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Friedensnobelpreis 2017 geht an Anti-Atomwaffenkampagne ICAN

Das Bündnis hat am UN-Verbotsvertrag von Nuklearwaffen mitgewirkt.

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Friedensnobelpreis 2017 geht an Anti-Atomwaffenkampagne ICAN

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Angela Merkel, Donald Trump, Papst Franziskus … insgesamt wurden 318 Namen eingereicht für die Nominierung zum Friedensnobelpreis 2017.

Das norwegische Nobelkomitee in Oslo entschied sich in diesem Jahr für die Internationale Kampagne zur Abschaffung von atomarer Aufrüstung, ICAN. “Die Kampagne bekommt den Preis für ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken und für ihre Bemühungen an der Ausarbeitung eines Atomwaffenverbotvertrags”, begründete die Chefin des Komitees, Berit Reiss-Andersen. Sie sagte weiter: “Wir leben in einer Welt, in der das Risiko des Atomwaffeneinsatzes größer ist als je zuvor.”

Experten hatten im Vorfeld einen Preis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vorhergesagt.

ICAN ist ein globales Bündniss von über 450 Organisationen in 100 Ländern. Die Kampagne wurde 2007 bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags in Wien gestartet worden. Seitdem betreibt sie Aufklärungs- und Bildungsarbeit, vor allem bei jungen Menschen, und tritt mit Regierungen regelmäßig in Kontakt.

Das Bündnis hat am UN-Verbotsvertrag von Nuklearwaffen mitgewirkt, der im Juli in New York unterzeichnet wurde und von 122 Staaten unterstützt wird. Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen werden durch diesen Vertrag verboten. Alle Atommächte und fast alle Nato-Staaten hatten die Verhandlungen über den Vertrag boykottiert, auch Deutschland gehörte dazu.

Die Bundesregierung verteidigte diese Haltung: Zwar sei man sich mit Ican im Ziel einer atomwaffenfreien Welt einig, aber solange es Staaten gebe, die Atomwaffen als militärisches Mittel ansehen würden und Europa davon bedroht sei, bestehe die Notwendigkeit einer nuklearen Abschreckung.


Ein Zeichen gegen Atomwaffen weltweit

Die internationale Kampagne sieht den Friedensnobelpreis als Aufforderung, sich weiter für die nukleare Abrüstung weltweit zu engagieren. “Wir werden in den kommenden Jahren eifrig daran arbeiten, die vollständige
Umsetzung sicherzustellen. Jede Nation, die eine friedlichere Welt sucht, die frei von nuklearer Bedrohung ist, wird diese entscheidende Vereinbarung unverzüglich unterzeichnen und ratifizieren”, schrieb
ICAN kurz nach der Verleihung.


Der Preis ist ein klares Zeichen in Richtung USA und Nordkorea, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten gegenseitig bedrohten. Und eine Erinnerung an den Fall Iran: Das Abkommen über das iranische Atomprogramm vom Juli 2015 wurde zuletzt wieder von US-Präsident Trump kritisiert.

Die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und der iranische Außenminister Mohammed Jawad Zarif zählten übrigens auch zu den Favoriten der Nominierten. Die beiden Politiker gelten als “Architekten” des Atomabkommens, mit dem Teheran zusichert, Atomenenergie nur zu zivilen Zwecken zu nutzen.