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Nächtliche Sondierungen: Ist Jamaika an Schlafmangel gescheitert?

Immer wieder dauern politische Verhandlungen bis in die Nacht hinein. Und am nächsten Morgen stehen die Politiker wieder auf der Matte. Was bedeutet das für die Qualität der Verhandlungen?

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Nächtliche Sondierungen: Ist Jamaika an Schlafmangel gescheitert?

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Jamaika ist gescheitert, weil die FDP hat den Verhandlungstisch verlassen hat. Inhaltlich gab die Partei dafür keine Gründean. Es habe mit dem Gesamteindruck zu tun, sollen die gelben Verhandlungsführer nach Angaben der Grünen-Vorsitzenden Özdemir und Göring-Eckardt gesagt haben.

Doch was, wenn das alles nicht stimmt und der eigentliche Grund für den Abbruch der Sondierungsgespräche Schlafmangel war? Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieser Verdacht mehr als begründet.

“Die Nacht ist kein Zeitpunkt für sachliche Entscheidungen. Wer nicht genug schläft, kann Probleme schlechter lösen. Emotionen spielen dann eine größere Rolle”, sagte Jürgen Zulley, ehemaliger Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Universität Regensburg.

Die Schlafforschung habe das Scheitern vorhergesagt, meint Steffen Gais von der Universität Tübingen. “Die Teilnehmer der Sondierungsgespräche sind voll auf Risiko gegangen, sie haben sich dabei immer weniger vertraut und die Stimmung ist eingebrochen”, so der Schlafforscher.

Wer wenig schläft, kann sich schlecht konzentrieren und kann Risiken schlechter einschätzen, auch Argwohn und Streitlust werden gesteigert, erklärte Gais.

Ab wann spricht man von Schlafentzug?

Wenn ein Mensch über den Zeitpunkt hinaus wach ist, zu dem er normalerweise ins Bett geht, sprechen Forscher von Schlafenzug. Der biologische Rhythmus laufe konstant weiter. Auch wer sich normalerweise besonders gut abends konzentrieren kann, ist mit nächtlicher Arbeit überfordert, meint Zulley.

“Um etwa drei Uhr früh kommen alle Menschen in ein Leistungs- und Stimmungstief. Deshalb passieren die meisten Arbeitsfehler in Nachtschichten.”

Ob die Jamaika-Verhandlungen anders ausgegangen wären, wenn die Politiker nicht so übernächtigt gewesen wären, wissen wohl nur die Verhandlungspartner selbst.

Zur Qualität der Gespräche hatte eine Mütze Schlaf aber wohl in jeden Fall beigetragen.

Schon vor dem Scheitern der Sondierungen, warnte der Internist Werner Grille vor den Gefahren von Schlafmangel.


Mit dpa