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Frankreich will Reaktoren runterfahren

Der Minister für ökologischen Umbau Nicolas Hulot kündigte an, bis zu 17 Reaktoren vom Netz zu nehmen.

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Frankreich setzt auf Atomkraft, seit Jahrzehnten decken die Meiler rund 75 Prozent des Energiebedarfs. Mit 58 Reaktoren hat das Land den zweitgrößten Atompark der Welt. Die Senkung des nuklearen Anteils am Strommix war 2015 beschlossen worden, der im Mai gewählte Präsident Emmanuel Macron hat das 50-Prozent-Ziel für Atomstrom bestätigt. Sein frisch ernannter Minister für ökologischen Umbau Nicolas Hulot machte in Fessenheim, dem ältesten, noch laufenden Reaktor Frankreichs Nägel mit Köpfen und kündigte konkret die Schliessung von Atomkraftwerken an, obwohl das Gestz dies nicht verlangt: es deckelt nur die AKW-Leistung auf maximal 63,2 Gigawatt, was der aktuellen Leistung der französischen Atomparks entspricht.

Nicolas Hulot, Minister für ökologischen Umbau, hatte erst kürzlich seine Pläne zur Klimapolitik vorgestellt, dabei war er zum Thema Kernenergie vage geblieben. Jetzt wurde er konkreter: : “Der Beschluss steht fest: Der Anteil der Kernenergie in der nationalen Stromerzeugung soll auf 50% reduziert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen mehrere Reaktoren abgeschaltet werden, ein Reaktor reicht bei weitem nicht. Lassen Sie mich also die Sache angehen. Ich denke, wir müssen mit bis zu 17 Reaktoren anfangen.”

Im traditionell atomfreundlichen Frankreich regt sich Widerstand, zum einen wollen die Gewerkschaften Arbeitsplätze erhalten, zum anderen will die halbstaatliche Electricite de France bis 2025 im Schnitt vier Milliarden Euro pro Jahr investieren, um Laufzeitverlängeruingen für ihre Reaktoren zu erreichen – die ältesten sind seit fast 40 Jahren am Netz, der Großteil wurde in den 80er Jahren in Dienst gestellt. Bisher gibt es nur für das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim an der deutschen Grenze einen Plan zur Schließung. Ein entsprechendes Dekret hatte die Vorgängerregierung nach langem Ringen mit Betreiber EDF noch im April auf den Weg gebracht. Allerdings soll es erst vom Netz gehen, wenn ein neuer Reaktor in Flamanville am Ärmelkanal den Betrieb aufnimmt.