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Indien: Muslimisches Scheidungsgesetz gekippt

Das oberste Gericht Indiens hat ein muslimisches Gesetz zu raschen Scheidungen für verfassungswidrig erklärt.

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Indien: Muslimisches Scheidungsgesetz gekippt

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Das oberste Gericht Indiens hat ein muslimisches Gesetz zu raschen Scheidungen für verfassungswidrig erklärt. Die Regel verletze die Rechte der Frauen, heißt es im Urteil.

Das Gesetz erlaubt es muslimischen Männern, sich von ihren Frauen zu scheiden, indem sie dreimal das Wort “Talaq” äußern, das für “Verstoßung” steht. Eine solche Schnellscheidung ist auch per SMS oder WhatsApp möglich.

Das dreifache Talaq zur Scheidung ist in vielen muslimischen Ländern gängige Praxis, wenngleich es verschiedene Abstufungen gibt. Nur in Tunesien und der Türkei ist es abgeschafft.

Die indisch-muslimische Frauenrechtlerin Zakia Soman, die mit anderen gegen das Gesetz geklagt hatte, sagte nun: “Das ist ein glücklicher Tag für uns, ein historischer Tag. Allerdings sind wir noch nicht am Ziel. Jetzt muss es einen langen Kampf für soziale Reformen, für ein gestärktes Bewusstsein, für Bildung geben.”

Die indische Regierung muss nun innerhalb der kommenden sechs Monate eine neue Regelung finden und die Verstoßungs-Praxis für illegal erklären. Allerdings war die Regel der hindu-nationalistischen Regierungspartei von Premier Narendra Modi ohnehin schon lang ein Dorn im Auge.

Einige muslimische Gruppierungen argumentieren dagegen, der Staat dürfe sich nicht in religiöse Angelegenheiten einimischen. Sie fürchten, die hinduistische Mehrheit versuche, den Einfluss der Muslime im Land zu schmälern.

Rund 14 Prozent der Inder sind Muslime.

Zusatzinfos
Frauenrechtsgruppe BMMA zum dreifachen Talaq in Indien
Wikipedia-Eintrag zum dreifachen Talaq in Indien
Informationen zum Talaq