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Praljak-Tod: Woher kam das Gift?

Die zuständige Staatsanwältin und der Sprecher des Haager Gerichtshofs äußern sich gegenüber euronews zu den Ermittlungen.

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Nach dem Gifttod des wegen Kriegsverbrechen verurteilten Slobodan Praljak konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Frage, wie der frühere bosnisch-kroatische General an die Chemikalien gelangen konnte. Der 72-Jährige hatte kurz nach dem Schuldspruch vor dem UN-Gerichtshof in Den Haag eine Flüssigkeit zu sich genommen - wenige Stunden später war er tot.

„Jemandem beim Selbstmord zu helfen, ist in den Niederlanden eine Straftat - das ist einer der Hauptpunkte der Ermittlung“, sagt die zuständige Staatsanwältin Marilyn Fikenscher. „Wir werden auch untersuchen, ob die chemische Substanz legal war oder nicht. Die Ermittlungen sind gerade erst eingeleitet worden, also kann ich dazu noch nicht viel sagen. Wir sehen die Dringlichkeit dieser Sache und geben unser Bestes."

Einst waren auch in der Zelle des ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic unerlaubte Medikamente gefunden worden - Milosevic starb 2006 an einem Herzinfarkt, noch bevor der Haager Gerichtshof ein Urteil fällte. Die Einschätzung, Praljak habe sich durch seinen Tod der Justiz entzogen, sei nicht richtig, meint Nenad Golčevski, Sprecher des Tribunals.

„Herr Praljak hat seine Strafe bekommen. Seine Verantwortung für die Verbrechen, die in Bosnien und Herzegowina begangen wurden, sind durch die Berufungskammer bestätigt worden. Die Kammer hat ebenfalls die Haftstrafe von 20 Jahren bestätigt. Er hat also sein Urteil erhalten. Ich würde nicht sagen, dass er sich der Justiz entzogen hat, dem stimme ich nicht zu", so Golčevski.

Der Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien sah es als erwiesen an, dass Praljak während des Bosnienkriegs in den 1990er Jahren für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich war.