigen Bruders, weil er allein zu schwach dafür gewesen wäre.

Omar Alshogre: “Meine Mutter sagte: ‘Du musst nach Griechenland.’ Ich meinte: ‘Gut, dann kauf die Tickets!’ ‘Nein Omar, es gibt keine Tickets.’ ‘Wie soll ich dann dorthin?’ ‘Mit dem Boot.’ ‘Ah, mit dem Boot’, sage ich und denke an einen großes Schiff mit Sonnendeck. Da sagt sie: ‘Nein, Omar, du wirst auf einem Gummiboot fliehen mit vielen anderen Menschen, die unterwegs sterben’.”

Ende Dezember schafften es die Brüder tatsächlich nach Schweden und machten in Stockholm eine entscheidende Begegnung. Familie von Heland – mit zwei kleinen Kindern – die die beiden Jungen ins Herz schloss, ihnen Kleidung kaufte, sie nach Hause einlud und ihnen schließlich anbot, zu bleiben. Omar und sein Bruder sprechen jeden Tag mit ihrer Mutter in der Türkei und hoffen auf ein schnelles Wiedersehen.