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Illegal in Amerika: Für Immigranten wird es eng

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Illegal in Amerika: Für Immigranten wird es eng

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Seit die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Vorgaben für die Ausweisung von illegalen Migranten verschärft hat, droht auch Riaz Talukder aus Bangladesch der Rausschmiss aus dem Land der “unbegrenzten Möglichkeiten”. “Was heute passiert? Keine Ahnung, aber hoffentlich geht es gut aus”, so Talukder vor dem Büro der Immigrantenbehörde. Bei der muss er sich seit Jahren schon regelmäßig melden, seit Kurzem sogar jeden Monat. Und kürzlich hat man ihm dort mitgeteilt, dass er das Land verlassen muss.

“Was würde ich wohl machen, wenn mein Vater ausgewiesen würde?”, fragt Talukders 11-jähriger Sohn Radi, 2Was würden meine Mutter und mein Bruder tun? Wie sollen wir ohne Geld zurück nach Bangladesch?”

Die beiden Söhne von Riaz Talukder sind in den USA geboren. Er selbst kam als Jugendlicher mit seinem Onkel in die USA. Erst viel später, sagt er, habe er festgestellt, dass er eigentlich ein illegaler Einwanderer sei. Als er einen Asylantrag stellte, weckte er damit die Aufmerksamkeit der Behörden. Dennoch ließen sie ihn zunächst weitgehend in Ruhe, Talukder heiratete, bekam Kinder und verdiente sein Geld als Taxifahrer. Doch die Trump-Regierung lässt keine Gnade mehr walten, wie ihre Vorgängerregierung unter Präsident Barack Obama.

Obamas Werk und Trumps Beitrag

Erst vor Kurzem hatte Trump ein Programm aus der Obama-Ära abgeschafft, das jungen Migranten, die wie Talukder in den USA aufgewachsen sind, eine Arbeitserlaubnis und damit ein Aufenthaltsrecht zugesteht. Dabei ist die massenweise Ausweisung unauffälliger und nicht vorbestrafter Migranten selbst unter Republikanern umstritten. Während Trump die Einwanderer als billige Arbeitskräfte sieht und deshalb für sinkende Löhne und steigende Arbeitslosigkeit verantwortlich macht, warnen andere. Sie sehen die Migranten als Rückgrat der Wirtschaft, als die, die das System in den USA seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten am Laufen halten.

Talukders Fall hat öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Er hat noch nicht aufgegeben, will weiter kämpfen. Man habe gerade erst angefangen, so sein Anwalt Edward Cuccia: “Wir haben Anträge eingereicht, die sie jetzt bearbeiten müssen. Wir hoffen, dass den Anträgen stattgegeben wird. Wenn nicht, werden wir Einspruch erheben und weitere Anträge stellen.”

Einen kleinen Erfolg hat Riaz Talukder erreicht: Seine Abschiebung wurde ausgesetzt. Er darf nun zumindest ein halbes Jahr länger in den USA bleiben, Zeit, die er für seinen Kampf gegen die Behörden nutzen wird.

Es geht auch anders

Nicht überall in den USA müssen Migranten mit derartigen Maßnahmen rechnen. Ein Beispiel ist Kalifornien. Der Bundesstaat will Einwanderer künftig besser schützen und ihre Lebensbedingungen verbessern. Der Gouverneur des Westküstenstaates, Jerry Brown, hat am Donnerstag eine Reihe entsprechender Gesetze unterzeichnet. Mit diesem Schritt solle sichergestellt werden, dass "hart arbeitende Menschen, die einen Beitrag für unseren Staat leisten, respektiert werden", hieß es in einer Mitteilung.

Kalifornien wird damit zu einem so genannten Sanctuary State, in dem Einwanderern unabhängig von deren Aufenthaltsstatus mehr Schutz geboten werden soll. So soll etwa möglichen Abschiebungen durch die Bundesbehörden entgegengewirkt werden. In Kalifornien leben nach Schätzungen mehr als 2,3 Millionen illegale Einwanderer. In den USA gibt es bereits mehrere Hundert Städte und Landkreise, die als Sanctuary Cities Einwanderern Zuflucht bieten wollen. Sie lehnen die Kooperation mit der Regierung, etwa für Abschiebungen, ab.