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Große Stars, schlichte Inszenierung: Verdis "Don Carlos" mal im "Original"


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Große Stars, schlichte Inszenierung: Verdis "Don Carlos" mal im "Original"

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Es ist eine der düstersten Opern Verdis: “Don Carlos” hat die neue Saison an der Opéra Bastille in Paris eingeläutet. Mit internationaler Starbesetzung: Jonas Kaufmann in der Titelrolle und Sonya Yoncheva zum ersten Mal als Elisabeth. Politischer Idealismus, Verrat, Liebe und Intrige im Spanien des 16. Jahrhunderts bestimmen die Geschichte der unmöglichen Liebe zwischen dem spanischen Infanten Don Carlos und der französischen Prinzessin Elisabeth, die durch die politisch ratsame Heirat mit Carlos’ Vater Philipp II. zu seiner Schwiegermutter wird.

“Ich mag diese große Liebesgeschichte zwischen den beiden sehr”, begeistert sich Yoncheva, “auch diese Versuchung, diese Leidenschaft, die zwischen ihnen auflodert, und die Unmöglichkeit, sie zu erfüllen.”



Vorlage für Verdis epischen Fünfakter war das gleichnamige Drama Friedrich Schillers. Zum 150. Jahrestag seiner Premiere in Paris wurde das Meisterwerk in seiner Originalsprache aufgeführt, auf französisch. Verdi ließ es später ins Italienische übersetzen und kürzte es. Zwei Jahrzehnte lang hat er die Oper immer wieder überarbeitet, die bekannteste Fassung ist die italienische, “Don Carlo”.



Für den deutschen Star-Tenor, der Don Carlo(s) schon oft auf Italinenisch sang, ist der Ausflug ins Französische eine Herausforderung: “Es verändert sich durch die französische Sprache. Die Charaktere sind noch ein bisschen weicher, ein bisschen feiner. Ich habe fast das Gefühl, sie sind weniger dramatisch geworden, einfach durch diese französische Sprache, die das ganze ein bisschen feiner, ein bisschen subtiler macht, als das doch sehr fleischige Italienische.”



Auch wenn Don Carlos der Titelheld ist, mangelt es an großen Solos für ihn – sehr zu Kaufmanns Bedauern: “Es ist eine sehr interessante Frage: Was könnte ich Verdi sagen, wenn ich vor 150 Jahren bei der Premiere dabei gewesen wäre? Vor allem deshalb interessant, weil Verdi in seiner ursprünglichen Konzeption eine große Arie des Don Carlo(s) im 5. Akt vorgesehen hatte, und als er den Tenor kennengelernt hat und er so unzufrieden mit ihm war, hat er sein Konzept geändert und hat eine Arie für Elisabeth geschrieben. Ich hätte ihm also gesagt: Bitte schreibe eine Arie für den Tenor, schließlich heißt das Stück Don Carlo(s).”



Elisabeth hat einen ihrer großen Auftritte mit der Arie “Toi qui sus le néant”. “Es ist eine großartige Arie”, schwärmt Yoncheva, “ein Moment des Nachdenkens, ein sehr intimer Moment für Elisabeth. Das ist eine lyrische Rolle, eine Rolle mit großer Bandbreite, sie bringt alle Klangfarben zum Ausdruck.”



Und über das Schlussduett mit Don Carlos, “Au revoir dans un monde où la vie est meilleure” sagt sie: “Das Duett ist überwältigend – Musik von einer menschlichen Tiefe…”



Kaufmann: “Man hat fast das Gefühl, Verdi hat einen Weg gefunden, den Himmel aufzuschließen und man sieht die Treppe, die langsam nach oben führt. Die beiden wissen, dass es nur mit dem Tod enden kann.”

Ausführlichere Rezensionen unter anderem in der NZZ und im Spiegel

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