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Referendum in Kurdistan - eine Meinung aus der europäischen Diaspora

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Referendum in Kurdistan - eine Meinung aus der europäischen Diaspora

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Mit grossem Interesse verfolgt die kurdische Diaspora in Europa die aktuellen Vorgänge in der Region Kurdistan. In Brüssel traf Euronews Ebubekir, einen Forscher an der Freien Universität, der seit vielen Jahren in Belgien lebt.

Die Jahrhunderte lange kurdische Geschichte von Verfolgung und Staatenlosigkeit prägt seine Meinung.

Es ist ein sehr vorsichtiger Optimismus – und das, obwohl die EU, die USA und selbst die UNO gegen das Referendum sind.

In vier bis fünf Jahren, so sagt er, könnte es einen unabhängigen, demokratischen und säkularen kurdischen Staat geben, der ein zuverlässiger Verbündeter für die USA und Europa in der Region wäre.

Im irakischen Kurdistan ist die Zustimmung dafür gross. Nicht allerdings in den regionalen und europäischen Hauptstädten.

In Brüssel erklärte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini kürzlich, die europäische Politik unterstütze die Einheit und territoriale Integrität des Iraks.

Einseitiges Handeln wie etwa das vorgeschlagene Referendum sei krontraproduktiv und müsse vermieden werden.

Die Kurden im Irak betrachten indes die Unabhängigkeit als verdiente Belohnung dafür, dass sie den weiteren Vormarsch der Djihadisten im Nordirak stoppten und seit 2015 zurückdrängten.

So sieht es Marc Pierini, Analyst bei Carnegie Europe.

“Die Kurden glauben, dass ihnen die von den USA geführte internationale Koalition, wozu auch die Europäer gehören, etwas schuldet.

Das bedeutet zwar nicht die Unterstützung der Unabhängigkeit, aber zumindest eine diplomatische Stärkung bei der Suche für eine dauerhafte Lösung.”

Die Schwierigkeit, eine dauerhafte Lösung zu finden, hat nach Meinung von Ebubekir von Ebubekir vor allem einen Grund:

“Es gibt immense Ölvorkommen in der Region, das beste Beispiel ist die Gegend um die Stadt Kirkuk.

Vor allem deswegen konnten sich die irakische Zentralregierung und die autonome kurdische Regierung nicht einigen. Die Ölvorkommen sind aber die grösste Herausforderung für jeden Dialog zwischen Erbil und Bagdad.”

Eigentlich sollte schon vor Jahren ein Referendum den Status von Kirkuk klären – es wurde jedoch nie abgehalten.

Stattdessen wollen die Kurden Tatsachen schaffen und das Gebiet in ihren künftigen Staat eingliedern.

Dieser Ausgang ist indes ungewiss.