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Nix gelernt? 62% der Juden erleben "versteckten Antisemitismus" in Deutschland

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Nix gelernt? 62% der Juden erleben "versteckten Antisemitismus" in Deutschland

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Einer neuen Studie zufolge fürchten sich viele Juden in Deutschland vor wachsendem Antisemitismus.

Drei Viertel der Befragten nehmen Judenfeindlichkeit als großes Problem wahr und schätzen die Entwicklung in den vergangenen Jahren sehr pessimistisch ein. Dies sind die Ergebnisse der Studie “Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland“, die am Montag in Frankfurt am Main vorgestellt wurden.

Der Studienbericht dokumentiert die Ergebnisse der Befragungen von Jüdinnen und Juden zu ihren Wahrnehmungen, Interpretationen und Bewertungen des Antisemitismus.
Rund 550 Personen jüdischen Glaubens haben über das Internet teilgenommen. 62 Prozent gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Antisemitismus in Form “versteckter Andeutungen” erlebt zu haben. 29 Prozent sind demnach wegen ihres Glaubens beleidigt oder belästigt und drei Prozent körperlich angegriffen worden.

Angst vor Einstellung der Flüchtlinge
70 Prozent befürchten laut der Studie, dass der Antisemitismus in Deutschland weiter zunimmt, weil viele Flüchtlinge antijüdische Einstellungen hätten. Gleichzeitig erklärten drei Viertel, sich in Deutschland wohlzufühlen.

Religiose Identität wird in der Öffentlichkeit versteckt
Zum persönlichen Schutz werde die jüdische Identität nur selten nach Außen gezeigt. Nichtbeachtung des Antisemitismus sei Teil der Bewältigungsstrategie.
“Die meisten Angehörigen der jüdischen Bevölkerung in Deutschland trauen sich nicht, ihren Glauben in der Öffentlichkeit auszuleben – die Angst ist zu groß, Opfer von Gewalt zu werden”, heißt es in der Studie.
Antisemitismus sei bei Betroffenen physisch, psychisch und sozial belastend und zeige sich in Form von Vorurteilen, generellen Abwertungen gegenüber Jüdinnen, Juden und dem Judentum.

Foto: Reuters