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"Kein Rezept für ein langes Leben" - ältester Mann der Welt gestorben

Nein, er habe keine besondere Erklärung für sein hohes Alter, hatte Israel Kristal erklärt. Er starb am Freitag im Alter von fast 114.

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"Kein Rezept für ein langes Leben" - ältester Mann der Welt gestorben

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Der zuletzt älteste Mann der Welt, Israel Kristal, ist tot. Der israelische Staatsbürger und Holocaustüberlebende war am 15. September 1903 in Polen geboren worden und war so zum Zeitpunkt seines Todes am vergangenen Freitag 113 Jahre alt.

Im Herbst 2016 hatte Israel Kristal seine Bar Mizwa nachgefeiert – mit 100 Jahren Verspätung. Seine Familie hatte ihm das Fest zum 113. Geburtstag geschenkt. Als er ein Junge war, tobte der Erste Weltkrieg. Damals war keine Zeit, für ihn das jüdische Fest der Religionsmündigkeit zu feiern. “Wir haben mit ihm getanzt, wir haben alle gesungen, wir haben ihn glücklich gemacht”, sagte seine Tochter Schulamit Kristal Kuperstoch kurz nach der Feier.

Das Guinness-Buch der Rekorde hatte ihm im März 2016 den Titel verliehen – als erstem Israeli überhaupt. Kurz zuvor war der damalige Titelträger, Yasutaro Koide, mit 112 Jahren in Japan gestorben. Auf Twitter erinnerte der Verlag des Buches an den verstorbenen Rekordhalter:


Sein Leben – ein langer Weg

Kristal soll den österreichischen Kaiser Franz Joseph noch mit eigenen Augen gesehen haben, als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Als Jugendlicher zog er nach Lodz, um im familieneigenen Süßwarengeschäft zu arbeiten. “Das war harte körperliche Arbeit”, sagte er der Zeitung “Haaretz”. Er habe damals 25-Kilo-Säcke mit Zucker geschleppt.

Im Jahr 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert. Über die traumatische Zeit sprach er nicht gern. “Über jeden Tag dort könnte man zwei Bücher schreiben”, sagte er nur. Kristal verlor während des Holocaust seine erste Frau und zwei Kinder. 1950 wanderte er nach Israel aus und zog mit seiner zweiten Frau und dem Sohn nach Haifa. Dort stellte er wieder Süßigkeiten her.

Rezept des Lebens?

“Jeder hat sein eigenes Schicksal. Es ist ein Geschenk des Himmels. Da sind keine Geheimnisse”, sagte er vor fünf Jahren. Auf die Frage, ob er sein hohes Alter vielleicht aufgrund einer besonderen Diät erreicht habe, sagte Kristal: “In den Lagern gab es nicht immer etwas zu essen. Was sie mir gegeben haben, habe ich gegessen.” Er esse, um zu leben – er lebe nicht, um zu essen. Kristal betonte, er brauche nicht viel. Alles, was zu viel sei, sei nicht gut.

Der hochbetagte Mann war der Ansicht, dass die Welt heute nicht mehr so gut sei wie früher. “Ich mag diese Freizügigkeit hier nicht. Heute ist alles erlaubt”, sagte er. Früher seien junge Menschen nicht so forsch gewesen. Sie hätten über eine Arbeit nachdenken müssen, um ihr Leben zu finanzieren, sie seien Tischler und Schneider gewesen.

Später Trost

Mit seiner späten Bar Mizwa ging für Israel Kristal ein großer Wunsch in Erfüllung. Das Fest ist vergleichbar mit der evangelischen Konfirmation oder der katholischen Firmung. Zu der Feier kamen rund 60 Familienmitglieder und gingen mit ihm in die Synagoge. Auf einem Bild ist zu sehen, wie Kristal liebevoll eine Thorarolle küsst. Ihr Vater sei schwach, aber er beschwere sich nicht, sagte seine Tochter damals. “Man kann sich nicht wie 13 fühlen, wenn man 113 ist.” Kristal starb im israelischen Haifa.