Eilmeldung

Eilmeldung

Katar – 100 Tage und keine Lösung

Angela Merkel dringt auf Verhandlungen über ein Ende der seit mehr als drei Monaten laufenden Blockade Katars

Sie lesen gerade:

Katar – 100 Tage und keine Lösung

Schriftgrösse Aa Aa

“Wir sehen mit Sorge, dass auch 100 Tage nach Beginn dieses Konflikts noch keine Lösungen sichtbar sind”, sagte die Angela Merkel nach einem Treffen mit Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani in Berlin. Merkel betonte, dass Deutschland die Vermittlungsbemühungen Kuwaits und der USA weiter unterstützen, aber keine Partei für eine Seite ergreifen werde.

Anfang Juni hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und ihre Grenzen zu dem auf einer Halbinsel gelegenen Land geschlossen und Luft-, Land- und Meeresverbindungen zu Katar gekappt. Vor allem Saudi-Arabien und den VAE ist es ein Dorn im Auge, dass Katar islamistische Organisationen wie die Muslimbrüder fördert. Die sunnitischen Staaten werfen dem kleinen Nachbarn zudem vor, Terrorgruppen zu unterstützen und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran zu pflegen.

Merkel weiter: Deutschland sei nicht Partei in diesem Konflikt. Es wolle aber entsprechend seiner Werte dazu beitragen, dass der Konflikt gelöst werden kann. Die Kanzlerin warb dafür, faire Kompromisse zu finden. Alle Beteiligten müssten ihr Gesicht wahren können. Der Emir habe deutlich gemacht, dass die katarische Seite alles unternehme, um hier voranzukommen, so Merkel. In der Katar-Krise unterstützt die Bundesregierung die kuwaitischen Vermittlungsbemühungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die Fußball-WM in Katar 2022.

Das Emirat Katar will ungeachtet von Problemen bei Volkswagen und der Deutschen Bank an seinen Finanzbeteiligungen festhalten. Dass große Firmen manchmal schwierige Phasen hätten, sei etwas sehr Normales, sagte der Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani. Katar ist über zwei Investmentgesellschaften insgesamt mit 6,1 Prozent an der Deutschen Bank beteiligt, die unter einem langwierigen Konzernumbau leidet und um mehr Profitabilität ringt. An VW, das im Zentrum des Diesel-Skandals steht, hält Katar rund 15 Prozent der Anteile.

Für den Emir ist es die erste Auslandsreise seit Beginn der Krise. Er wird am Freitag auch in Paris erwartet und nimmt in der kommenden Woche an der UN-Vollversammlung in New York teil.